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Diversität Zeit für mehr Vielfalt: Warum die Corona-Pandemie eine Chance für Frauen ist

Auf den ersten Blick scheinen Frauen die sozialen Verlierer der Coronakrise zu sein. Doch mittel- und langfristig werden sie zu den Gewinnern zählen.
11.06.2020 - 19:14 Uhr Kommentieren
Die Unternehmerin sieht und nutzt die Coronakrise als Chance. Quelle: Holger Talinski/laif
Tijen Onaran

Die Unternehmerin sieht und nutzt die Coronakrise als Chance.

(Foto: Holger Talinski/laif)

Düsseldorf Das Geschäftsmodell von Tijen Onaran basiert auf Frauen. Besser gesagt: auf dem Mangel in deutscher Wirtschaft, Politik und Gesellschaft an Führungsfrauen. Onaran berät Firmen, wie sie sich diverser aufstellen können, und organisiert entsprechende Veranstaltungen. Sie ist damit eine Art Seismograf für die Entwicklung der Geschlechtergerechtigkeit und für den Inklusionsgrad der deutschen Gesellschaft.

Das Geschäft der 35-Jährigen mit türkischen Wurzeln lief bis Mitte März gut. Vor der Coronakrise war sie fünf Tage die Woche in Deutschland unterwegs – für Firmen, politische Institutionen, Verbände. Sie war omnipräsent – bis zum 6. März. An diesem Freitag hätte sie auf Einladung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte in München sprechen sollen. Doch 24 Stunden vorher kam die Absage. Es folgten viele weitere.

Mit dem Shutdown bricht der Teil ihres Geschäfts zusammen, der auf persönlichen Treffen basiert. Doch Onaran, die gerne in schrillen Farben gekleidet ist, veranstaltet, berät und wirkt munter weiter – nur eben virtuell.

In ihrem Mantra „Im Digitalen liegt die Zukunft der Frauen“ fühlt sie sich inzwischen deshalb bestätigt. Global Digital Women heißt ihr Netzwerk, mit dem alles vor drei Jahren begann.

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    Als Prophetin möchte sich Onaran nicht feiern lassen. Ein bisschen Genugtuung und viel Zuversicht schwingen aber schon mit, wenn sie sagt: „Die Krise hat gezeigt, wer gut positioniert ist: die, die digital und divers aufgestellt sind.“

    Tijen Onaran ist eine Gewinnerin der Coronakrise. Viele ihrer Geschlechtsgenossinnen waren das bisher nicht. Das Schließen von Schulen und Betreuungseinrichtungen führte dazu, dass über Nacht die alte Arbeitsteilung wieder herrschte: Viele Frauen blieben noch mehr zu Hause, als sie es bisher sowieso schon gemessen in Teilzeitquoten taten.

    Sie kümmerten sich um Kinder und Küche – und ihre Männer sich weiterhin mehr oder weniger ausschließlich um die Karriere. Die Soziologin Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin, sprach deshalb schon von einer „entsetzlichen Retraditionalisierung“.

    Die Macht des Wandels

    Dass das aber nur eine Momentaufnahme ist und nicht nur Onaran eine Krisengewinnerin sein wird, dafür mehren sich die Zeichen. Im Laufe der Pandemie scheint aus Wut Mut geworden zu sein, aus verzweifeltem Pessimismus überlegter Optimismus.

    Den Worten von Allmendinger stehen etwa Studien gegenüber wie das „Working Paper No. 26947“ der Cambridge University, die aufzeigen, wie sehr sich unsere Arbeitswelt gerade wandelt und wie sehr Frauen davon profitieren können. „Dadurch dass aktuell so viele Väter im Homeoffice sind wie nie zuvor, erwarte ich, dass sich auch langfristig Männer mehr an der Kinderbetreuung beteiligen werden. Das würde dann zu mehr Geschlechtergerechtigkeit führen.“, sagt Michele Tertilt, Co-Autorin der Studie und Ökonomie-Professorin an der Universität Mannheim.

    Es gibt Vordenkerinnen und Macherinnen wie die Unternehmerin Verena Pausder und die Politikerin Nadine Schön (CDU), die Initiativen („WirfürSchule“) starten und Appelle („Neustaat“) formulieren, und damit „die Krise als große Chance für unser Land“ sehen und nutzen.

    Es gibt die beiden SPD-Bundesministerinnen Franziska Giffey (Familie) und Christine Lambrecht (Justiz), die auch in der Corona-bedingten Wirtschaftskrise weiter die gesetzliche Vorstandsquote fordern, um den Frauenanteil in Führungsgremien zu steigern.

    „Vielfalt und Teilhabe sind wesentlich für einen nachhaltig erfolgreichen Neustart.“ Quelle: SAP
    Cawa Younosi (SAP-Personalvorstand)

    „Vielfalt und Teilhabe sind wesentlich für einen nachhaltig erfolgreichen Neustart.“

    (Foto: SAP)

    Es gibt den Personalchef des derzeit wertvollsten deutschen Dax-Konzerns SAP, Cawa Younosi, der sagt: „Wir dürfen Vielfalt und Teilhabe auch in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg nicht vergessen. Schließlich sind diese Themen wie auch der Klimawandel wesentlich für einen nachhaltig erfolgreichen Neustart der Wirtschaft.“

    Und es gibt Netzwerke wie das der „Working Moms“, die den historischen Moment für ihre politischen Forderungen sehen: „Diese Krise ist unsere Chance“, sagt Lucia Mathée, die Vorsitzende des Vereins. „Die Missstände in unserem Bildungs- und Betreuungssystem sind so offensichtlich geworden. Jetzt ist der Zeitpunkt für Veränderung, und den müssen wir nutzen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.“

    Und es gibt natürlich auch Freigeister, die die Krise nach vorn denken. Daniel Dettling ist so einer. Er leitet das Berliner Zukunftsinstitut und hat die aktuelle Lage in seinem Buch „Zukunftsintelligenz. Der Corona-Effekt auf unser Leben“ analysiert. Er stellt fest: „Macht die Pandemie jetzt kaputt, was sich Frauen jahrzehntelang erkämpft und erarbeitet haben? Nein. Gegen die Momentaufnahme spricht die Macht des Wandels.“

    Für Politikwissenschaftler Dettling ist klar: „Corona wird auch in der Geschlechterfrage zum Game Changer.“ Die Arbeitswelt werde sich radikal ändern. In der „neuen Normalität“ werde Homeoffice die Regel und stundenlange Präsenzsitzungen und Veranstaltungen zur Ausnahme. „Frauen beherrschen die Fähigkeit zur Selbstdisziplin und Selbstorganisation, den selbstbewussten Umgang mit Unsicherheit und Komplexität besser als Männer. Die Frauen werden die Männer auch ökonomisch in den nächsten 20 Jahren überholen.“

    Dettlings Optimismus kommt nicht von ungefähr. Er wird von repräsentativen Umfragen unterstützt, wie die der „Initiative Chefsache“, die 2015 unter der Schirmherrschaft von Angela Merkel gegründet wurde und ein Netzwerk von Führungskräften aus Wirtschaft, Wissenschaft, öffentlichem Sektor und Medien ist.

    Laut der im April durchgeführten Umfrage ist in der Krise ein Wertewandel in Gang gekommen. Führungskräfte akzeptierten zunehmend flexible Arbeits(zeit)Modelle wie Teilzeit, das Homeoffice und seien auch mit der Arbeit ihrer Kolleginnen zufrieden. Gleichzeitig sei ein Umdenken bei Vätern in Gang gekommen, die ebenfalls Arbeitszeit reduzieren wollen. Das führe zu mehr Karrierechancen bei Frauen.

    Einfalt in den Chefetagen

    Der Nachholbedarf der deutschen Wirtschaft in puncto Vielfalt und Geschlechtergerechtigkeit ist immens – auch und gerade im internationalen Vergleich. Nur 28 der insgesamt 193 Dax-Vorstände sind Frauen, gerade einmal 15 Prozent. Der typische Vorstand eines Dax-30-Konzerns ist männlich, 55 Jahre, hat Wirtschaftswissenschaften studiert, ist deutscher Herkunft und mindestens 20 Jahre im Unternehmen.

    In den Führungsetagen der größten deutschen Familienunternehmen ist die Lage nicht viel anders. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Allbright-Stiftung agieren sie bei der Modernisierung ihrer Führungsstrukturen noch sehr zögerlich: In den Geschäftsführungen der 100 umsatzstärksten deutschen Familienunternehmen arbeiten nur 6,9 Prozent Frauen.

    Für Wiebke Ankersen, Geschäftsführerin der Allbright-Stiftung, ist das ein echter Wettbewerbsnachteil: „Gerade in der aktuellen Krise und der Zeit danach könnten sie von den betriebswirtschaftlichen Vorteilen einer robusten, gemischten Führung profitieren und zugleich ihrem Anspruch, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, besser gerecht werden.“

    Die Einfalt in deutschen Chefetagen ist fatal – und zwar nicht aus ideologischen Gründen, sondern aus ökonomischen. Vielfalt verspricht schließlich mehr Erfolg. Je diverser, desto erfolgreicher: Dieser Zusammenhang hat sich laut einer neuen internationalen Analyse von McKinsey jüngst sogar noch verstärkt.

    Unternehmen mit hoher Geschlechtervielfalt haben demnach eine um 25 Prozent und damit signifikant größere Wahrscheinlichkeit, überdurchschnittlich profitabel zu sein. Im Jahr 2014 lag der Wert noch bei 15 Prozent.

    Diese Einsicht setzt sich in der deutschen Wirtschaft langsam, aber sicher durch. Das beobachtet auch Natalie Daghles. Die 39-Jährige ist Partnerin bei Latham & Watkins, einer internationalen Großkanzlei, die einst in Los Angeles begründet wurde. Daghles hat ihr Büro im zehnten Stock des ikonografischen Dreischeibenhauses in Düsseldorf, dem früheren Thyssen-Hochhaus.

    „Das Thema Diversität beschäftigt uns auch in Deutschland seit einigen Jahren massiv“, erzählt sie. So habe sich die Kanzlei selbst diverser aufgestellt, um Voraussetzungen wie die des neuen „General Counsel for Diversity and Inclusion“ erfüllen zu können und als Dienstleister für globale, zukunftsorientierte Konzerne attraktiv zu sein. Daghles: „Durch die Coronakrise hat sich der Fokus noch einmal geschärft. Das Thema Vielfalt genießt bei uns Top-Priorität.“

    Mit dem „General Counsel for Diversity & Inclusion Statement“ haben die Chef-Justiziare von rund 100 Konzernen global ein klares Zeichen gesetzt – und den Druck so nach innen und außen erhöht. Zu den Unterzeichnern der Erklärung und Selbstverpflichtung gehören auch die Verantwortlichen einiger deutscher Konzerne wie Bayer, BASF, Deutsche Telekom, Merck und Siemens.

    „Wir haben mit dieser Quote ein klares Bekenntnis abgegeben. Diversity ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor.“ Quelle: Bloomberg/Getty Images
    Wolfgang Fink (Deutschlandchef Goldman Sachs)

    „Wir haben mit dieser Quote ein klares Bekenntnis abgegeben. Diversity ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor.“

    (Foto: Bloomberg/Getty Images)

    Das hat Abstrahleffekte – etwa auch in die lange stark männerdominierte Finanzindustrie. So kündigten jüngst die Finanzinvestoren Blackstone und State Street an, auf Hauptversammlungen allzu homogene Führungsgremien nicht mehr zu entlasten. Und die Investmentbank Goldman Sachs will ab Juli kein amerikanisches oder westeuropäisches Unternehmen mehr an die Börse bringen, in dessen Aufsichtsrat/Board nur weiße Männer sitzen. Obendrein sollen ab Juli 2021 bei Börsenaspiranten mindestens zwei Frauen oder anderweitig diverse Mitglieder im Aufsichtsrat/Board sitzen.

    „Wir haben mit dieser Quotenreglung ein klares Bekenntnis abgegeben. Diversity ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor“, sagt Goldman-Sachs-Deutschlandchef Wolfgang Fink dem Handelsblatt. „Wir lassen unsere Kunden mit dieser Forderung natürlich nicht allein. Wir sind Investmentbanker und -berater. Wir helfen unseren Kunden mit unserem Netzwerk sehr gerne, diverse Kandidaten für ihre Führungsgremien zu finden.“

    Es gibt sie schließlich schon, die Frauen in Top-Führungspositionen. Claudia Nemat ist so eine. Die 51-Jährige ist seit 2011 im Vorstand der Deutschen Telekom. Und sie hat den Drang, ganz an die Spitze zu gelangen. Ebenso: Brigitte Orlopp, die im Vorstand der Commerzbank ihre Frau steht, Saori Dubourg bei BASF oder Melanie Kreis bei der Deutschen Post. Der weibliche Shootingstar des vergangenen Jahres, Jennifer Morgan, zählt allerdings nicht mehr dazu. Die Amerikanerin verließ den SAP-Konzern nach wenigen Monaten als Co-Chefin wieder.

    SAP ist damit nicht mehr nur das derzeit wertvollste börsennotierte deutsche Unternehmen. Der Softwareriese ist nun auch der erste Dax-Konzern der eine weibliche Chefin hatte – wenn auch nur kurz. Einen Personalvorstand wie Cawa Yunousi bringt das nicht ab vom Kurs, ganz im Gegenteil. Der gebürtige Afghane sagt: „Vorstände kommen, Vorstände gehen. Wir dürfen uns durch eine Personalie nicht entmutigen lassen. Unsere Mission war und ist sowieso noch lange nicht erfüllt. Wir müssen unsere kontinuierliche Personalstrategie fortsetzen. Vielfalt bedeutet Mehrwert.“

    Von der Krise zur Initiative

    Die Frauenverbände werden indes immer selbstbewusster. Fidar-Chefin Monica Schulz-Strelow appelliert inzwischen nicht mehr nur an Politikerinnen. Jüngst forderte sie via LinkedIn bekannte Journalistinnen und Verlagsmanagerinnen wie Julia Jäkel von Gruner & Jahr auf, das Thema nicht zu vergessen: „Bringen wir ‚Frauen in Führung‘ wieder zurück in die Medien! Denn wir können gerade jetzt nicht auf die Expertise von Frauen in Führungspositionen verzichten, um Wirtschaft und Gesellschaft aus der Krise zu navigieren.“

    Und die „Working Moms“, ein Netzwerk mit deutschlandweit rund 600 Mitgliedern in Führungspositionen, das sich seit zwölf Jahren für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzt, forderten in einem öffentlichen Brief an die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Stefanie Hubig, unter anderem „eine funktionale digitale Infrastruktur“, „digital gebildete Lehrer“ sowie „Mindestbetreuungszeiten an Schulen und Kitas“: „In unseren Vereinen breitet sich zunehmend Unmut aus: Wir sehen uns als Familien, in denen (auch) die Mütter ambitioniert berufstätig sind, durch die politischen Maßnahmen zur Bewältigung der Coronakrise in besonderem Maße belastet.“

    Dieses neue selbstbewusste Engagement sieht Anke Hoffmann gern. Die Chefin der gleichnamigen Personalberatungsboutique aus Berlin erklärt: „Netzwerken ist in und nach dieser Krise für Frauen, die in Führungsverantwortung streben, wichtiger denn je. Es ist viel Bewegung im Personalmarkt. Wer aufsteigen will, muss aber auch sichtbar sein und seinen Aufstiegswillen klar kommunizieren.“

    Dass eine Führungskarriere nach wie vor für Frauen kein Selbstläufer ist, davor warnt auch Sabine Hansen. Die Personalberaterin von She4Her – Leadership Consulting sagt: „Es werden derzeit vor allem Sanierer und Digitalisierer gesucht. Ob männlich oder weiblich, ist da egal.“ Bewegung zugunsten von Frauen erwartet sie bei teilverstaatlichten Konzernen wie der Lufthansa: „Der Bund wird sich dort für mehr Diversität einsetzen.“

    Doch ob die Politik der Problemlöser ist? Die Herausforderung, mehr Frauen in Führungspositionen bringen zu wollen, ist dort zwar seit Langem angenommen. Doch über die Instrumente liegen die Großkoalitionäre über Kreuz.

    Während die sozialdemokratischen Ministerinnen Giffey und Lambrecht auch in der Krise für ihre gesetzliche Frauenquote kämpfen, lehnt Nadine Schön von der CDU diese Quote „als Eingriff ins Operative“ ab. Die Juristin, die gerade mit ihrem Parteifreund Thomas Heilmann das Buch „Neustaat“ veröffentlicht hat, in dem sie dazu ermuntern, dass der Staat sich selbst disruptiert, sagt: „Wir müssen Führen in Teilzeit ermöglichen. Wir dürfen Männer wie Frauen nicht vor die Entscheidung stellen: Familie oder Karriere. Beides zusammen muss möglich sein.“

    „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Quelle: obs/AvS - International Trusted Advisors GmbH/Lina Grün
    Unternehmerin Verena Pausder

    „Wenn nicht jetzt, wann dann?“

    (Foto: obs/AvS - International Trusted Advisors GmbH/Lina Grün)

    Am Ende wird es der Mut jeder einzelnen Frau (und auch jedes einzelnen Mannes) sein, der darüber entscheidet, wie sie (oder er) aus dieser Krise herausgeht. Ein positives Beispiel ist sicherlich Verena Pausder.

    Die Unternehmerin erlebte die ersten Corona-Wochen auch im „Schockzustand“, wie sie erzählt. Zurückgeworfen auf die eigenen vier Wände in Berlin, war sie plötzlich nicht mehr nur Mutter, sondern auch noch Erzieherin und Lehrerin ihrer drei Kinder. Sie und ihr Mann versanken wie Tausende andere Familien auch im alltäglichen Wahnsinn aus Homeoffice und Homeschooling. „Ich hatte das Gefühl, meine Freiheit verloren zu haben.“

    Zu Ostern war die einstige Gründerin der Kinder-App-Firma „Fox & Sheep“ und der Haba Digitalwerkstätten und heutige Aufsichtsrätin der Comdirect-Bank dann „reif“ – nicht für die Krise in der Krise, sondern für eine neue Initiative.

    „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragte sie sich. „Noch offensichtlicher als jetzt, dass die Digitalisierung und das Bildungssystem in diesem Land nicht funktionieren, kann es nicht werden. Wir müssen diesen Moment nutzen, um die Dinge zu verändern.“

    Die 41-Jährige sucht Gleichgesinnte und Partner und findet sie in ihrem bereits 2017 gegründeten Verein: „Digitale Bildung für alle“. Ihr Ziel: das Beste aus dem kommenden Schuljahr 2020/21 zu machen. Das Mittel: Unter #wirfuerschule veranstaltet sie mit anderen Ehrenamtlern einen Hackathon. In dieser Woche entwickeln deshalb rund 6000 Teilnehmer neue Ideen für die Schule der Zukunft.

    Die gebürtige Bielefelderin Pausder ist überzeugt: „Diese Krise ist eine große Chance für unser Land. Wir hätten sonst nie so offensichtlich die Mängel aufgedeckt. Jetzt gilt es, diese Chance auch zu nutzen – für uns und unser Land.“

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