Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Zum The Shift! Special von Handelsblatt Online

Gastbeitrag Die Unternehmen der Zukunft brauchen ein emotionales Upgrade

Zahlen, Daten, Fakten – das zählt für deutsche Unternehmer. Doch wenn sie in Zukunft nicht scheitern wollen, muss sich der Führungsstil ändern.
  • Susanne Nickel
08.09.2019 - 13:18 Uhr Kommentieren
Als Rednerin gewann Susanne Nickel 2016 bei der GSA den Preis für die beste Keynote. Sie ist in fast allen Dax-30-Unternehmen viele Jahre ein- und ausgegangen. ( Credit: Susannenickel.com)
Susanne Nickel

Als Rednerin gewann Susanne Nickel 2016 bei der GSA den Preis für die beste Keynote. Sie ist in fast allen Dax-30-Unternehmen viele Jahre ein- und ausgegangen.
(Credit: Susannenickel.com)

Düsseldorf Wir leben in einer Arbeitswelt, die stark umsatz-, zahlen- und technologiegetrieben ist. Künstliche Intelligenz (KI) statt Empathie und Automatisierung statt Kreativität. Eine Welt, in der kühler Sachverstand und langjähriges Expertentum die Eintrittskarte in die Management-Riege sind.

Doch reicht das, um Unternehmen nachhaltig erfolgreich zu machen? Meiner Meinung nach: Ganz klar nein! Denn in vielen erfolgskritischen Bereichen scheitern wir heute mit einer rein rationalen Herangehensweise. Ich will Ihnen einige Beispiele nennen:

Keine Innovation ohne Emotion

Innovationen entstehen nicht nur auf Basis von nüchternen Fakten. Für sie braucht es vor allem Kreativität, Co-Creation und Vision – und damit eine starke emotionale Komponente. Nicht umsonst steht beim Design Thinking am Anfang die Empathie: Nur wer die Kundenbedürfnisse kennt, kann Produkte entwickeln, die ihre Zielgruppe begeistern.

Ein anderes erfolgreiches Konzept im Innovationsmanagement sind Gamification-Methoden wie „Lego Serious Play“. Durch den spielerischen Ansatz wecken wir das innere Kind in uns – es werden ganz andere Gehirnregionen genutzt als bei einem klassischen Brainstorming und wir lassen unserer Kreativität freien Lauf. Dies entspricht auch den Erkenntnissen des Neurobiologen Gerald Hüther: Menschen können nur dann etwas lernen, wenn unsere sogenannten emotionalen Zentren im Gehirn aktiviert werden.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Change Business ist People Business

    Tatsächlich ruft nichts so viele Emotionen hervor wie Veränderungen: Im Change Management müssen Ängste und Widerstände abgebaut, Engagement und Begeisterung für den Wandel geweckt werden. Entscheidend ist es, bereits vorhandene Gefühle der Mitarbeiter mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl zu führen.

    Ihre Meinungen und Sichtweisen müssen eingeholt und berücksichtigt und ihr Informationsbedürfnis bestmöglich erfüllt werden, damit die Mitarbeiter den Veränderungsprozess mittragen. Denn Change soll idealerweise begeistern, nicht blockieren.

    Beziehungsmanagement entscheidet im Kampf um die Fachkräfte

    Und auch beim Recruiting „menschelt“ es: Hier geht es darum, qualifizierte und zur Unternehmenskultur passende Mitarbeiter zu gewinnen und zu binden. Oftmals entscheidet dabei die Candidate Experience: Wie nehme ich das Unternehmen wahr – fühle ich mich angesprochen? Kann ich eine positive Beziehung zu meinen Ansprechpartnern aufbauen?

    Der Beziehungsaspekt schafft die Hebelwirkung bei jedem Touchpoint. Und auch nach der Unterschrift unter dem Arbeitsvertrag entscheiden oft die weichen Faktoren über die Verweildauer im Unternehmen: Fühlt sich der neue Mitarbeiter nicht wohl, weil das Arbeitsklima nicht stimmt? Ist er oft schneller wieder weg als der Recruiting-Prozess gedauert hat? Gleichzeitig sorgt eine gute Stimmung im Team für eine höhere Produktivität und stärkere Identifikation mit dem Arbeitgeber.

    Leadership made for Gen Y

    In unserer neuen Arbeitswelt brauchen wir eine neue, eine transformationale Führung. Diese basiert auf vier Grundpfeilern: der Vorbildfunktion der Vorgesetzen, inspirierender Motivation, intellektueller Anregung und individueller Unterstützung.

    Die transformationale Führung setzt also auf eine starke emotionale Komponente – transformationale Führungskräfte sind vor allem „human experts“, die sich durch ihren souveränen Umgang mit Mitarbeitern und deren Emotionen auszeichnen.

    Einfühlungsvermögen, Sinnvermittlung, authentisches Handeln oder die Fähigkeit, zeitnah, offen und transparent zu kommunizieren, sind nur ein paar der Soft Skills, die in einem zeitgemäßen Leadership-Verständnis immer mehr an Bedeutung gewinnen und Fachwissen sowie Branchenkenntnis nach und nach den Rang ablaufen.

    Ratio + Emotio sind der Rhythm’n‘Beat für Unternehmen

    Unternehmen müssen lernen: Wenn Zahlen, Daten, Fakten ihr Beat sind, dann sind die Emotionen ihr Rhythmus, in dem der Beat schlägt. Die Liste der Beispiele könnte noch beliebig erweitert werden, zeigt aber bereits auch so, dass Emotionen im Unternehmenskontext mittlerweile mindestens ebenso erfolgskritisch sind wie harte Fakten und nüchterner Sachverstand.

    Dementsprechend sollten sie auch richtig genutzt werden. Denn rein rational geführte Unternehmen verspielen wertvolles Kapital für den Unternehmenserfolg.

    Frauen als Gewinnerinnen der De-Rationalisierung

    Ist der richtige Mix aus Ratio und Emotio der Rhythm’n‘Beat der Unternehmen, sind Frauen die geborenen Bandleaderinnen. Denn sie haben oft (noch) einen besseren Zugang zu ihren Emotionen und weniger Hemmungen, sie auch im Job gezielt einzusetzen: um Mitarbeiter zu gewinnen, zu führen und zu binden, um Kundenwünsche zu antizipieren oder um den Change zu gestalten.

    Natürlich könnten Männer dies ganz genauso, doch oft sehen sie es noch als „unmännlich“ an, im Job emotional zu handeln. Dabei muss uns auch klar sein: Je stärker die Automatisierung voranschreitet, je leistungsfähiger Algorithmen und KI werden, desto wichtiger werden unsere Soft Skills und unsere Emotionalität.

    Dies mag zunächst nach einem Widerspruch klingen, aber je mehr kognitive Fähigkeiten Kollege Roboter „erwirbt“, desto mehr Gewicht erhält der menschliche USP der emotionalen Kompetenz. Hier sind Frauen aktuell klar im Vorteil, weswegen ich zu behaupten wage: Die Unternehmen der Zukunft brauchen ein emotionales Upgrade – und mehr Frauen in Führungspositionen!

    Über die Autorin

    Susanne Nickel ist Speakerin, Beraterin und Autorin. Als Managerin in nationalen und internationalen Unternehmen und Konzernen sammelte sie langjährige Erfahrung im Change Management und innovativen Leadership-Ansätzen. Das aktuelle Buch der gelernten Tänzerin und Rechtsanwältin „Gestatten: Chefin“ erschien am 22.08.2019 im Haufe Verlag.

    Mehr: New Work gilt in Unternehmen als Allheilmittel im Kampf um Talente und Innovationen. Doch viele Firmen in Deutschland scheitern an der Umsetzung.

    Startseite
    Mehr zu: Gastbeitrag - Die Unternehmen der Zukunft brauchen ein emotionales Upgrade
    0 Kommentare zu "Gastbeitrag: Die Unternehmen der Zukunft brauchen ein emotionales Upgrade"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%