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Gastbeitrag Welches Mindset Unternehmer jetzt aus der Krise führt

Ex-Allianz-Vorständin Ana-Cristina Grohnert sagt: Die „harten Assets“ einer Firma stellen in Zukunft keine relevanten Werte mehr dar. Was es stattdessen braucht.
21.02.2021 - 11:35 Uhr Kommentieren
Gemischte Teams performen besser. Das bestätigen inzwischen etliche Studien. Quelle: Unsplash
Vorteile durch Diversity

Gemischte Teams performen besser. Das bestätigen inzwischen etliche Studien.

(Foto: Unsplash)

Ein Jahr nach Beginn der Pandemie gibt es in diesen Tagen vor allem Kritik am Krisenmanagement der Politik. Mit welchen Milliardenbeträgen die Regierung ganze Wirtschaftszweige und das System insgesamt stabilisiert hat, gerät dabei schnell in den Hintergrund.

Und auch die Frage: Wie kommt die Wirtschaft selbst, wie kommen Unternehmen eigenständig mit einer solchen Herausforderung zurecht? Wie schnell waren sie in der Lage, sich auf eine unbekannte Situation einzustellen?

Aber auch: Wie gehen Unternehmen in einer solchen Krisensituation mit ihren Beschäftigten um? Das reicht weit über die Frage hinaus, wer ins Homeoffice darf und wer diese Möglichkeit gar nicht hat. Es ist eine Grundsatzfrage: Welche Geisteshaltung nimmt eine Unternehmensführung ein? Die Phase, in der sich Einstellung und Haltung zeigen und beweisen, beginnt gerade erst.

Wenn wir uns umschauen, dann erleben wir teilweise Ernüchterndes. Unternehmen, die Staatshilfen einstreichen und Stellenabbau betreiben. Die Kurzarbeit nutzen, um ihre Überstundenkonten abzuschmelzen, und damit Staat und Beschäftigte gleichermaßen bezahlen lassen. Aber auch Unternehmen, die einfach nur hilflos nach Wegen suchen und dabei doch wieder nur das tun, was sie immer tun.

Bildlich gesprochen: Man drückt immer wieder die Klinke, obwohl die Tür abgeschlossen ist und auch beim hundertsten Mal nicht aufgehen wird. Die Pandemie zwingt Teile der deutschen Wirtschaft zu einem Offenbarungseid, was beispielsweise Digitalisierung oder Flexibilität anbelangt.

Ana-Cristina Grohnert ist ehemalige Allianz-Vorständin und engagiert sich als Vorstandsvorsitzende der „Charta der Vielfalt“ seit 2013 für Gleichberechtigung und ein neues Verständnis von wertschöpfendem und wertschätzendem Wirtschaften. Quelle: Dominik Butzmann
Die Autorin

Ana-Cristina Grohnert ist ehemalige Allianz-Vorständin und engagiert sich als Vorstandsvorsitzende der „Charta der Vielfalt“ seit 2013 für Gleichberechtigung und ein neues Verständnis von wertschöpfendem und wertschätzendem Wirtschaften.

(Foto: Dominik Butzmann)

Haben wir die richtige Einstellung?

Das bringt mich zu der Frage: Haben wir die richtige Einstellung? Wie kann es sein, dass wir vielfach so sehr auf dem falschen Bein erwischt werden? Meine Antwort mag ihnen nicht gefallen: Wir leben gedanklich teilweise noch in einer Welt, die es längst nicht mehr gibt. Wir haben weder Globalisierung noch Digitalisierung ausreichend zugunsten unseres Standortes geprägt und gestaltet.

Wir haben lange Zeit den Klimawandel selbst ignoriert und wollen uns Zeit erschleichen, indem wir seine Folgen kleinreden. Wir hadern mit dem demografischen Wandel und übersehen soziale Ungleichheit. Wir sehen nur das, was wir sehen wollen.

Wirtschaftlich klug ist das nicht. Wer das Gespür für die Fragen der Zeit und die kommenden Entwicklungen verliert, verliert die Märkte, die Mitarbeiter:innen und den Anschluss. Gesamtwirtschaftlich spricht nichts dagegen, dass einzelne Unternehmen oder Branchen schrumpfen dürfen oder sogar verschwinden können. Als Standort Deutschland sollten wir aber das Neue suchen und finden wollen.

Doch auch wenn wir über den Standort diskutieren, tun wir das noch viel zu oft in veralteten Kategorien. Wir reden über Steuern, Energiekosten, Lohnkosten und nennen das „harte“ Standortfaktoren. Daneben reden wir viel zu selten über die sogenannten „weichen“ Standortfaktoren wie zum Beispiel Infrastruktur für Verkehr, Digitalisierung, Bildung oder das Gesundheitswesen.

Mir hat diese Unterscheidung übrigens noch nie gefallen, denn sie führt zusätzlich zu einer Abwertung und Geringschätzung der „weichen“ Faktoren und damit einhergehend zu einer einseitigen und unvollständigen Perspektive auf wirtschaftliche Prozesse.

Der Faktor Mensch wird immer wichtiger

Wir sehen gerade in der Corona-Pandemie, dass nicht die Zahl der Intensivbetten entscheidend ist, sondern Personal der Engpass ist. Es hat viel zu lange gedauert, bis wir generell die Verfügbarkeit von Fachkräften als Standortfaktor wahrgenommen haben.

Aus meiner Sicht gibt es allerdings auch noch einen überragenden Standortfaktor, der gar nicht thematisiert ist: Kultur, wahlweise Mentalität – oder eben Einstellung. Die „harten Assets“ des Unternehmens stellen in Zukunft keine relevanten Werte mehr dar. Eine Studie zum Marktwert der S&P-500-Unternehmen aus dem Jahr 2017 kommt zu dem Schluss, dass über 80 Prozent des Unternehmenswertes auf „immateriellen“ Wirtschaftsgütern beruhen. Das sind Rechte oder Patente, aber auch Wissensbestände und Erfahrungen.

Ana-Cristina Grohnert: Das verborgene Kapital - Wie wir Wertschöpfung neu erfinden müssen.
Campus
Frankfurt 2021
ISBN: 9783593514093
264 Seiten, 27,95 Euro
Das Buch erscheint am 10. Februar.

Es kommt also darauf an, was in den Köpfen ist. Zumal in einer vernetzten Wissensgesellschaft, die mit der zunehmenden Komplexität globaler Wirtschaftsbeziehungen oder fortschrittlicher Technologien umgehen muss. Wir werden mehr und mehr auf Interaktion und Kooperation angewiesen sein. Kurz gesagt: Der Faktor Mensch wird immer wichtiger.

Die Menschen im Unternehmen dürfen wir deshalb nicht länger verstehen wie ein Radio, das auf Knopfdruck spielt, sondern wir müssen das Bild vom Orchester im Kopf haben, das so einfühlsam und kunstvoll dirigiert wird, dass jeder und jede Einzelne zum Klangbild beiträgt.

Um das zu erreichen, benötigen wir ein Mentalitäts-Upgrade. Eine Änderung der Einstellung in der Unternehmensführung. Wir müssen im Unternehmen eine neue Kultur wachsen lassen. Wir müssen andere Erfahrungen, neue Ideen und Perspektiven suchen und aktiv einbinden. Wir müssen die Komplexität der externen Welt intern verstehen und spiegeln können, anstatt sie zu ignorieren. Der Schlüssel dazu ist Diversity Management.

Diversity ist Standortfaktor

Der amerikanische Wirtschaftsforscher Scott Page hat anhand zahlreicher Beispiele nachgewiesen, dass Diversität die Grundlage für komplexe Problemlösung ist, beispielsweise im Fondsmanagement oder in der Datenanalytik. Diversity fördert zudem Kreativität und Innovation. Dies wird durch eine wachsende Zahl an fachlichen Studien untermauert, die sich mit den Details des Diversity Managements beschäftigen.

In den Unternehmen können wir mittlerweile berechnen, dass Diversity in Teams die Produktivität und die Verbundenheit zum Unternehmen steigert. Und insgesamt wächst sogar der Wert des Unternehmens selbst mit zunehmender Diversität. Das Weltwirtschaftsforum hat erst im vergangenen Jahr ein Rahmenwerk zur Berechnung von Humankapital vorgelegt, in dem Diversity explizit enthalten ist und das insbesondere bei strategischen Investoren immer wichtiger wird.

Historisch halten wir uns in Deutschland immer besondere Tugenden zugute: Fleiß, Zuverlässigkeit, Präzision. Lassen Sie uns das vielfältiger machen. Lassen Sie uns addieren: Offenheit, Neugier, Achtsamkeit, Wertschätzung. Machen wir uns klar, welche Rolle Mentalität, Einstellung oder Kultur für unsere Zukunftsfähigkeit bedeuten.

Machen wir uns endlich klar: Diversity ist Standortfaktor. Etliche Unternehmen haben sich bereits auf den Weg begeben, Diversity Management zum Leitmotiv einer zukünftigen Unternehmensführung zu machen.

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