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Gastbeitrag zu Karriere und Berufswahl Heute gibt es keine richtige Berufswahl mehr, sondern nur ein richtiges Mindset

Ob Globalisierung oder Automatisierung: Der Arbeitsmarkt befindet sich im Umbruch. Viele junge Menschen sind verunsichert: Welche Ausbildung ist die richtige?
  • Sebastian Dettmers
20.05.2019 - 09:26 Uhr Kommentieren
„ Lernt, Probleme zu lösen und mit Veränderungen umzugehen.“ Quelle: PR
Sebastian Dettmers

„ Lernt, Probleme zu lösen und mit Veränderungen umzugehen.“

(Foto: PR)

Düsseldorf Sebastian Dettmers ist Geschäftsführer der Online-Jobplattform Stepstone. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Düsseldorf verbindet Jobsuchende durch den Einsatz intelligenter Technologien mit passenden Jobs und Arbeitgebern.

Welcher Job ist auch in Zukunft noch „sicher“? Welcher Beruf garantiert langfristig ein gutes Einkommen? Diese Frage war vermutlich noch nie so schwer zu beantworten wie heute – und gleichzeitig so leicht, findet Dettmers, der für unser Businessnetzwerk Leader.In folgenden Gastbeitrag geschrieben hat:

„Deutschland braucht hoch qualifizierte Ingenieure!“ „Es fehlt an IT-Experten!“ Schlagzeilen wie diese sind praktisch täglich zu lesen. Entsprechend lauten die Forderungen an die Bildung: Studiert Informatik oder Wirtschaftsingenieurwesen, dann habt ihr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Arbeitet bei einem großen Unternehmen aus der Banken- oder Automobilbranche, dann bekommt ihr ein hohes Gehalt. Gerade die Schlüsselindustrien suchen händeringend schlaue Köpfe, denn sie befinden sich im Umbruch und müssen sich zum Teil ganz neu erfinden.

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    Als Jobplattform erleben wir den Arbeitsmarkt hautnah: Tag für Tag sehen wir, welche Art von Mitarbeitern Unternehmen suchen. Praktisch in Echtzeit können wir analysieren, welche Fähigkeiten und Qualifikationen gerade besonders gefragt sind und welche Eigenschaften Arbeitgeber vom idealen Kandidaten erwarten.

    Wir beobachten, wie Menschen bei der Suche nach einer Stelle vorgehen, welche Suchbegriffe sie verwenden und wie sie mit Jobangeboten interagieren. Durch Marktanalysen wie den vor kurzem veröffentlichten Gehaltsreport für Fach- und Führungskräfte wissen wir außerdem, welche Jobs besonders gut bezahlt werden und welche Faktoren die Gehaltshöhe beeinflussen.

    Aber müssen wir jetzt alle Kinder zu Programmierern ausbilden? Denn auch wenn beispielsweise Java-Entwickler heute sehr gefragt sind, ist fraglich, ob sie es zehn Jahren noch sein werden. Die Art, wie wir Software herstellen, ändert sich von Jahr zu Jahr rasant. Möglicherweise schreibt sich der Code in Zukunft von allein.

    Ähnliches gilt auch für andere Berufe. Schon heute sehen wir, dass ehemals statische Berufsbilder sich auflösen und mit anderen verschmelzen. Neue Profile entstehen und verändern sich in kurzer Zeit erneut. Das beeinflusst auch das Selbstbild der Fachkräfte.

    Sie sind nicht mehr „Software-Entwickler", sondern Persönlichkeiten mit individuellen Kenntnissen und Eigenschaften, die in einer Vielzahl von Teams und Branchen von Nutzen sein können. Auf unserer Plattform filtern Fachkräfte Jobs verstärkt nach bestimmten Skills, statt einen Jobtitel einzugeben.

    Wir sehen auch, dass Unternehmen bestimmte Eigenschaften und Fähigkeiten beim Recruiting neuer Mitarbeiter betonen, die vor 20 Jahren noch in erster Linie bei Führungspositionen erwartet wurden. Kaum etwas wird in Stellenanzeigen derzeit häufiger gefordert als eine hohe Kommunikations- und Problemlösungskompetenz, Flexibilität, analytische Fähigkeiten sowie Management-Skills.

    Wer demnächst als junger Mensch ins Berufsleben eintritt, sollte nicht davon ausgehen, diesen Beruf bis zur Rente auszuüben. Denn Menschen werden später in Jobs arbeiten, von denen wir heute noch gar nichts ahnen.

    Zudem sind Karrieren bereits dynamisch: Eine Stepstone-Studie mit 17.000 teilnehmenden Fach- und Führungskräften hat gerade ergeben, dass sieben von zehn Arbeitnehmern schon mindestens einmal im Laufe ihrer Karriere die Branche gewechselt haben. Mehr als jeder Zweite ist aktuell nicht in dem Berufsfeld tätig, auf das er sich in seiner Ausbildung oder seinem Studium spezialisiert hat.

    Im angelsächsischen Raum besteht eine Karriere schon heute darin, sehr viele verschiedene Funktionen zu besetzen. Jemand arbeitet erst im Vertrieb, wechselt danach in die Entwicklung und profitiert in der HR-Abteilung schließlich von seinem Gespür für das Business und Zielgruppen. In Deutschland sind wir noch nicht so weit, denn oft fehlt auch die Akzeptanz seitens der Unternehmen – aber diese Entwicklung wird sich auch hier weiter verstärken.

    Meine Empfehlung ist deswegen nicht: Werdet Entwickler, werdet Ingenieure, werdet Banker. Sie lautet vielmehr: Lernt, Probleme zu lösen und mit Veränderungen umzugehen. Bleibt offen für neue Wege, seid kreativ und kommunikationsstark.

    Beweist im Rahmen einer durchaus fundierten Ausbildung, dass ihr euch in spezielle Themen einarbeiten könnt, fixiert euch aber nicht darauf. Investiert fortlaufend – auch nach Lehre oder Studium – in euch selbst, vor allem in eure Persönlichkeit. Viel wichtiger als das Fachgebiet an sich ist es nämlich, Neugier für Verbesserungspotenziale zu zeigen und diese auch beizubehalten.

    Wenn es euch gelingt, die Arbeit und ihren Nutzen für das Unternehmen aus der Vogelperspektive zu analysieren und ihr dann auch noch den Mut aufbringt, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen, dann werdet ihr einen zukunftsfähigen Job finden. Denn es gibt heute keine richtige Berufswahl mehr, sondern nur noch ein richtiges Mindset.

    Mehr: In ihrem Gastbeitrag erklärt Nicole Neubauer, Geschäftsführerin der Düsseldorfer Metaberatung GmbH, warum Verlernen in Zukunft wichtiger sein wird als Lernen.

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