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Karen Parkin Bitterer Abschied der Adidas-Managerin

Der Abgang der Personalchefin ist auch für CEO Kasper Rorsted eine Niederlage. Denn nun fehlt eine Frau im Vorstand des Sportkonzerns.
01.07.2020 - 16:33 Uhr Kommentieren
Die Adidas-Personalchefin muss gehen und hinterlässt einen Konzern mit einem komplett männlichen Vorstand. Quelle: adidas / Hannah Hlavacek
Karen Parkin

Die Adidas-Personalchefin muss gehen und hinterlässt einen Konzern mit einem komplett männlichen Vorstand.

(Foto: adidas / Hannah Hlavacek)

München Das Management von Adidas sei zu männlich, zu weiß und zu alt, frotzelte Vorstandschef Kasper Rorsted direkt nach seinem Amtsantritt. Das war im Herbst 2016. „Was Frauen angeht, haben wir Nachholbedarf“, sagte der Däne. Kurz darauf berief er Personalchefin Karen Parkin in die oberste Führungsetage.

Jetzt steht der Konzernherr allerdings wieder da, wo er vor bald vier Jahren angefangen hat: Der Vorstand des Turnschuhherstellers ist erneut komplett männlich, weiß, und es sind auch nicht mehr die jüngsten Mitglieder. Denn nach fast einem Vierteljahrhundert in Diensten von Adidas gab Parkin, 55, am Dienstag auf. Sie habe dem Aufsichtsrat ihren Rücktritt angeboten, teilte das im Dax notierte Unternehmen mit. Und der habe ihrem sofortigen Rückzug zugestimmt.

Die gebürtige Engländerin, die auch einen amerikanischen Pass besitzt, geht nicht freiwillig. Vielmehr beugt sie sich dem Druck von Beschäftigten in Amerika. Besonders umstritten waren Äußerungen, die Parkin vor einem Jahr auf einer internen Veranstaltung der Konzerntochter Reebok in Boston gemacht haben soll. Dabei soll sie Rassismus im eigenen Haus als unwichtig abgetan haben. Seitdem soll der Widerstand gegen sie massiv zugenommen haben.

Die Marke mit den drei Streifen war in den vergangenen Wochen in den USA im Zuge der Black-Lives-Matter-Proteste schwer unter Beschuss geraten. Intern haben Mitarbeiter in der US-Zentrale das männlich und weiß dominierte Management dazu gedrängt, sich klar zu positionieren.

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    Ein schwarzer Designer verlangte eine Entschuldigung. Als Antwort darauf hat das Unternehmen angekündigt, dass in Zukunft 30 Prozent der Neueinstellungen in den USA Schwarze und Latinos sein müssen. Mehr noch: Schon vor Parkins Abgang kündigte Adidas an, bis 2025 120 Millionen Dollar (rund 107 Millionen Euro) in den Kampf gegen Rassenungerechtigkeit zu stecken.

    Misstrauen in der Firmenzentrale

    Zudem finanziert die Marke jährlich 50 Stipendien für junge Schwarze. Adidas unterzeichnete darüber hinaus die Juneteenth Pledge, eine Verpflichtung, den 19. Juni in Gedenken an die Abschaffung der Sklaverei in den USA als bezahlten Feiertag einzuführen. Ein neues, unabhängiges Komitee soll die Einhaltung der Selbstverpflichtungen überwachen.

    All das aber hat nicht gereicht, zu groß war das Misstrauen in der US-Zentrale in Portland gegenüber Parkin. Adidas benötige einen beschleunigten Wandel, wird Aufsichtsratschef Igor Landau in einer Mitteilung von Adidas zitiert. Diesen „werde eine neue Leitung an der Spitze des Personalbereichs“ vorantreiben. CEO Rorsted sagte, es gehe jetzt darum, Adidas zu einem „noch vielfältigeren und inklusiveren Unternehmen weiterzuentwickeln“.

    Die Managerin selbst teilte mit, Adidas habe in vielen Bereichen Fortschritte gemacht. „Doch es gibt noch sehr viel zu tun“, sagte sie. Ihr sei klar geworden: „Um das Unternehmen zu einen, ist es besser, wenn ich mich zurückziehe und den Weg für einen Wandel bereite.“

    Damit endet eine steile Karriere. Parkin fing im Vertrieb der Marke in England an, wechselte dann im Jahr 2004 in die US-Dependance nach Portland. 2014 wurde die verheiratete Mutter einer erwachsenen Tochter Personalchefin, 2017 zog sie in den Vorstand ein. Ihren ersten Job aber hatte sie beim Spielwarenhersteller Lego in England.

    Parkin war nicht die erste Frau in der Vorstandsetage von Adidas. Im November 1992 führte kurzzeitig die Französin Gilberte Beaux den Konzern. Doch nach der Managerin übernahmen wieder komplett die Männer das Kommando. Bis Parkin in den Vorstand einzog.

    Mehr als eine Million Bewerbungen im Jahr

    Im Unternehmen genoss die aufgeschlossene Frau über Jahre hinweg einen guten Ruf. Sie galt als zugängliche und pragmatische Managerin, eine Chefin, die anpackt. So hat sie für den gesamten Konzern ein neues Mitarbeiter-Führungsprogramm entwickelt; bei „My best“ gibt es statt der bisher üblichen Jahresziele jedes Quartal neue Vorgaben. Dabei werden die Leute nicht mehr nur durch ihre Vorgesetzten bewertet, sondern auch von ihren Kollegen.

    Einmal im Monat stellte sie zudem online allen Mitarbeitern drei Fragen. „People's poll“ nannte sie das, im Deutschen würde man wohl sagen, dass sie dem Volk aufs Maul geschaut hat. Aber offenbar hat sie nicht gut genug zugehört. Gleichwohl, Adidas scheint beliebt unter den Jobsuchenden. Mehr als eine Million Bewerbungen erhält das Label eigenen Angaben zufolge jedes Jahr.

    Vergangenes Jahr hat sie noch maßgeblich die Erweiterung der Zentrale in Herzogenaurach mit gestaltet. Es war ein massiver Wandel für mehrere Tausend Mitarbeiter in der fränkischen Kleinstadt. „Keiner hat einen eigenen Schreibtisch, keiner hat einen Telefonanschluss“, erläuterte Parkin. Aus Stubenhockern machte sie Büro-Nomaden.

    Auch Parkin selbst war stets auf Achse, pendelte zwischen ihrer Wahlheimat in Portland und Herzogenaurach. Ein Unterfangen, das schon in normalen Zeiten aufreibend ist, während Corona dagegen war es zuletzt nahezu unmöglich. Zumindest örtlich dürfte sie jetzt erst einmal zur Ruhe kommen.

    „Entweder wir verändern uns selbst radikal – oder uns wird die Veränderung aufgezwungen“, sagte die Frau, die selbst gerne Sneaker von Adidas getragen hat, einmal im Gespräch mit dem Handelsblatt. Ihr abrupter Abgang war nun wohl eine Mischung aus Beidem.

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