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Kommentar Start-ups sollten auch bei der Frauenquote Vorreiter sein

Die Gründer treten an, um ganze Branchen zu revolutionieren. Das anachronistische Rollenmodell der Start-ups passt dazu allerdings wenig.
08.04.2019 - 08:05 Uhr Kommentieren
Der Modehändler hat den dreiköpfigen männlichen Vorstand kürzlich um zwei weitere Männererweitert. Für die Rollen, die man gesucht habe, hätten keine Frauen zur Verfügung gestanden. Quelle: dpa
Zalando-Vorstände David Schneider (r.), Robert Gentz (l.) und Rubin Ritter

Der Modehändler hat den dreiköpfigen männlichen Vorstand kürzlich um zwei weitere Männererweitert. Für die Rollen, die man gesucht habe, hätten keine Frauen zur Verfügung gestanden.

(Foto: dpa)

Es ist derzeit viel vom alten weißen Mann die Rede, der von der Gleichberechtigung angeblich nichts versteht oder schlimmer noch: nichts davon wissen will. Diese Debatte hat, auch wenn sie zuweilen recht polemisch geführt wird, durchaus ihre Berechtigung. Einer gerät dabei allerdings leicht aus dem Blick. Das ist der junge weiße Mann.

Dieser Phänotypus ist mit einer Mutter aufgewachsen, die höchstwahrscheinlich zur Arbeit ging, wenigstens halbtags, mit Schwestern, Freundinnen und Kommilitoninnen, die leistungsmäßig mit ihm mitgehalten haben – wenn sie nicht sogar besser waren. Bis sich ihre Karrierewege eines Tages trennten.

Da gründete er ein Unternehmen oder wurde Vorstandschef von einem, und eines Tages setzte er sich hin und schrieb einen Geschäftsbericht, in dem er erklärte, dass Frauen auf seiner Ebene nicht vorkommen und dass er sich vorgenommen hat, dass das auch in Zukunft so bleiben soll.

Wenn der aktuelle Allbright-Bericht feststellt, dass sich von 160 börsennotierten deutschen Unternehmen 53 eine Zielquote von null für den Anteil von Frauen in ihrem Vorstand setzen, ist das alles andere als erfreulich, aber auch nicht so furchtbar überraschend.

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    Bemerkenswert aber ist, dass in dieser Liste neben zwei Dax-Konzernen (Heidelberg Cement und RWE) auch etliche junge Tech-Unternehmen auftauchen, von Hello Fresh über Xing bis Zalando.

    Die Gründer, alles junge, weiße Turnschuhträger, können sehr schön präsentieren, wie sie mit ihren Produkten die Welt, mindestens aber eine ganze Branche revolutionieren wollen. Sie scheren sich nicht um Dresscodes oder übermäßige Regeln. Wenn sie es nicht schaffen, ein längst überholtes Rollenmodell umzukrempeln, wer denn dann?

    Wenn an diesem Donnerstag der Deutsche Start-up-Verband und Google gemeinsam den Female Founders Monitor präsentieren, wird wieder festgestellt werden, dass der Frauenanteil unter den Gründern nur ganz langsam steigt, von einem sehr niedrigen Niveau kommend.

    Gründe dafür gibt es viele. Einer davon ist, dass auch die Geldgeber zum überwiegenden Teil männlich sind. Die Investoren waren früher oft selbst Gründer, sie haben an den gleichen Unis studiert wie die Männer, an deren Ideen sie glauben. Sie vermitteln einander Deals, Jobs und das gute Gefühl, es schon alles richtig zu machen. Es ist ein Buddy-Netzwerk, so, wie das bei ihren Vätern schon war.

    Sie können nichts dafür, sagt die Psychologie, es ist der „unconscious bias“, der Männer und übrigens auch Frauen in Stereotypen denken lässt. Aber, Moment mal: Wer eine Künstliche Intelligenz programmieren kann, der wird doch wohl einen Bias in den Griff kriegen.

    Der muss doch begreifen, dass er auch die Frauen braucht, wenn er die besten Ergebnisse erzielen will. Und dass er die Guten nur gewinnt, wenn er eine Kultur schafft, in der sie sich wertgeschätzt und beteiligt fühlen. Und auch auf der obersten Ebene repräsentiert sehen.

    Niemand kann ein Vorurteil besser widerlegen als ein Vorbild

    Wir würden ja, aber wir finden einfach keine Frauen, behaupten sie, so wie es schon die Dax-Chefs taten, bevor die gesetzliche Frauenquote kam. Heute gibt es auf einmal doch genügend Aufsichtsrätinnen, und noch hat sich niemand getraut zu behaupten, dass sie sich dort schlechter anstellen würden als ihre männlichen Kollegen.

    Gern wird mit dem Finger gezeigt auf die Lehrer oder auf die Mütter, die ihren Kindern einreden, dass Mädchen kein Mathe können – und schuld daran sein sollen, dass es weniger Frauen in technischen Berufen gibt. Mag sein, dass es auch an der Stelle noch viel Verbesserungsbedarf gibt.

    Das Argument entlässt die jungen Unternehmer aber nicht aus ihrer Pflicht: Niemand kann ein Vorurteil besser widerlegen als ein Vorbild – zum Beispiel eine Tech-Vorständin in einem bekannten Unternehmen.

    John Feldmann, Aufsichtsratschef von Kion, einem Weltkonzern, der früher Gabelstapler herstellte und sich heute als moderner Logistikdienstleister versteht, hat gleich zwei Frauen in den Vorstand geholt, für Finanzen und für Digitales. Eine von beiden ist Schwedin, weil es Feldmann, wie er gern betont, um Vielfalt in allen Dimensionen geht – zum Wohle des Unternehmens, dessen Wahrung seine Aufgabe ist.

    Feldmann ist 1949 geboren, man darf ihn getrost einen älteren weißen Mann nennen – einen, an dem sich die jungen Männer ein Beispiel nehmen könnten.

    Warum macht sich die Start-up-Branche nicht zum Vorreiter einer genderpolitischen Revolution? Warum verordnen sich die Gründer nicht einfach selbst eine Quote, um den „unconscious bias“ zu überwinden? Die Lösung hätte den Charme, dass die Unternehmen nicht warten müssten, bis die Politik ihnen noch mehr ungeliebte Regeln aufzwingt. Sie können verhindern, dass die digitalen Top-Frauen einfach selbst gründen oder zu Konzernen gehen, die in Sachen Vielfalt schon weiter sind.

    Und: Sie können dafür sorgen, dass die nächste Generation sie eines Tages nicht polemisch „alte weiße Männer in längst überholten Turnschuhen“ nennt.

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