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Martina Merz Schicksalstage für die Chefin von Thyssen-Krupp

Die Vorstandschefin von Thyssen-Krupp trat ihr Amt an, um den Konzern zu sanieren. Nun kämpft sie auch wegen der Coronakrise um dessen Überleben.
04.05.2020 - 16:57 Uhr Kommentieren
Die Vorstandsvorsitzende der Thyssen-Krupp AG muss Einsparungen vornehmen. Quelle: imago images/sepp spiegl
Martina Merz

Die Vorstandsvorsitzende der Thyssen-Krupp AG muss Einsparungen vornehmen.

(Foto: imago images/sepp spiegl)

Duisburg, Frankfurt Um den Job als Vorstandschefin hat sich Martina Merz wahrlich nicht gerissen. Mehr aus Pflichtgefühl als aus Karrierestreben war sie vor bald einem Jahr von der Aufsichtsratsspitze in den Vorstand von Thyssen-Krupp gewechselt.

Was als Zwischenlösung gedacht war, um Vorgänger Guido Kerkhoff zu ersetzen, ist inzwischen zur Dauerbeschäftigung geworden. Seit Oktober 2019 führt die 57-Jährige den Konzern – und hat damit wohl eine der härtesten Managementpositionen, die deutschlandweit zu vergeben sind.

Thyssen-Krupp schlingert seit der Fusion der beiden Vorläuferfirmen vor nunmehr 20 Jahren von Krise zu Krise. Mehr als einmal stand der Konzern am Abgrund, konnte sich aber im letzten Moment immer noch retten. In Sicherheit wähnen konnte sich das Unternehmen aus Essen nie, die Finanzlage blieb trotz vieler Umbauten schwach.

Merz war sich der schwierigen Lage von Anfang an bewusst. Bei ihrem früheren Arbeitgeber Bosch war sie die Managerin, die von der Führung auf Problemfälle angesetzt wurde. Meist glückte ihr die Sanierung. Wohl auch aus dieser Erfahrung heraus dürfte Thyssen-Krupp sie gereizt haben.

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    Not hatte sie nicht. Merz hatte sich in ihrer Heimat Stuttgart in einem Büro niedergelassen, um junge Unternehmen zu fördern. Statt frische Ideen zu verfolgen, muss sie in Essen nun Feuer löschen.
    Bereits vor einigen Jahren hatte sie sich dem Vernehmen nach um einen Job bei Thyssen-Krupp beworben.

    Nicht in der ersten Reihe

    Die Aufgabe als Chefin einer Landesgesellschaft mochte ihr der damalige Vorstand aber nicht übertragen. Merz sei eine ausgesprochen gute Managerin für das operative Geschäft, allerdings habe ihr das politische Geschick gefehlt, wie es heißt. Sie erhielt damals eine Absage.

    Noch heute fremdelt sie mit der Politik und der Öffentlichkeit. Diese Felder überlässt sie ihren Vorstandskollegen oder dem Aufsichtsratschef Siegfried Russwurm. Auch wenn einige Akteure aus der Krupp-Welt meinen, dass eine enge Verbindung mit den politischen Entscheidungsträgern in Berlin und Düsseldorf gerade in der Coronakrise dringend erforderlich ist, so legt Merz offenbar wenig Wert darauf.

    Im kleinen Kreis beteuerte die Managerin einmal, dass für sie das Team vorn stehe. Sich selbst muss sie nicht in die erste Reihe stellen. So war es auch, als Thyssen-Krupp den Verkauf seiner Aufzugssparte an ein Konsortium aus Finanzinverstoren besiegelte. Mit dem Erlös von 17,2 Milliarden Euro wollte der Ruhrkonzern seine Schulden senken und Raum für Sanierungsarbeiten gewinnen.

    Doch Thyssen-Krupp arbeitet defizitär – und die Lage wird durch die Corona-Pandemie noch schlimmer. In einem Brief an die Belegschaft warnte der Vorstand, dass der Konzern infolge der Krise weiteres Geld verlieren und daher einen kleineren Spielraum für Umbauten haben wird.

    Aktienentwicklung bereitet Sorgen

    Merz will den Konzern letztlich auf das Kerngeschäft Stahl zurückschneiden und dazu weitere Teile der Sparten Anlagenbau und Komponentenfertigung abgeben. Da die Bereiche zumeist verlustreich sind, wird der Konzern dabei wohl nicht drum herumkommen, Geld an die Käufer zu geben oder die Aktivitäten in Eigenregie zu sanieren. Dies werde einige Milliarden kosten, hieß es in Konzernkreisen.

    Mit den sich aufhäufenden Verlusten fehlt aber nun Geld in der Kasse. Die Situation ist besorgniserregend, was sich auch an der Entwicklung der Aktie zeigt. Am Montag brach der Kurs zeitweise um mehr als 15 Prozent ein. Merz und ihre Vorstandskollegen werden die Strategie nachschärfen müssen, um auf die Rezession zu reagieren. Am 18. Mai will der Aufsichtsrat über die neue Ausrichtung entscheiden.

    In Essen sind Schicksalstage angebrochen. Die Lage ist schlechter als je zuvor. Denn ohne die Aufzugssparte fehlt dem Konzern ein solider Gewinnbringer. Die Abgabe: Für viele in den Reihen von Thyssen-Krupp rückblickend ein Fehler.

    Mehr: Thyssen-Krupps finanzieller Spielraum nach Milliarden-Deal „weitaus geringer als angenommen“.

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