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MBA-Studiengebühren Karriereturbo mit Restrisiko

Ein MBA-Abschluss kostet Zeit und Geld. Je nach Kurs und Hochschule fallen Gebühren im hohen fünfstelligen bis sechsstelligen Bereich an. Für wen lohnt sich diese Investition überhaupt? So berechnen Sie Ihren Return.
29.10.2017 - 13:06 Uhr Kommentieren
Ein MBA verbessert Gehaltsaussichten und Aufstiegschancen. Quelle: Nicolas TAVERNIER/REA/laif
Führungsnachwuchs bei der Arbeit

Ein MBA verbessert Gehaltsaussichten und Aufstiegschancen.

(Foto: Nicolas TAVERNIER/REA/laif)

Oldenburg Von Studenten, die einen Master of Business Administration (MBA) machen wollen, wird ein hohes Maß an logischen und analytischen Fähigkeiten verlangt. Die brauchen sie allerdings nicht erst im Studium, sondern schon vorher: bei der Überlegung, ob sich das zeit- und kostenintensive Unterfangen überhaupt lohnt.

Je nach Kurs und Hochschule fallen Gebühren im hohen fünfstelligen Bereich an, bei internationalen Spitzen-Unis auch schon mal mehr als 100.000 Euro Kosten. Hinzu kommt der Verdienstausfall, sofern das Studium in Vollzeit läuft. Auch die Lebenshaltungskosten können sich auf erkleckliche Beträge summieren, vor allem, wenn man an Top-Standorten wie Boston oder Paris studiert.

Andererseits verspricht ein MBA Karrieren und Gehälter, mit denen ein einfacher BWL-Abschluss nicht mithalten kann. Wer einen Abschluss aus Harvard, Stanford oder London hat, darf sich als Teil der globalen Wirtschaftselite fühlen. Der Gehaltszuwachs durch einen MBA an einer renommierten Business-School liegt einer Studie des Hochschulrankings QS von 2015 zufolge bei 85 Prozent. Aber auch der Abschluss an einer weniger berühmten Hochschule kann ein lukrativer Karriereturbo sein – wenn die Parameter stimmen.

Doch der Weg in die Gewinnzone ist unübersichtlich. Wie also berechnet man den Return on Investment bei einem MBA aus rein finanzieller Sicht, also ohne Berücksichtigung weicher Faktoren wie des Wissenszuwachses, der Persönlichkeitsentwicklung oder der Erweiterung des Netzwerks? Wie viele Jahre braucht ein Absolvent, um die hohen Ausgaben wieder hereinzuholen?

Die schlechte Nachricht: Pauschale Antworten gibt es nicht. Dazu ist das Thema zu vielschichtig, die Zahl der Anbieter und Studiengänge zu hoch. Allein in Deutschland konkurrieren Hunderte von MBA-Programmen mit unterschiedlichsten Ausrichtungen und Gebühren um die lern- und zahlungsbereite Kundschaft.

Dennoch, und das ist die gute Nachricht, ist die Wahl des richtigen Studiums kein Glücksspiel. „Mit gründlicher Recherche und einigen simplen Rechenaufgaben sollten angehende Studenten ein realistisches Bild bekommen, ab wann sich ein MBA bezahlt macht“, sagt Thomas Friedenberger, Karriereberater des Staufenbiel Instituts in Köln und Redakteur des Handbuchs „Das MBA-Studium“. Für ihn sind drei Faktoren entscheidend: die Gebühren, der Verlust durch ausbleibendes Einkommen während des Studiums und das zu erwartende Gehalt im Anschluss.

Doch schon bei den Studiengebühren ist die Bandbreite gewaltig. Tendenziell sind klassische MBAs, die allgemeine Managementfähigkeiten vermitteln, teurer als spezialisierte Studiengänge, die auf einzelne Industriezweige wie Luftfahrt oder Medizintechnik ausgerichtet sind.

So verlangt die Insead Business School mit Standorten in Frankreich und Singapur, die seit 2016 das MBA-Ranking der „Financial Times“ anführt, für den Abschluss nach einem Jahr 80.800 Euro. Ein zweijähriger MBA in Harvard schlägt mit rund 140.000 Euro zu Buche. Da nehmen sich die 37 800 Euro, die für das Ein-Jahres-Programm an der WHU Otto Beisheim School of Management fällig werden, geradezu bescheiden aus.

Noch günstiger sind spezialisierte MBAs. So kostet etwa der Abschluss in Umwelt- und Qualitätsmanagement an der Ostfalia-Hochschule in Salzgitter in vier Semestern weniger als 8.000 Euro. Dafür sind die Gehaltsaussichten auch nicht mit denen einer Elitehochschule vergleichbar.

Doch nicht nur die Gebühren unterscheiden sich gewaltig. Auch bei den übrigen Ausgaben wie Miete, Reisen oder Lernmaterialien liegen die Kosten zum Teil weit auseinander. Im Ausland kommt zudem meist noch eine Krankenversicherung hinzu. Insead zum Beispiel schätzt diesen Block auf rund 25 000 Euro. Bei einem Teilzeit-MBA im Fernstudium dagegen fällt er kaum ins Gewicht.

Hohe Wechselquote

Dieselbe Bandbreite findet sich bei den zu erwartenden Lohnzuwächsen. „Je nach Branche, Region und Erfahrung unterscheidet sich das gewaltig“, sagt Detlev Kran, Herausgeber des „MBA-Guide“. In Deutschland lägen die Einstiegsgehälter bei geringer Berufserfahrung mit 40.000 bis 50.000 Euro zum Teil nicht höher als bei anderen Master-Studiengängen. Wer dagegen einen Abschluss an einer Top-Hochschule mitbringt, kann laut Kran eher mit 120.000 Euro rechnen.

Es lohnt sich also, Zeit in die Recherche zu investieren. Anhaltspunkte für das zu erwartenden Gehalt geben Seiten wie Gehalt.de, das vom Staufenbiel Institut betriebene Portal MBA-Master.de oder der „QS Jobs & Salary Trends Report“. Da über Geld selten offen gesprochen wird und Umfragen oft auf geringen Fallzahlen basieren, können die Angaben jedoch nur Schätzwerte sein. Wer konservativ vorgehen will, orientiert sich am unteren Ende.

Hat man die wesentlichen Daten zusammen, lässt sich der Return on Investment nach einem Schema berechnen, das Staufenbiel-Experte Friedenberger an einem Beispiel veranschaulicht. Dabei geht er von einem Vollzeit-MBA über 24 Monate mit Gesamtkosten von 60.000 US-Dollar aus. Hinzu addiert werden die ausbleibenden Einkünfte, im Beispiel zwei Jahresgehälter à 45.000 Dollar. Macht zusammen 150.000 Dollar.

Im nächsten Schritt subtrahiert Friedenberger das bisherige Jahresgehalt von dem, das nach dem MBA-Abschluss zu erwarten ist. „Bei einem künftigen Jahresgehalt von 100.000 Dollar abzüglich der 45.000, die Sie vorher verdient haben, erzielen Sie mit dem MBA ein Einkommensplus von 55.000 pro Jahr“, so der Karriereberater. Die Investition von 150.000 Dollar hätte sich somit nach knapp drei Jahren rentiert.

Das Beispiel zeigt aber auch: Je nachdem, wie man die Variablen setzt, fällt das Ergebnis sehr unterschiedlich aus. „Mit einem Vollzeit-MBA einer Top-Uni haben Sie eine gute Chance, die Kosten in vier bis fünf Jahren wieder reinzuholen“, sagt MBA-Berater Kran. „Wer aber für ‧eine gemeinnützige Organisation mit niedrigen Gehältern arbeitet, 200.000 Dollar in den Abschluss investiert und hinterher nur 10.000 Dollar jährlich mehr verdient, holt das ein Leben lang nicht wieder auf.“

Ein MBA-Studium rechnet sich also nicht für jeden. Friedenberger empfiehlt den Abschluss vor allem karriereorientierten Menschen, die bereits Berufserfahrung sammeln konnten, eine Führungsposition innehaben oder anstreben und deren erster Abschluss nicht BWL war. Besonders lohne er sich in Branchen, in denen der Titel geläufig ist, etwa im Beratungs- oder Finanzwesen. Auch in großen Konzernen wie Siemens oder Bertelsmann wisse man den Wert unterschiedlicher MBAs sehr genau einzuschätzen. „Mit dem richtigen Abschluss haben Sie dort ein Pfund, das Sie bei Gehaltsverhandlungen in die Waagschale werfen können.“

Interessierten empfiehlt der Experte, den Arbeitgeber um finanzielle Unterstützung zu bitten und sich im Gegenzug zu verpflichten, der Firma eine bestimmte Zeit treu zu bleiben. Eine Möglichkeit dazu ist die Freistellung bei laufendem Gehalt. Doch die Bereitschaft der Arbeitgeber dazu lässt nach, beobachtet MBA-Experte Kran. Ein Grund sei die hohe Wechselquote. „95 Prozent aller Absolventen eines Vollzeit-MBA gehen nach dem Abschluss in ein anderes Unternehmen, weil sie besser qualifiziert sind und mehr verdienen können.“

Nicht nur Studenten, auch Arbeitgeber müssen also genau kalkulieren, ob sich ein MBA-Programm lohnt.

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