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Nora-Vanessa Wohlert und Susann Hoffmann Führungswechsel bei Edition F: „Wir übergeben jetzt an eine neue Generation“

Lana Wittig wird neue Geschäftsführerin der Online-Plattform. Wie es zu der Entscheidung kam und was jetzt ansteht, erklären die Gründerinnen im Interview.
20.10.2020 - 12:46 Uhr Kommentieren
Die Gründerinnen geben die Geschäftsführung von Edition F ab. Quelle: Jennifer Fey
Nora-Vanessa Wohlert (links) und Susann Hoffmann

Die Gründerinnen geben die Geschäftsführung von Edition F ab.

(Foto: Jennifer Fey)

Bonn Das Medienunternehmen Edition F startet 2021 mit neuer Führung: Lana Wittig, langjährige Leiterin des Brand-Partnership-Teams, übernimmt von den beiden Gründerinnen. „Sie ist seit fünf Jahren maßgeblich mit für den wirtschaftlichen Erfolg verantwortlich“, betont Gründerin Nora-Vanessa Wohlert im Interview.

Wohlert gründete die Lifestyle- und Business-Plattform für Frauen gemeinsam mit Susann Hoffmann 2014. Nun verlassen die beiden zum 31. Dezember 2020 die Geschäftsführung und werden dem Unternehmen künftig als Beirätinnen zur Seite stehen und ihre Rolle als Hauptgesellschafterinnen ausfüllen.

„Wir haben uns ehrlich in die Augen geblickt und die Frage gestellt: Sind wir noch an der richtigen Stelle? Was braucht Edition F, und welche Rolle wollen wir dabei einnehmen?“, sagt Hoffmann. „Es war ein langer Prozess mit vielen Gesprächen, eine Entscheidung, die wir uns nicht leicht gemacht haben, aber die sich jetzt doch sehr logisch anfühlt.“

Im Interview sprechen die Gründerinnen über die Anfänge der Plattform, Höhen und Tiefen, wie ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf den Entschluss reagiert haben und was jetzt als Nächstes ansteht.

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    Frau Wohlert, Frau Hoffmann, wie sind Sie eigentlich auf die Idee zu Edition F gekommen? Was genau wollten Sie besser machen - oder was lief schief im deutschen Wirtschaftsjournalismus?
    Hoffmann: Der Blick in die Medienlandschaft – in digital und Print – hat damals schnell gezeigt, dass die gesellschaftlichen Stereotype von männlich und weiblich von Medien permanent bedient werden. Insbesondere für Frauen fehlte es an Angeboten, die auf Karriere, Wirtschaft und Politik ausgerichtet sind. Dabei machen Frauen über 50 Prozent unserer Gesellschaft und über 46 Prozent unserer Arbeitnehmerschaft aus. Kochen, Backen, Mode und Beauty haben wir als Medienangebot nicht als passend und hinreichend empfunden und daher Edition F gegründet.

    Wollten Sie schon immer Unternehmerinnen werden?
    Wohlert: Wir kommen beide aus klassischen Angestellten-Haushalten, Unternehmertum wurde uns also nicht unbedingt in die Wiege gelegt. In unseren Jobs haben wir aber beide gemerkt, dass wir strategisch, groß und umfassend denken – und über unsere Bereiche hinweg. Das hat dazu geführt, dass wir uns irgendwann das Unternehmen gebaut haben, in dem die eigenen Ideen Raum finden.

    Jetzt verlassen Sie Edition F nach sieben Jahren – warum?
    Wohlert: Das Unternehmen ist jetzt an einem Punkt, an dem es unabhängig von uns als Gründerinnen funktioniert. Edition F ist bereit, mit einer neuen Führung neue Wege zu gehen. Das war Grundvoraussetzung für diesen Schritt. Denn wir sehen, dass die Reise des Unternehmens noch lange weitergeht – mit Lana Wittig als neuer Geschäftsführerin und einem Team mit viel Know-how.

    Wir sind überzeugt, dass wir für das nächste Kapitel von Edition F mit Lana den passenden Kopf gefunden haben und mit ihr die Zukunft des Unternehmens bestens gesichert ist. Sie ist seit fünf Jahren maßgeblich mit für den wirtschaftlichen Erfolg verantwortlich. Wir pflegen bereits lange einen Austausch auf Augenhöhe. Und für uns persönlich gilt: Immer wieder muss man für sich hinterfragen, in welcher Rolle bin ich aktuell richtig. Und wir sind uns sicher, dass wir in Zukunft als Hauptgesellschafterinnen und Beirätinnen außerhalb des operativen Geschäfts am besten beitragen können. Es braucht den Wechsel – fürs Unternehmen und auch für uns persönlich.

    Gab es einen Schlüsselmoment, an dem Sie gesagt haben: Jetzt ziehe ich den Stecker bei Edition F?" Der Verlust Ihrer Chefredakteurin Teresa Bücker 2019? Die Einstellung des Coaching-Programms „Female Future Force Academy“? Die Absage des diesjährigen 25-Frauen-Awards aufgrund des Colorism-Vorwurfs? Corona?
    Hoffmann: Neben den genannten Ereignissen, die teilweise auch schmerzhaft waren, waren die letzten sieben Jahre vor allem immer wieder von großen Erfolgen geprägt – wir haben es geschafft, seit fünf Jahren ohne externes Investment profitabel zu sein. Wir haben maßgeblich dazu beigetragen, feministische Themen und Perspektiven in anderen Medien zu verankern. Wir haben eine riesige Community und Bewegung aufgebaut. Wir haben große Konferenzen gemacht und viele progressive Ideen umgesetzt und etablieren können. Und aus Fehlern immer wieder viel gelernt und uns weiterentwickelt.

    Es gibt nicht den einen Moment für die Entscheidung des Wechsels: In einem Podcast mit dem Künstler Andreas Mühe sagte er über ein gerade beendetes Projekt, dass er alles erfahren habe, was er hiervon erfahren wollte. Und vielleicht ist es das – Edition F steht gut da, wir haben viel erlebt, und jetzt übergeben wir an eine neue Generation, die mit Hunger neue Erfahrungen macht und Ideen auf die Straße bringt.

    Das ist Ihnen sicher nicht leicht gefallen. Wer hat Sie bei dieser Entscheidung unterstützt?
    Hoffmann: Wir haben uns vor allem als Gründerinnen-Team ehrlich in die Augen geblickt und die Frage gestellt: Sind wir noch an der richtigen Stelle? Was braucht Edition F, und welche Rolle wollen wir dabei einnehmen? Es war ein langer Prozess mit vielen Gesprächen, eine Entscheidung, die wir uns nicht leicht gemacht haben, aber die sich jetzt doch sehr logisch anfühlt. Am Ende war klar: Wir wollen als Impulsgeberinnen an der Seite des Teams stehen, aber nicht mehr als Geschäftsführerinnen.

    Wir sind sehr glücklich, mit Lana Wittig genau die Person im Team gefunden zu haben, die ab Januar 2021 als neue Geschäftsführerin die Daily Operations übernimmt und gemeinsam mit dem Team Edition F mit Erfahrung und Leidenschaft sowie einem großen Verständnis für die Marke und die Community in die Zukunft führt.

    Wer fand das gar nicht gut? Und wie haben eure Mitarbeiter reagiert?
    Wohlert: Die Entscheidung war für unsere Gesellschafter und das Team und vor allem die klare Zukunftsperspektive schlüssig. Wir haben ein großes und enges Vertrauensverhältnis mit allen im Team, sodass unsere Entscheidung, dass wir künftig nicht mehr ganz so eng auf einer täglichen Basis zusammenarbeiten werden, natürlich schade ist.

    Wir wären nicht Edition F, wenn so ein Schritt nicht auch mit ein bisschen Trauer verbunden sein dürfte. Es war für uns am allerschwersten, mit unserem Team zu reden. Gleichzeitig setzen Veränderungen aber auch immer wieder große Impulse frei und bieten Räume für Entwicklung, das hat ein paar Tage gebraucht. Aktuell gibt es also eine Aufbruchstimmung, die jedes Unternehmen immer wieder dringend braucht und die uns sehr bestätigt.

    Wie haben Sie die letzten Tage vor und die letzten Tage nach Ihrem Entschluss erlebt?
    Wohlert: Emotional und mit vollem Terminkalender, denn natürlich schließen sich nach so einer Entscheidung viele Gespräche und administrative Aufgaben an. Edition F wird immer unsere erste Gründung bleiben. Es war der Schritt von der Mitarbeiterin zur Unternehmerin. Wir haben unglaublich viel gelernt, kluge Köpfe getroffen, Fehler machen dürfen und sehr viel Zuspruch und Anerkennung erfahren. Das lässt man im Zuge einer solchen Entscheidung Revue passieren.

    Hoffmann: Wehmut und Neugier gehen Hand in Hand. Es gibt große Dankbarkeit in mir. Und auch eine Lust, neue Bereiche zu entdecken und anzugehen.

    Frau Hoffmann, Sie waren vor der Gründung von Edition F bei Scholz & Friends PR- und Strategie-Beraterin. Nora, Sie haben als Redaktionsleiterin des Online-Magazins „Gründerszene“ gearbeitet - könnten Sie sich vorstellen, wieder als Angestellte zu arbeiten?
    Wohlert: Spontan: nein. Aber tatsächlich hängt das vom Projekt und von dem Job ab. Wenn es spannend ist und Leidenschaft entfacht, ist das sicher nicht unmöglich.

    Trotzdem glauben Sie weiter an die Plattform – so ganz raus sind Sie dann doch nicht, oder?
    Hoffmann: Edition F hat noch viel vor und muss auch noch viel bewegen. Denn auch, wenn wir schon zu positiven gesellschaftlichen und medialen Entwicklungen beigetragen haben, so sehen wir doch gerade jetzt mit Corona, wo wir noch nicht weit genug sind: Bildung, Diversität, Gleichberechtigung, in der Wirtschaft und in den Köpfen. Die neue Studie der Albright-Stiftung macht das deutlich: Deutschland ist das einzige Land, dessen Frauenanteil im Dax-Vorstand sinkt, die meisten Vorstände heißen noch immer Thomas, und Frauen sind zwar Großteil der systemrelevanten Berufe, darin aber unterbezahlt und gleichzeitig noch mehr in der Verantwortung für Care-Arbeit.

    Wohlert: Susann und ich werden als Beirätinnen und Hauptgesellschafterinnen nach wie vor den Weg von Edition F begleiten und unsere Erfahrung, unser Netzwerk und unsere Ideen einbringen. Zudem bleiben wir mit dem Podcast Achterbahn auch regelmäßig – dann vor der Paywall – inhaltlich auf der Plattform präsent.

    Wenn Sie Edition F mit dem Wissen und der Erfahrung von heute noch mal neu gründen könnten, was würden Sie anders machen? Und was noch mal genauso?
    Hoffmann: Ein großes Thema hätten wir in der Rückschau besser machen können: Wir haben das Ende der Female Future Force Academy sehr bedauert – hier hätten wir mit mehr Investment und technologischem Know-how sowie mehr personellen Kapazitäten viel mehr erreichen können. Unsere Unabhängigkeit und Profitabilität stand damals für uns ganz oben, weil sie hart erkämpft war und wir das nicht aufgeben wollten. Das würde ich heute anders entscheiden.

    Was kommt jetzt, haben Sie schon eine Idee, was Sie machen möchten? Vielleicht sogar wieder etwas Gemeinsames?
    Wohlert: Im Januar werden wir beide erst einmal eine Pause machen – und dann steht ja zumindest unser gemeinsamer Podcast Achterbahn fest in unserem Kalender. Alles Weitere wird sich zeigen. Ich freue mich auf Raum für die Dinge, die zu kurz gekommen sind. Privates natürlich, aber auch Inhaltliches.

    Hoffmann: Nach sieben Jahren mit Edition F bleibt viel davon in uns – das Feministin-Sein legt man nicht ab. Gleichzeitig freue ich mich darauf, mich selbst noch einmal neu kennen zu lernen und neue Felder zu entdecken, in denen ich aktiv werden möchte. Das braucht Zeit und Raum.

    Sie haben über die Jahre immer wieder Geld von Investoren und per Crowdfunding eingesammelt. Wie ist die finanzielle Situation, die Sie Ihrer Nachfolgerin Lana Wittig hinterlassen? Schreibt Edition F schwarze Zahlen?
    Hoffmann: 2020 war ein überraschendes Jahr: Corona hat uns herausgefordert und angehalten, viele Dinge neu zu denken – mit Lana, dem Team, unseren Kund*innen und Partner*innen. Wir sind froh, Edition F gut durch diese Zeit gebracht zu haben und das Unternehmen auf einer sicheren finanziellen Basis für 2021 übergeben zu können. In diesem Zuge suchen wir in den kommenden Wochen und Monaten für viele neue Projekte auch weitere Teammitglieder.

    Wie läuft es aktuell mit Ihrem Bezahlmodell „Edition F Plus“, das Sie im März gestartet haben?
    Wohlert: Bei Edition F Plus gibt unsere Redaktion den Abonnent*innen jeden Monat neue Perspektiven, Artikel, Podcasts und Tools für Themen aus der Arbeits- und Lebenswelt an die Hand, die dich inspirieren und ins Machen bringen. Ausgewählte Female-Future-Force-Academy-Inhalte kommen dazu.

    Wir haben unser Paid-Modell im März als Vertiefung unseres Angebots gestartet und können aktuell die redaktionelle Arbeit damit zu etwa 40 Prozent tragen, unser Ziel für 2021 ist es, weiter zu wachsen und das Angebot noch einmal mit einem strukturierten Feedback aus der Community weiterzuentwickeln. Ziel ist es, den Leser*innen konkrete Tipps und Inspiration an die Hand zu geben, aus dem sie wirklich ins Machen kommen können und aus der passiven Lesehaltung ins aktive Machen kommen. Wir glauben, das Potenzial für diesen Content-Bereich ist noch sehr groß.

    Edition F ohne Susann Hoffmann und Nora-Vanessa Wohlert – was wird sich ändern?
    Wohlert: Edition F war immer sehr agil. Wir haben auf aktuelle Entwicklungen in unserer Arbeit Bezug genommen und neue Projekte und Geschäftsmodelle daran ausgerichtet. Das wird Lana nun ebenfalls tun, und so ist vor dem Hintergrund der genannten Zahlen aus der Allbright-Studie ein neuer Bereich entstanden, der das Thema Führung in den Blick nimmt.

    Edition F wird gemeinsam mit Unternehmen, die bereit sind für eine diverse und neue Führung, Talente genau dahin entwickeln, wo sie in Zukunft gebraucht werden. Ein Coaching-Ansatz also, der zielgenau ansetzt, offline, online, in Gruppen- und Einzelcoachings. Ich finde dieses Thema hochrelevant und freue mich sehr darauf, das entstehen zu sehen und begleiten zu dürfen.

    Wie beurteilen Sie den Wettbewerb? Seit 2014 hat sich in der Wirtschaftsberichterstattung viel getan. Braucht es überhaupt noch feministische journalistische Onlineportale?
    Wohlert: Es ist eine schöne Bilanz, zu sehen, dass wir andere Medien dazu inspiriert haben, Frauen stärker in ihrer Berichterstattung mitzudenken. Nur zeigen die aktuellen Zahlen und die Stagnation in der Wirtschaft selbst, dass es noch viel zu tun gibt – von Medienseite, aber auch von unternehmerischer und aktivistischer Seite.

    Dass es feministische Medien braucht, ist daher für mich nie infrage gestellt: Wenn wir nicht in der Lage sind, starke Positionen, Ideen und Herausforderungen zu erkennen und zu formulieren, wird sich nichts ändern. Es braucht progressive und doch mainstreamige Medien, die die ersten Schritte in neue Richtungen gehen und andere nach sich ziehen. Da wird Edition F auch zukünftig mit Lana an der Spitze neue Fußabdrücke hinterlassen.

    Frau Hoffmann, Frau Wohlert, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: „Die Wirtschaft hat sich die Quotendiskussion selbst eingebrockt.“

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