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NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart „Deutsche Business Schools haben noch viel Potenzial“

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart erklärt, warum Deutschland Beamte mit MBA-Abschluss braucht und US-Präsident Donald Trump eine Chance für deutsche Business-Schools ist.
22.10.2017 - 12:55 Uhr Kommentieren
Mehr personelle Wechsel zwischen Wissenschaft und Politik. Quelle: dpa
Andreas Pinkwart

Mehr personelle Wechsel zwischen Wissenschaft und Politik.

(Foto: dpa)

Zweimal schon wechselte der Wirtschaftsprofessor aus der Wissenschaft in die Politik – und kennt damit beide Systeme. Was also kann das eine vom anderen lernen? Seit knapp vier Monaten ist Andreas Pinkwart Wirtschaftsminister in Nordrhein-Westfalen, sein Terminkalender ist voll von Antrittsbesuchen und konstituierenden Sitzungen. Aber das Thema ist ihm wichtig. Nach einer Veranstaltung im Düsseldorfer Ständehaus bittet er in die Katakomben zum Gespräch. Vor der ersten Frage schließt er kurz die Augen. Dann kann es losgehen.

Herr Pinkwart, als Rektor der Business-School HHL hatten Sie mit MBA-Absolventen und Managern zu tun, jetzt als Minister sind Sie von Volkswirten und Juristen umgeben. Fehlt Ihnen was?
Es ist schon eine andere Welt. Und speziell in den Bereichen Energie und Digitalisierung wäre es sicher gut, wenn wir im Wirtschaftsministerium unterschiedlichere Qualifikationsprofile hätten. Ich fände es gut, wenn Beamte als Zusatzqualifikation einen Master of Business Administration (MBA) machen würden. Ich kenne Mediziner, die sich mit diesem Abschluss auf Führungsaufgaben vorbereitet haben, etwa die Leitung einer Klinik. Solche Qualifikationen wären auch in einem Ministerium von Vorteil.

Brauchen wir mehr MBA-Spirit in der Politik?
Ja, auf jeden Fall. Aber ich würde es nicht auf den Spirit begrenzen. In einem MBA-Studium erwirbt man betriebswirtschaftliches Fachwissen, das für unsere Arbeit von großem Vorteil ist. Wir reden viel mit Unternehmen, mit Start-ups, Konzernen, die sich bei uns ansiedeln wollen. Aber auch mit denen, die in der Krise stecken. Da hilft es, wenn man mit dem Vorstand über kaufmännische Themen auf Augenhöhe reden kann und sich nicht allein auf Berater verlassen muss. An der HHL in Leipzig hatten wir einige leitende Beamte aus sächsischen Ministerien als Studierende, die einen Executive MBA gemacht und davon sehr profitiert haben. Ein Studium ist ja auch ein Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung – und da die Unterrichtssprache Englisch ist und viele Studenten mit internationalem Background in den Kursen sind, verbessert man zudem seine Sprachkompetenz.

Brauchen wir mehr personelle Wechsel zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik?
Das wäre absolut wünschenswert, nur leider gibt es da etliche Hürden. Wissenschaftler tun sich oft schon schwer, von einer staatlichen zu einer privaten Universität zu wechseln, weil die Pensionssysteme nicht kompatibel sind. Und welcher Abteilungsleiter eines Ministeriums gibt seinen Beamtenstatus auf, um ein paar Jahre Erfahrungen im Privatsektor zu sammeln? Teilweise ist es schon schwierig, Leistungsträger davon zu überzeugen, für ein paar Jahre zur EU nach Brüssel zu gehen, weil sie Sorge haben, damit ihre Karrierechancen in der heimatlichen Behörde zu gefährden.

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    In anderen europäischen Ländern gilt ein EU-Job als Voraussetzung für eine nationale Karriere.
    Exakt, aber in der deutschen Politik ist man noch nicht so weit. Vielleicht hatten wir es bisher auch nicht nötig. Hierzulande werden immer noch eher diejenigen befördert, die in der Linie bleiben und nicht von den üblichen Karrierewegen abweichen.

    Ändern Sie das jetzt in Ihrem Ministerium?
    So etwas geht nicht von jetzt auf gleich. Ich habe bereits in meinem früheren Ministeramt Leitungspositionen extern ausgeschrieben und mit Experten aus der Wissenschaft und Privatwirtschaft besetzt. Dieser Wandel muss in der gesamten Politik Einzug halten, und zwar nicht nur auf Landesebene, auch im Bund.

    Sie sind zweimal zwischen Politik und Wissenschaft hin- und hergewechselt. Was haben Sie gelernt?
    Als Leiter einer privaten universitären Hochschule hatte ich eine unternehmerische Mitverantwortung. Das war für mich eine neue Dimension. Zudem hatte sich die Wissenschaft während meines achtjährigen Sabbaticals in der Politik natürlich auch weiterentwickelt, gerade in meinem Spezialgebiet Innovationsmanagement und Entrepreneurship. Dabei lernt man vor allem, offen für Neues zu sein und nicht einfach das weiterzumachen, was man schon vorher getan hat.

    Was bringt Ihnen das für Ihr jetziges Amt?
    In Sachen Führungserfahrung habe ich einiges mitgenommen. Auch die hohe Internationalität einer Business-School war für mich eine wichtige Weiterentwicklung. In Leipzig haben wir Studenten aus 55 Nationen auf dem Campus. Über sie zu erfahren, wie in anderen Ländern gedacht wird, insbesondere über Zukunftsthemen, fand ich enorm bereichernd. Durch die engen Verbindungen zur Wirtschaft habe ich zudem aus erster Hand erfahren, vor welche Herausforderungen die Digitalisierung unsere Unternehmen stellt und wie man besteht.

    Wann haben Sie nach Ihrer Rückkehr in die Politik erstmals gedacht: Das können wir heute so nicht mehr machen, das müssen wir ändern?
    Schon am Tag meiner Vereidigung. Ich kam ins Wirtschafts- und Digitalministerium und stellte fest, dass sämtliche Prozesse immer noch exakt dieselben waren wie an meinem ersten Arbeitstag als Wissenschaftsminister – und der war vor zwölf Jahren. Ich dachte mir, dass ein Ministerium, das den Begriff Digitalisierung im Namen führt, schnell damit beginnen sollte, digitale Prozesse auch im eigenen Haus zu implementieren.

    Wie haben die Mitarbeiter reagiert?
    Ich bin auf viel Offenheit gestoßen, fast schon Erleichterung. So nach dem Motto: Endlich sagt es mal einer.

    Konkret: Was haben Sie bereits verändert?
    Es gibt jetzt einen direkten elektronischen Zugang zu mir, der Dokumentenaustausch läuft dort, wo es möglich ist, ebenfalls digital ab.

    Heißt das, Sie haben die Umlaufmappe in Ihrem Haus abgeschafft?
    So schnell geht das nicht, dazu müssten wir erst mal die digitale Akte haben, die es ermöglicht, sämtliche Vorgänge rechtssicher und mit der nötigen Vertraulichkeit elektronisch abzubilden. Vieles haben wir schon enorm beschleunigt, aber es liegt auch noch viel Arbeit vor uns.

    Dasselbe scheint für die deutschen Business-Schools zu gelten. Wie kommt es, dass keine von ihnen zu den besten der Welt gehört, obwohl Deutschland eine der weltgrößten Volkswirtschaften ist und deutsche Unternehmen in vielen Branchen Weltspitze sind?
    Der MBA als Abschluss ist erst sehr spät nach Deutschland gekommen. Unser Universitätssystem war sehr lange auf Diplom und Promotion ausgerichtet. Wir haben viermal mehr Doktoranden als die USA, weil bei uns der Doktortitel auch eine Eintrittskarte in Führungspositionen großer Unternehmen ist. In Amerika werden diese Funktionen eher von MBA-Absolventen ausgefüllt. Deshalb hat der MBA in Deutschland bis heute nicht die Attraktivität für Topführungskräfte wie anderswo, sondern wird eher als Ergänzung wahrgenommen. Nichtsdestotrotz hat sich die MBA-Ausbildung in Deutschland deutlich verbessert.

    Was außerhalb Deutschlands nur niemand zu bemerken scheint.
    Doch! Gerade im Ausland wird das sehr wohl wahrgenommen, mehr sogar als in Deutschland selbst. Wir haben in den MBA-Programmen hierzulande mehr internationale als einheimische Studenten, Tendenz steigend. Das ist ein schöner Erfolg der deutschen Business-Schools, und ich sehe da für die Zukunft noch viel Potenzial.

    Werden deutsche Business-Schools in absehbarer Zeit den Sprung unter die besten Hochschulen Europas schaffen?
    Auf jeden Fall. Natürlich reichen wir bei den Studierendenzahlen nicht an Top-Schools wie Wharton heran. Die haben in einem Jahrgang so viele MBA-Absolventen wie alle deutschen Business-Schools zusammen. Bei der Qualität der Ausbildung aber können wir längst mithalten, das wird sich auch in den Rankings niederschlagen. In Einzelkategorien sehen wir das ja schon heute. Dass der Wirtschaftsstandort Deutschland für viele Absolventen hochattraktiv ist, kommt noch dazu.

    Profitieren die deutschen Business-Schools von der Wahl Donald Trumps in den USA und dem Brexit-Votum in Großbritannien?
    Wir profitieren von der restriktiven Visa-Politik Großbritanniens, die schon seit einigen Jahren gilt. Wir profitieren auch von den jüngsten Veränderungen in Nordamerika. Gerade Studenten aus Südamerika fühlen sich von der Situation der Latinos in den USA berührt, das prägt ihr Bild von den USA – und steigert die Attraktivität Deutschlands als Wissenschaftsstandort nachhaltig. Das ist eine riesige Chance für uns, weil wir auf diese Weise viele kluge Köpfe ins Land holen können, von denen dann auch einige bleiben.

    Was ließe sich an der deutschen Privathochschullandschaft noch verbessern?
    Ich wünschte mir, dass die deutschen Unternehmen unsere Top-Business-Schools stärker als erste Wahl begreifen und dies auch ihren Führungskräften so vermitteln. Das würde uns als Bildungsstandort sehr helfen – und damit am Ende auch den Unternehmen.

    Herr Minister, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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