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Rolemodel Nicole Riggers IKB-Aufsichtsrätin: „Wer sich zu wichtig nimmt, hat den Druck, perfekt zu sein“

Nicole Riggers ist in Wissenschaft, Kultur, und Wirtschaft bestens vernetzt. Mit Leidenschaft und viel Humor engagiert sie sich für mehr Chancengleichheit.
28.02.2020 - 10:25 Uhr Kommentieren
Nicole Riggers

Düsseldorf Nicole Riggers ist seit 2011 Mitglied im Aufsichtsrat der IKB Deutsche Industriebank sowie seit 2010 Betriebsratsvorsitzende und Gesamtbetriebsratsvorsitzende. Ihre Schwerpunkte sind unter anderem Verhandlungen verschiedener Betriebsvereinbarungen, Interessenausgleiche und Sozialpläne, Veränderungsmanagement, Konfliktmanagement und Mitarbeiterberatung.

Darüber hinaus hat sie in 2014 für die weiblichen High-Potentials der IKB die „Initiative Chancengleichheit für Frauen“ (ICF) gegründet. Die Initiative hat sich die Förderung der Sichtbarkeit von weiblichem Führungspotenzial zum Ziel gesetzt, um nachhaltig den weiblichen Anteil auf der Führungsebene der IKB zu erhöhen.

Die gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte engagiert sich zudem als Mentorin bei der Initiative Woman into Leadership und sitzt seit Juli 2019 im Vorstand. Sie ist mit Spitzenpersönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur, Gesellschaft, Medizin und Wirtschaft bestens vernetzt und wurde im September von der Deutschen Gesellschaft für Mentoring zur Mentorin des Jahres gekürt.

Im Interview sprechen wir mit ihr darüber, was zu tun ist, wenn man unglücklich im Job ist, wie Frauen ihr Gehalt am geschicktesten verhandeln (funktioniert bei Männern aber auch) und die gesundheitsfördernde Bedeutung von Humor im Arbeitsalltag.

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    Frau Riggers, wissen Sie noch, was Sie werden wollten, als Sie klein waren?
    Oh ja! Ich bin Jahrgang 1968 und habe die ersten Jahre meiner Kindheit in Norddeutschland verbracht. Sechs Jahre vor meiner Geburt, im Februar 1962, gab es die große Sturmflut, von der auch meine Familie betroffen war. Ich bin daher quasi mit Helmut Schmidt und auch Loki groß geworden. Schmidt war durch sein pragmatisches Handeln und seine Haltung für viele Menschen damals schon ein Rolemodel und seine Frau ebenso. Ich wollte Lehrerin oder Politikerin werden und Gutes tun, so dass möglichst viele Menschen davon profitieren.

    Welche Hobbys hatten Sie in Ihrer Jugend?
    Ich habe viel und gerne gelesen und getanzt.

    Worin waren Sie richtig gut?
    Ich konnte sehr früh zwischenmenschliche Zusammenhänge erkennen, im Positiven wie im Negativen, und interessierte mich schon damals für unternehmerische Belange.

    Welche Hobbys haben Sie heute?
    Immer noch Lesen, gerne auch Tanzen, und vor allem beschäftige ich mich gerne mit Menschen.

    Was begeistert Sie daran?
    In der Begegnung mit Menschen finde ich es immer wieder spannend, zu erfahren, was sie antreibt, woher sie kommen, wohin sie wollen, wie sie interagieren und vor allem, wie sie ihre Mitmenschen behandeln. Das sagt nämlich viel über die Menschen aus und ist für mich ein Indikator dafür, ob wir im Hinblick auf die zukünftigen Herausforderungen eine gemeinsame Chance haben.

    Durch mein Ehrenamt und meine zusätzlichen Engagements komme ich mit sehr vielen Persönlichkeiten aus ganz unterschiedlichen Branchen, unterschiedlichen Alters und unterschiedlichen Hierarchien in Kontakt. Das ist ein Quell der Inspiration – Menschen begeistern mich also, die einen mehr, die anderen weniger.

    Bücher erschließen mir wiederum eine Welt, die ich für mein eigenes Leben und meine Arbeit sehr gut nutzen kann. Sie können positiv ablenken, Wissen und Geschichte vermitteln, Erkenntnisse liefern. Außerdem bin ich ein haptischer Mensch. Bücher, vor allem gebundene, sind für mich ein Fenster zum Leben und so vielfältig verwendbar.

    Und beim Tanzen kann ich loslassen und bin eins mit der Musik – das ist zum einen erschöpfend, zum anderen aber auch unglaublich energiespendend.

    Was tun Sie für Ihre Gesundheit?
    Ich laufe, tanze und ernähre mich überwiegend gesund. Frisches Essen, nichts aus der Dose, und Fleisch und Fisch gibt es nur in Maßen. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, meine Tante hatte einen Schweinehof und ich weiß, wie Tiere gesund aufwachsen müssen.

    Außerdem lache ich wirklich sehr viel und gerne und versuche mich mindestens einmal pro Woche mit humorvollen und tiefgründigen Menschen zu treffen. Das lädt meinen Akku wieder auf. Und ich nehme mich nicht zu wichtig. Das ist auch sehr gesund, denn wer sich zu wichtig nimmt, der hat immer den Druck, perfekt sein zu müssen, andere auszustechen oder mit ihnen zu konkurrieren. Das ist auf Dauer sehr anstrengend.

    Gibt es etwas in Ihrem Leben, das Sie aus Angst gemieden haben, und es nun bereuen?
    Nein!

    Wer ist Ihr persönliches Rolemodel und warum?
    Ich bin stark geprägt durch meine Großmütter, die gleichzeitig auch meine Vorbilder waren. Beide waren auf höchst unterschiedliche Weise durch den Zweiten Weltkrieg tangiert. Sie haben sich nie über ihr Schicksal beklagt. Beide waren präsent und für ihre Familien da. Beide haben stets Verantwortung übernommen und waren sehr aufrechte, verbindliche und zuverlässige Persönlichkeiten. Die eine war sehr humorvoll und schlagfertig, die andere war, sicherlich geprägt durch die furchtbare Flucht von der weißrussischen Grenze, furchtlos und unbestechlich.

    Haben Sie ein persönliches Motto, das Sie antreibt und motiviert?
    Wenn eine Tür sich schließt, dann geht eine andere auf.

    Was würden Ihre alten Kollegen oder Ihr alter Chef sagen auf die Frage...
    ... was Sie auszeichnet?
    Emotionsmanagement.

    ... was Sie besser können als alle anderen im Team?
    Ausgleichend agieren.

    ... was Ihnen schwer fällt?
    Excel-Tabellen.

    Beschreiben Sie eine Arbeitssituation, in der Sie komplett im Flow und erfüllt sind?
    Immer in der Mitarbeiterberatung und wenn ich mit meinen Mentees arbeite.

    Was gibt Ihnen Energie im Arbeitsleben?
    Mein Mann, mein Sohn, meine Freunde und Erfolgserlebnisse in der Beratung.

    Was frustriert Sie und ist Ihr persönlicher Produktivitätskiller?
    Wenn Führungskräfte sehenden Auges aus persönlicher Befindlichkeit heraus Besetzungsfehler wiederholen, Ja-Aber-Menschen, utopische Forderungen und launische Menschen.

    Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
    Therapeutin, Beraterin, Coach, Führungskraft im Personalwesen, Speakerin, ach und ab und an höre ich auch, ich sollte mal Comedy machen.

    Welches Tool ist bei der Arbeit für Sie unverzichtbar und welche Apps haben Sie im täglichen Einsatz?
    Ich mag LinkedIn und Twitter. Unverzichtbar würde ich jetzt nicht sagen, auch wenn ich sie sehr gerne nutze. Ich bin ja deutlich mehr Lebensjahre ohne ausgekommen.

    Inspirierende Newsletter, Podcasts oder Webseiten?
    Mindshift, sämtliche Zeitungen online und mindestens drei Stück als Druckerzeugnis.

    Was macht Sie stolz?
    Dass ich es geschafft habe, meinen Sohn in den ersten zwölf Jahren trotz Vollzeit-Berufstätigkeit ohne jegliche familiäre Unterstützung alleine zu erziehen, ihm und in seine Fähigkeiten zu vertrauen und ihn nicht zu meiner Projektionsfläche zu machen. Er studiert heute etwas, das ihn erfüllt und was er aus eigenem Antrieb gewählt hat, ohne dass ich Einfluss darauf genommen habe. In ein paar Wochen verlässt er nun mit knapp 23 Jahren das Nest. Darauf bin ich sehr stolz, denn es war zeitweilen schwer, nicht aus meiner eigenen Prägung heraus zu agieren und auf ihn zu übertragen.

    Was waren Ihre wichtigsten drei Arbeitsergebnisse der letzten drei Jahre?
    Zum dritten Mal als Betriebsratsvorsitzende und Aufsichtsrätin der IKB bestätigt worden zu sein. Zweitens: Mein Engagement als Mentorin bei der Initiative Women into Leadership und die Auszeichnung Mentorin des Jahres 2019 erhalten zu haben. Und drittens: In den Vorstand der Initiative Zukunft durch Industrie berufen worden zu sein.

    Auf welche Fehlentscheidung hätten Sie rückblickend gerne verzichtet?
    Keine.

    Bitte ergänzen Sie den Satz: Ich unterstütze meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Nachwuchskräfte, Kollegen und Kolleginnen) in schwierigen Situationen, indem…
    ... ich ihnen erst einmal zuhöre, damit sie sich entlasten können. Dann erst, wenn alles ausgesprochen ist, breite ich mögliche Optionen vor ihnen aus.

    Angenommen eine Kollegin oder Kollege oder Mitarbeiterin denkt oft: „Ich verdiene den Erfolg gar nicht“, „Ich bin gar nicht gut genug“, „Das schaffe ich nie“, „Andere sind um Welten besser als ich…“ – Was raten Sie?
    Machen Sie sich bewusst, was Sie bereits alles geschafft und bewältigt haben! Das ist den meisten gar nicht präsent. Alles ist verschüttet durch die aktuelle Situation, den Druck et cetera.. Es ist wichtig, zur Ruhe zu kommen und die eigenen Meilensteine Revue passieren zu lassen. Dabei unterstütze ich sehr gerne.

    Sie merken, dass Sie unglücklich sind in Ihrem Job. Was tun sie?
    Ich mache eine Pro und Contra-Liste und schaue: Liegt es an mir, liegt es an den Aufgaben? Kann ich etwas anderes im Unternehmen machen? Wenn nein, dann orientiere ich mich neu und kündige.

    Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde?
    Ich kann jetzt nicht, kommen Sie nächste Woche wieder.

    Anderen Chefs würde ich gerne sagen, …
    Bitte interessieren Sie sich mehr für die Anliegen Ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, nehmen Sie sich Zeit für Führung.

    Her mit dem Geld: Ihr Ratschlag an andere Frauen für Gehaltsverhandlungen?
    Sie verhandeln für die Zukunft, nicht für die Vergangenheit, für diese wurden Sie bereits entlohnt. Also, sollten Sie sich auf die Zukunft fokussieren. Was ist ihr Unique Selling Ppoint, wo können Sie in einem Projekt tätig sein? Wo können Sie mehr Verantwortung übernehmen? Ich empfehle hier insbesondere, sich einen roten Faden zurecht zu legen und dringend dieses Gespräch im Kopf mehrfach durchzugehen.

    Ich rate auch, sich einen Sparringspartner zu suchen, der die Position des Arbeitgeber einnimmt. Zusammen lassen sich dann mögliche Gegenargumente durchspielen und eigene Positionen aufbauen. Außerdem ist es wichtig, beharrlich zu bleiben und grundsätzlich mindestens zehn Prozent mehr verlangen, als meine Minimalforderung wäre. In Zeiten von Restrukturierungen ist die Durchsetzung einer Gehaltserhöhung natürlich sehr schwer, weswegen man auch alternative Möglichkeiten in Betracht ziehen sollte. Beispielsweise eine Fortbildung. Und: nicht resignieren und im nächsten Jahr erneut verhandeln.

    Verbündete und Mentoren finde ich, indem...
    ... ich netzwerke.

    Der größte Benefit, den Sie bisher aus einem Ihrer Netzwerke gezogen haben?
    Das ich mich immer wieder mit Menschen unterschiedlichster Couleur austauschen kann.

    In den nächsten drei Jahren: Was wollen Sie lernen, was Sie heute noch nicht können?
    Besser Englisch sprechen.

    Wie schalten Sie abends ab, und wann gehen Sie ins Bett?
    Ich schalte ab, sobald ich das Büro verlassen habe. Ich kann mich sehr schnell entspannen. Zu Bett gehe ich überwiegend gegen Mitternacht.

    Frau Riggers, vielen Dank für das Interview.

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