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Rolemodel Oberärztin Mona Sleiman: „Am wichtigsten ist es immer noch, dem Patienten gut zuzuhören“

Mona Sleiman wollte eigentlich Politesse werden - warum sie heute als erfolgreiche Oberärztin der Neurologie arbeitet und wie sie mehr Gehalt verhandelt.
03.04.2020 - 12:55 Uhr Kommentieren
Oberärztin der Neurologie am Agaplesion Bethesda Krankenhaus Wuppertal.
Mona Sleiman

Oberärztin der Neurologie am Agaplesion Bethesda Krankenhaus Wuppertal.

Wuppertal Mona Sleiman hilft gerne, wo immer sie helfen kann. Sie ist Ärztin aus Leidenschaft. Eine Arbeitssituation, in der sie komplett im Flow und erfüllt ist? „Wenn ein Patient einen akuten Notfall erleidet und mein Team und ich durch schnelle und korrekte Diagnosestellung und auch Therapieeinleitung den Ausgang einer Erkrankung und somit das Leben eines Menschen positiv beeinflussen, dann erfüllt mich das sehr. Dann hat sich alles gelohnt“, erzählt die 1981 geborene Wuppertalerin.

Eigentlich wollte sie als Kind Politesse werden. Sleiman: „Mich hat sehr beeindruckt, dass eine Frau in Uniform darüber entscheidet, ob eine Geldstrafe fällig ist.“ Als Studentin kämpft sie gemeinsam mit anderen jungen Menschen gegen Vorurteile und Stereotype gegenüber jungen Muslimen. Das „Medienprojekt Wuppertal“ will aufklären. Die mehrfach ausgezeichnete Video-Dokumentationsreihe „Jung und Moslem in Deutschland“ zeigt zehn Kurzfilme, in denen junge MuslimInnen über ihren Glauben und ihr Leben in Deutschland sprechen - das Projekt wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Nach ihrem Abitur studiert Mona Sleiman in Bochum Medizin, stets unterstützt und gefördert von ihren Eltern. Sie kamen als Teenager aus dem Libanon, in dem Bürgerkrieg herrschte. Als Monas Grundschullehrerin dem jungen Mädchen eine Hauptschulempfehlung gibt, lässt die Mutter nicht locker. Sie beschwert sich und nach einem unangekündigten Intelligenztest bekommt Mona Sleiman doch noch die Empfehlung für den Besuch eines Gymnasiums.

Inzwischen arbeitet sie erfolgreich als Oberärztin der Neurologie am Agaplesion Bethesda Krankenhaus Wuppertal. „In meinem Fall war es sehr wichtig, dass einer meiner Chefs wirklich ein Leader und kein Boss war“, erzählt Sleiman. „Er hat meinen Kollegen und mir schon zu Beginn der Weiterbildungszeit spätere berufliche Etappen aufgezeigt und uns gezielt darauf vorbereitet.“

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    Damals kam sie gerade aus der Elternzeit, war junge Assistentin und wusste nicht, ob sie mit Kind überhaupt klarkommt. Doch der Chef ermutigt Mona, zeigt und ermöglicht ihr den Weg nach oben. „Das ging sogar soweit, dass er gesagt hat: ‚Frau Sleiman, wenn Sie niemanden finden, der Ihren Sohn betreut, dann werde ich Sie dabei unterstützen!‘ Welcher Chef macht schon so etwas?“

    Eine beeindruckende Geschichte. Im Interview sprechen wir mit Mona Sleiman über ihre Kindheitswünsche, persönliche Vorbilder, nervige Produktivitätskiller und was sie tun würde, wenn ihr Job als Ärztin sie irgendwann einmal unzufrieden macht.

    Liebe Frau Sleiman, wissen Sie noch, was Sie werden wollten, als Sie klein waren?
    Politesse. Mich hat sehr beeindruckt, dass eine Frau in Uniform darüber entscheidet, ob eine Geldstrafe fällig ist.

    Welche Hobbys hatten Sie in Ihrer Jugend? Worin waren Sie richtig gut?
    Tanzen! Das ist damals auch meinem Klassen- und Sportlehrer aufgefallen, als wir Rock’n’Roll durchnahmen: „Mona, das ist Deine Sportart!“ Aber auch unsere Herkunft, Kultur, Sprache und Religion, das wollte und will ich immer noch besser begreifen. Sowohl die deutsche als auch die arabische Herkunft. Ich habe am Wochenende in unserer Gemeinde etwas von ehrenamtlich unterrichtenden Eltern gelernt, da gab es Pfadfindergruppen und auch eine Jugendzeitung, die solche Themen besprach - alles von und für Wuppertaler. Aus der Hausbibliothek meiner Eltern habe ich darüber hinaus meine Kenntnisse aus deutsch- und arabischsprachiger Literatur vertieft.

    Welche Hobbies haben Sie heute? Was begeistert Sie daran?
    Meine Interessen sind geblieben, nur habe ich weniger Zeit dafür. Wenn ich Urlaub habe, mache ich gerne Bildungsreisen.

    Was tun Sie für Ihre Gesundheit?
    Nicht rauchen, keine Drogen oder Alkohol zu konsumieren und nur unregelmäßig Sport zu treiben, das ist nicht wirklich ausreichend. Also viel zu wenig...

    Gibt es etwas in Ihrem Leben, das Sie aus Angst gemieden haben, und es nun bereuen?
    Ich hätte viel mehr sportliche Aktivitäten wagen sollen. Das hole ich aber teilweise bei mir selbst und im Besonderen bei meinem Sohn nach.

    Wer ist Ihr persönliches Rolemodel und warum?
    So viele, allen voran aber meine Eltern! Sie haben als sehr junge Eltern in einem für sie zunächst fremden Land lösungsorientiertes Handeln par excellence angewendet. Ohne übertriebene Emotionalität (und das ist für Araber wirklich eine Leistung) sind sie die Dinge angegangen und haben aus meiner Sicht alles optimal gemeistert.

    Meine Mutter wollte Ärztin werden, mein Vater Anwalt. Sie wollten gebildete Kinder haben mit guten Abschlüssen. Meine Mutter entschloss sich, nachdem ihr viertes Kind in der Schule war, ihrem ehemaligen Wunsch nachzugehen. Mit 40 hielt sie ihre Approbation als Ärztin in der Hand. Das alles prägte meine Geschwister und mich sehr. Mit einem wertschätzenden familiären Zusammenhalt kann man viele Visionen umsetzen. Und man muss für seine Visionen einstehen.

    Haben Sie ein persönliches Motto, das Sie antreibt und motiviert?
    Versuche aus jeder Situation das für dich und deine Liebsten Beste zu machen. Verfolge die Leidenschaften, die du auch für sinnstiftend erachtest. Lasse nach Möglichkeit die Dinge, die weder deinem Naturell entsprechen noch Dir Spaß machen.

    Was würden Ihre alten Kollegen/Ihr alter Chef sagen auf die Frage...
    ... was Sie auszeichnet?
    Zuverlässigkeit. Ehrgeiz. Pragmatismus. Ehrlichkeit.

    ... was Sie besser können als alle anderen im Team?
    Für meinen Pragmatismus aber auch für das ehrliche Ansprechen heikler Dinge bin ich bekannt.

    ... was Ihnen schwer fällt?
    Diplomatisch sein fiel mir früher schwer, mittlerweile hat sich das gewandelt.

    Beschreiben Sie eine Arbeitssituation, in der Sie komplett im Flow und erfüllt sind?
    Wenn ein Patient einen akuten Notfall erleidet und mein Team und ich durch schnelle und korrekte Diagnosestellung und auch Therapieeinleitung den Ausgang einer Erkrankung und somit das Leben eines Menschen positiv beeinflussen, dann erfüllt mich das sehr. Dann hat sich alles gelohnt.

    Was gibt Ihnen Energie im Arbeitsleben?
    Mich beruhigt sehr, dass mir meine Familie in der Betreuung meines Sohnes den Rücken frei hält. So kann ich mich voll auf meine Arbeit einlassen.

    Was frustriert Sie und ist Ihr persönlicher Produktivitätskiller?
    Es nervt, wenn Dinge nicht so umgesetzt werden, wie es mehrmals besprochen worden ist.

    Wenn ich mich bei Ihren Freunden erkundigen würde: Für welche alternativen Karriereoptionen wären Sie geeignet?
    Lehrerin. Unterrichtet habe ich auch schon zum Beispiel Auszubildende in der Gesundheitspflege oder Medizinstudierende. Auch aktuell gehört die Ausbildung von AssistenzärztInnen zu meinen Aufgaben.

    Welches Tool ist bei der Arbeit für Sie unverzichtbar und welche Apps haben Sie im täglichen Einsatz?

    Auch wenn es sich banal anhört: Am wichtigsten ist es immer noch, dem Patienten gut zuzuhören, ihn gezielt zu befragen und gründlich zu untersuchen. Falls Sie materielle Werkzeuge meinen: Reflexhammer und Stimmgabel.

    Inspirierende Newsletter, Podcasts oder Webseiten?
    Online sind die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), die Literaturdatenbank PubMed und die App „Arznei aktuell“ nützlich. „Klinisch Relevant“ enthält Podcasts zu medizinischen Themen, die fallbasiert sind und/oder alltagsrelevante Informationen prägnant aber präzise in wenigen Minuten präsentieren. Mir persönlich sind allerdings Formate wie zum Beispiel Workshops lieber, bei denen ich mich einbringen kann.

    Was macht Sie stolz?
    Die kleinen Erfolge meines Sohnes.

    Was waren Ihre wichtigsten 3 (Arbeits-)Ergebnisse der letzten 3 Jahre?
    Einem Team anzugehören, das eine komplett neue neurologische Abteilung auf die Beine bringt, politisches Engagement und dass mein Sohn bei all dem nicht zu kurz kommt. Im Gegenteil, auch er hat sich in dieser Zeit sehr positiv entwickelt.

    Auf welche Fehlentscheidung hätten Sie rückblickend gerne verzichtet?
    Da gibt es bestimmt einige... Andererseits haben eben diese damaligen Fehlentscheidungen im Verlauf zu durchdachteren Entscheidungen geführt.

    Bitte ergänzen Sie den Satz: Ich unterstütze meine Mitarbeiter (Nachwuchskräfte, KollegenInnen) in schwierigen Situationen, indem…
    ... ich ihnen anhand von persönlichen Beispielen zeige, wie ich selbst in vergleichbaren Situationen umgegangen bin. Das zeigt, dass man nicht alleine ist mit dieser Problematik und dass andere auch da herausgekommen sind.

    Angenommen eine Kollege/in oder Mitarbeiter/in denkt oft: „Ich verdiene den Erfolg gar nicht“, „Ich bin gar nicht gut genug“, „Das schaffe ich nie“, „Andere sind um Welten besser als ich…“ – Was raten Sie?
    Aus meiner Erfahrung kommen solche Sätze eher von Frauen. Sie unterschätzen sich häufig. Diesen KollegInnen gegenüber muss man ganz klar kommunizieren, dass Vorgesetzte und Personaler aufgrund ihrer Erfahrung erkennen, wie kompetent jemand ist. Es hilft aber auch, anhand von konkreten Beispielen hin und wieder zu belegen, warum sie gut sind.

    Sie merken, dass Sie unglücklich sind in Ihrem Job. Was tun sie?
    Das kommunizieren. Das hilft.

    Ein Satz, den eine gute Führungskraft niemals sagen würde?
    Sätze mit „Ich“ beginnen. Ein „Wir“ ist nicht nur näher an der Wahrheit, sondern auch sehr Team-bildend.

    Anderen Chefs würde ich gerne sagen, …?
    Versetzt euch in eure Mitarbeiter. Was kann man erwarten, was ist umsetzbar? Was wäre zwar nice to have, ist aber nicht wirklich realistisch machbar?

    Her mit dem Geld: Ihr Ratschlag an andere Frauen für Gehaltsverhandlungen?
    Bringt in Erfahrung, was eure männlichen Kollegen mit vergleichbaren Kompetenzen/ Berufserfahrung so verdienen und besprecht euch in eurem Unternehmen mit Kollegen der gleichen Ebene im Voraus. Wer im Alleingang etwas für sich beansprucht, ist seltener erfolgreich.

    Verbündete und Mentoren finde ich, indem...
    ...ich sie aktiv aufsuche: Im eigenen Team, auf Kongressen, etc.. Für Neurologen gibt es darüber hinaus bei den „Jungen Neurologen“ weitere Anlaufstellen.

    Der größte Benefit, den Sie bisher aus einem Ihrer Netzwerke gezogen haben?
    Passende Jobs zum Beispiel, aber auch geeignete Fortbildungen. Für beides ist die DGN eine gute Adresse.

    In den nächsten 3 Jahren: Was wollen Sie lernen, was Sie heute noch nicht können?
    Meine Schwimmkenntnisse erreichen maximal das Level ‚Mutiges Planschen.‘ Das möchte ich gerne demnächst angehen. Mein Sohn hat mich da mit seinem Bronze-Abzeichen längst überholt...

    Wie schalten Sie abends ab, und wann gehen Sie ins Bett?
    Mein Sohn und ich gehen abends den Tag durch. Was war heute doof? Was war schön? Wofür sind wir dankbar? Aber auch ich bespreche alle „Highlights“ des Tages mit meiner Familie, erst danach kann ich wirklich abschalten. Meine Zubettgehzeiten variieren tatsächlich je nach Arbeits-Auslastung tagsüber und auch Schwere der Fälle außerhalb der Dienstzeiten. Wenn man zum Beispiel wegen eines unklaren Falles noch mal in die Klinik fährt, verzögert sich der Tagesplan zwangsläufig.

    Frau Sleiman, ich danke Ihnen für das Interview.

    Mehr: Herzchirurgin Dilek Gürsoy im Mindshift-Podcast „Gott hat mir die Hände dafür gegeben, Leben zu retten“

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