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Umbruch beim Softwarehersteller Ende der Doppelspitze bei SAP: Co-Chefin Jennifer Morgan geht

Nach wenigen Monaten ist die Doppelspitze zerbrochen: Jennifer Morgan verlässt SAP, Christian Klein führt den Konzern allein. Die Personalie wirft viele Fragen auf.
21.04.2020 Update: 21.04.2020 - 12:17 Uhr 1 Kommentar
SAP: Co-Chefin Jennifer Morgan verlässt Konzern Quelle: Reuters
Jennifer Morgan und Christian Klein

Die Co-Vorstandsvorsitzende des Softwarekonzerns SAP verlässt das Unternehmen zum 30. April.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Bei SAP kommt es nach nur sechs Monaten erneut zu einem Umbruch an der Spitze: Der Softwarehersteller trennt sich überraschend von Co-Chefin Jennifer Morgan (48). Christian Klein (39) führt das Unternehmen künftig allein. Die Amerikanerin habe sich mit dem Aufsichtsrat „einvernehmlich darauf verständigt, das Unternehmen zum 30. April zu verlassen“, teilte das Unternehmen Montagnacht mit.

„In dieser beispiellosen Krise“ durch das Coronavirus gelte es, „eine starke, eindeutige Führungsverantwortung sicherzustellen“, hieß es in der Mitteilung. Daher kehre SAP „früher als geplant“ zum Modell mit einem alleinigen Vorstandssprecher zurück. Der Übergang falle in eine Zeit großer Unsicherheit, erklärte Aufsichtsratschef Hasso Plattner. Er habe aber „volles Vertrauen in Christians unternehmerische Vision und Fähigkeiten“.

Bei der Berufung der beiden im Oktober hatte SAP noch die Stärke der Konstruktion betont. Mitgründer Plattner betonte damals, dass es sich für den deutschen Konzern um ein bewährtes Modell handle und die beiden Co-Chefs sich „perfekt ergänzen“. Gerade in stürmischen Zeiten setzte der Softwarehersteller auf Doppelspitzen, beispielsweise in der Finanzkrise 2008 mit Henning Kagermann und Léo Apotheker.

Ein Zerwürfnis habe es nicht gegeben, betonte Klein in einer Telefonkonferenz: „Das war keine persönliche Sache.“ Er und Morgan seien immer gut miteinander ausgekommen, sie sei eine vertraute Partnerin. Allerdings habe sich in den vergangenen Wochen herausgestellt, dass die Doppelspitze derzeit nicht geeignet sei. „SAP braucht in der jetzigen Situation schnelles und entschlossenes Handeln und eine klare Führungsstruktur.“

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    Diese Begründung halten viele SAPler für vorgeschoben. In den vergangenen Monaten hat es nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen indes Meinungsverschiedenheiten über die zentrale strategische Frage gegeben, wie viel Unabhängigkeit der Konzern zugekauften Unternehmen wie Success Factors, Ariba und Concur lässt. Bestandskunden fordern eine enge Integration der einzelnen Lösungen, um Geschäftsprozesse über verschiedene Produkte hinweg effizient gestalten zu können.

    Als Reaktion darauf hat SAP in den vergangenen Monaten mehrere Restrukturierungen vorgenommen. So sind alle Einheiten, die gegenüber den Kunden auftreten, nun bei Vertriebschefin Adaire Fox-Martin gebündelt, ein großer Teil der produktbezogenen Teams hat Thomas Saueressig unter sich, der das Ressort „Product Engineering“ verantwortet. In diesem Zuge hat Jennifer Morgan Verantwortlichkeiten abgegeben.

    Unabhängig von den Folgen für SAP ist die Personalie eine schlechte Nachricht für die deutsche Wirtschaft: Jennifer Morgan war die erste und bislang einzige Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns – mit einer Amtszeit von rund sechs Monaten eignet sie nur bedingt als erfolgreiches Vorbild.

    Prognose kassiert

    Durch die Coronakrise steht SAP vor großer Ungewissheit, wie die vorläufigen Zahlen fürs erste Quartal zeigen, die der Softwarehersteller vor einigen Tagen vorab veröffentlicht hat. Aufgrund des wirtschaftlichen Einbruchs hätten Kunden „eine bedeutende Zahl von Neuabschlüssen“ verschoben, was sich in einem erheblichen Rückgang der Lizenzerlöse widerspiegele.

    Aufgrund des stabilen Cloud-Geschäfts steigerte SAP den Umsatz am Jahresanfang zwar um sieben Prozent auf 6,52 Milliarden Euro. Der Gewinn lag bei 811 Millionen Euro, wie die detaillierten Quartalszahlen von Dienstag zeigen. Allerdings sind die Wachstumspläne fürs laufende Jahr hinfällig, der Softwarehersteller hat die Prognose gesenkt. Zudem ist unklar, ob diese zu halten ist: Alle Zahlen für 2020 seien aufgrund der hohen Unsicherheit nur „Näherungswerte“.

    Grafik

    Die Folgen der Corona-Epidemie für die IT-Branche lassen sich nur schwer abschätzen. Experten gehen davon aus, dass es bei Softwareprojekten massive Kürzungen geben wird, abgesehen von Systemen für Videokonferenzen, Kollaboration und IT-Sicherheit. Die Auswirkungen seien in den nächsten Quartalen ähnlich drastisch wie in der Finanzkrise, schreibt etwa die Deutsche Bank in einer Notiz an die Investoren. Eine Erholung der IT-Ausgaben sei erst im ersten Halbjahr 2021 zu erwarten.

    Morgan ist eine profilierte Managerin, nach ihrem Einstieg bei SAP 2004 machte sie sich im Nordamerika-Geschäft schnell einen Namen. 2017 stieg sie in den Vorstand auf und übernahm gemeinsam mit Adaire Fox-Martin die Verantwortung für den globalen Vertrieb, 2019 übernahm sie die „Cloud Business Group“, in der verschiedene große Zukäufe gebündelt sind. Im Oktober schließlich erfolgte die Ernennung zur Co-Chefin.

    Der Abschied wirft einige Fragen auf. So ist bislang unklar, wer die Aufgaben von Morgan übernimmt. Für die Cloud Business Group hat SAP keine Nachfolgeregelung bekanntgegeben. Allerdings ist ein Großteil der Aktivitäten auch in andere Bereiche verlagert worden. Im Zuge der Neuorganisation dürften zudem weitere Personalien anstehen, wie schon im vergangenen Jahr. Die Unruhe bleibt also.

    Mehr: Coronakrise verhagelt Softwaregeschäft: SAP kassiert Prognose

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    1 Kommentar zu "Umbruch beim Softwarehersteller: Ende der Doppelspitze bei SAP: Co-Chefin Jennifer Morgan geht"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das fällt den SAP-Verantwortlichen aber früh ein, dass die Besetzung der Geschäftsleitung mit sog. CO-CEO´s der größte Blödsinn ist, den man sich vorstellen kann. Das hat sich noch nie bewährt, siehe Deutsche Bank, Jain und Fitschen.

      Es muss immer eine starke Persönlichkeit geben, die das Unternehmen/den Konzern leitet.

      Alles Andere ist ein einziger Eiertanz.

      Man hätte auch Frau Morgan zur alleinigen Vorstandvorsitzenden machen können, wenn man es mit der Frauenquote ernst genommen hätte. Jetzt die Corona-Krise vorzuschieben ist in meinen Augen ein billiges Ablenkungsmanöver. Immerhin war Frau Morgan über 15 Jahre im Unternehmen ...

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