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Rezension: Wir wollen Euch scheitern sehen! „Das wird man doch noch sagen dürfen“

Häme: eine Mischung aus Schadenfreude, Besserwissertum und Sadismus. Sie ist salonfähig geworden, meint Alexander Görlach. Was passiert, wenn Helden wie Uli Hoeneß oder Christian Wulff scheitern – eine Streitschrift.
19.09.2014 - 10:08 Uhr 4 Kommentare
Er hat das Vorwort in Alexander Görlachs Buch geschrieben: Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff. „Die Fallhöhe, die ich zu spüren bekommen habe, ist recht spektakulär. (...) Es ist einfach, jemanden zu verspotten. Niedermachen ist einfacher als Selbermachen.“ Quelle: dpa

Er hat das Vorwort in Alexander Görlachs Buch geschrieben: Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff. „Die Fallhöhe, die ich zu spüren bekommen habe, ist recht spektakulär. (...) Es ist einfach, jemanden zu verspotten. Niedermachen ist einfacher als Selbermachen.“

(Foto: dpa)

Düsseldorf „Der spitze Kandidat“, „Popo-Grabscher“, „Der große Plagiator“, „Steuersünder und Narzisst“ oder „Der vergewaltigende Soziopath“: Verachtende und hämische Schlagzeilen wie diese kennen wir alle zur Genüge. Immer wieder trifft es Politiker, Bundespräsidenten und Wirtschaftslenker gleichermaßen und mit Mitleid mit „denen da oben“ ist in Deutschland nicht zu rechnen. „Man wird doch noch sagen dürfen“, ist die beliebte rhetorische Phrase unserer Gegenwart; von Leuten gebraucht, um menschenfeinliche Sätze einzuleiten.

Rainer Brüderle, Karl-Theodor zu Guttenberg, Uli Hoeneß, Jörg Kachelmann, Annette Schavan, Andreas Türck, Christian Wulff und Klaus Zumwinkel – das sind nur einige der gefallenen Menschen, die in der Vergangenheit am Pranger der Öffentlichkeit standen, weil sie „versagt haben“ und „gescheitert“ sind. Hochstilisierte Helden unserer Zeit, auf die Häme aus Kübeln geschüttet wird, noch ehe ein Staatsanwalt Anklage erhoben, ein Richter ein Urteil gesprochen hat.

Welche Rückschlüsse lässt unser Umgang mit dem Fehlverhalten Prominenter auf uns zu? Auf den Zustand unseres Zusammenlebens in unserer Gesellschaft? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Autor und promovierte Theologe Alexander Görlach in seinem Buch „Wir wollen euch scheitern sehen! Wie die Häme unser Land zerfrisst“, das vergangene Woche im Campus-Verlag erschienen ist. Um es vorweg zu nehmen: Die Antworten auf diese Fragen sind vielfältig und die Lektüre ist ohne Vorkenntnisse von politischer Philosophie kein leichter Lese-Happen. Aber keine Sorge, mit etwas Ruhe und Abgeschiedenheit gibt es auch für Quereinsteiger einige anregende Gedankenreisen für kalte Herbsttage.

Görlach geht es in seiner Streitschrift darum, „das Durchsickern, das Diffundieren des Neids aus der Öffentlichkeit in die Gesellschaft zu thematisieren“. Von Interesse dürfte das für uns alle sein und der Autor bringt einen unweigerlich dazu, das eigene Verhalten zu reflektieren. Etwa wenn wir darüber reden, was andere Menschen anhaben, was sie denken, welche Affären sie haben und was sie darstellen. Görlach: „Ist der Sadismus, mit dem wir uns am Elend des Angeprangerten weiden, nicht sogar Masochismus? Hassen wir im Scheitern nicht unsere eigene Unzulänglichkeit?“

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    Dass es um den sozialen Zusammenhalt nicht gut bestellt ist, bekommt der Leser schon direkt auf den ersten Seiten mit. Seine Bestandsaufnahme ist absolut und vernichtend: „Die Häme hat unseren sozialen Zusammenhalt zerstört, aufgefressen.“

    Von enthemmten Voyeuren und faulem Obst
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    4 Kommentare zu "Rezension: Wir wollen Euch scheitern sehen!: „Das wird man doch noch sagen dürfen“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Das ist ja richtig super, Hoeness und Wulff auf der selben Stufe. Hoeness ist ein krimineller, und an an Wulff haben sich Print Kriminelle versucht und es letztlich auch geschafft.

    • weder wulff noch hoeneß oder andere im rampenlicht stehende waren oder sind helden. wulff hatte eine zu große nähe zu geldleuten mit zweifelhaften ruf (maschmeyer), hoeneß ist ein steuerbetrüger, zb. von und zu guttenberg hat geistiges eigentum gestohlen usw usf.. alle eint eines - die gier nach geld und macht. beispiel hoeneß bekam ein teil seines zockergeldes vom ehemaligen chef von adidas. dessen firma die t-shirts und anderes mehr in asien gegen hungerlöhne fertigen ließ, von denen niemand leben kann. um so größer war der reibach hier. schlug hier herrn hoeneß sein soziales gewissen? glaube kaum. hauptsache kohle zum zocken. von wegen held.

    • Die Deutschen stilisieren jeden zum Helden auf, der irgendein aussergewähnliches Amt hat.
      Vielleicht hat das damit zu tun, dass wir niemanden mehr haben, zu dem man aufblicken kann. Die Politik ist z. B. ein armseliger Haufen, kein Vorbild, keine Helden.
      Für mich sind ein Wuff oder Hoeneß keine Helden.
      Gerade Wulff, er hatte ein Amt inne, war für dieses Amt nicht besonders geeignet und mußte gehen.
      Ein Held war er doch nie.
      oeneß ein toller Fußballer, abr ein Held????
      Wir müssen das Wort, den Begriff Held mal wieder aufs Normale zurückbringen

    • Zitat "Was passiert, wenn Helden wie Uli Hoeneß oder Christian Wulff scheitern – eine Streitschrift."


      Keiner der beiden genannten Herren ist oder war jemals ein Held.

      Der eine ist ein verurteilter Straftäter und der andere ist ein begnadeter Opportunist. So kann man niemals zum Helden werden.

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