Kantine von Voestalpine

Allein in der Patisserie der Kantine werkeln fünf Konditoren und zwei Lehrlinge, die täglich rund 1.500 Eier verarbeiten.

(Foto: Andreas Jackwerth)

Kantinenkritik Torte und Heavy Metal – Wie Voestalpine seine Mitarbeiter bewirtet

Bei Voestalpine ist alles etwas größer – auch die Kantine, die hier längst ein eigener Geschäftszweig ist. 25 Köche sorgen für 10.000 Mitarbeiter.
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Die Kantine beim österreichischen Technologiekonzern Voestalpine ist so ausufernd wie ein Fußballfeld. 25 Köche gibt es hier am Stadtrand von Linz, dazu kommen 110 weitere Beschäftigte. Allein in der Patisserie werkeln fünf Konditoren und zwei Lehrlinge, die täglich rund 1.500 Eier verarbeiten.

„Zu uns kommen alle, vom Hochofenarbeiter bis zum Manager“, sagt Küchenchef Thomas Hilgert. Der 52-jährige Rheinländer bekocht mit seinem Team im Gästehaus, zwischen Gasometern und Konzernzentrale, täglich 10 .000 Mitarbeiter in 14 Speisesälen. Größer gehtʼs kaum.

Dem langjährigen Firmenchef Wolfgang Eder liegt dabei die österreichische Küche sehr am Herzen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Konzerntochter Catering Service Linz GmbH, kurz Caseli, der heimischen Küche huldigt.

Das dreigängige Menü offeriert etwa eine Grießnockerlsuppe, als Hauptgericht würziges Gulasch mit Nockerln und Kaisersemmel, zum Nachtisch eine Mohnschnitte. Für das Menü samt Wasser-Begleitung zahlen die Beschäftigten rund fünf Euro. Den Rest der Kosten trägt der Konzern.

Caseli ist für Voestalpine inzwischen ein eigener Geschäftszweig. Die Gastro-Tochter versorgt Dutzende externe Firmen, auch Kindergärten zählen zu den Kunden. Zudem wird für die „Nachtschichtler“ am Hochofen und in anderen Sektoren der Stahlherstellung eigens Tiefkühlkost produziert, die an mehr als 20 Automaten auf dem Firmengelände erworben werden kann.

Rund 28 Millionen Euro Umsatz machte Caseli zuletzt. Man schreibt schwarze Zahlen. In der obersten Etage des konzerneigenen Museums „Stahlwelten“ steht auch externen Besuchern zudem ein Panorama-Café offen. Dort darf natürlich die Linzer Torte nicht fehlen, jenes Gebäck mit roter Johannisbeermarmelade und Teiggitter – quasi das kulinarische Aushängeschild der Donaustadt.

Zu Tausenden wird sie bei Caseli hergestellt, rund um den Globus an Geschäftspartner verschenkt – und für 22 Euro pro Torte auch an Firmenfremde verkauft.

Foto: Andreas Jakwerth für Handelsblatt Magazin

Foto: Andreas Jakwerth für Handelsblatt Magazin

Dieser Text ist entnommen aus dem Handelsblatt Magazin N°1/2019. Das komplette Handelsblatt Magazin als PDF downloaden – oder gedruckt mit dem Handelsblatt vom 22. Februar 2019 am Kiosk erwerben.

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