Ruhe bitte! Entspannung findet Uhrmacher Lennart Kluge abseits der Feinmechanik

Als Uhrmacher braucht es vor allem Ruhe und Geduld. Wenn Lennart Kluge sich eine Auszeit nimmt, darf es deshalb gern auch robuster zugehen.
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Der 32-Jährige ist Uhrmacher und verantwortlich für die Montage der Werke bei Nomos Glashütte. Quelle: Stephan Floss
Lennart Kluge

Der 32-Jährige ist Uhrmacher und verantwortlich für die Montage der Werke bei Nomos Glashütte.

(Foto: Stephan Floss)

Man denkt ja immer: Uhrmacher sind doch die Ruhe selbst. Das stimmt allerdings nicht immer, denn auch wir stehen manchmal unter Zeitdruck. Den größten Stress des Jahres habe ich vor der Uhrenmesse Baselworld, die jedes Jahr im Frühling in der Schweiz stattfindet. Dafür müssen unsere neuesten Vorführmodelle rechtzeitig fertig sein.

Eine Uhr besteht aus rund 100 bis 150 Teilen, die zunächst zu unterschiedlichen Baugruppen montiert werden. Da kann immer mal was schiefgehen: Die Lieferung verzögert sich, oder von wichtigen Teilen sind zu wenige verfügbar.

Aber auch sonst gibt es immer mal stressige Situationen. Wir fertigen schließlich feinste Uhren, Präzisionsinstrumente – der Qualitätsanspruch ist dementsprechend hoch. Stellen Sie sich nur vor, wenn auch nur eines der filigranen Bauteile bei der Montage zerkratzt oder anderweitig beschädigt würde.

Da schwitzt man als Verantwortlicher schon ganz schön und hofft, dass alles gut geht. Aber ich kann mich ja auch nicht neben die Kollegen stellen, die die Uhr zusammenbauen, und sie anflehen: Macht bloß nichts kaputt! Das stört nur – dann passieren erst recht Fehler.

Also muss ich da ruhig und geduldig sein. Entspannung finde ich oft im Zug auf dem Nachhauseweg. Wenn diese knapp 30-minütige Bahnfahrt abends hinter mir liegt, habe ich in der Regel auch abgeschlossen mit meinem Arbeitstag. Die Heimfahrt nach Geising mit dem Regionalzug wirkt wie ein Puffer zwischen Arbeit und Freizeit. Meine ganz besondere Zeit-Zone.

In meiner Freizeit darf es dann ruhig mal richtig robust und gern auch laut zugehen im Vergleich zur stillen Arbeit an unseren Uhren. Seit gut vier Jahren saniere ich einen Altbau: mehr als 100 Quadratmeter über drei Etagen habe ich in unserem Mehrgenerationenhaus schon hergerichtet, das ich mit meiner Frau, unseren beiden Kindern und den Schwiegereltern bewohne.

Fliesen abstemmen, Teppich rausreißen, die ein oder andere Wand entfernen, damit eine neue Raumeinteilung entsteht – das eher grobmotorische Handwerken am Haus und im Garten, wo ich mit der Säge auch Holz für unseren Ofen zerkleinere, ist für mich ein entspannender Kontrast zu der Feinmechanik, mit der ich mich tagsüber beschäftige.

Aufgezeichnet von Claudia Obmann.

Dieser Text ist entnommen aus dem Handelsblatt Magazin N°7/2018. Das komplette Handelsblatt Magazin als PDF downloaden – oder gedruckt mit dem Handelsblatt vom 9. November 2018 am Kiosk erwerben.

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