Ruhe bitte! Schwester Catherine entspannt beim Beten und Bergwandern

Gott sei Dank stressfrei: Wenn Schwester Catherine genug vom Trubel der Pilger in Lourdes hat, zieht sie sich am liebsten in die Natur zurück.
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Die 38-jährige führt seit sieben Jahren Pilgergruppen durch den Wallfahrtsort Lourdes. Quelle: Sanctuaire de Lourdes/Pierre Vincent
Catherine Thiercelin

Die 38-jährige führt seit sieben Jahren Pilgergruppen durch den Wallfahrtsort Lourdes.

(Foto: Sanctuaire de Lourdes/Pierre Vincent)

LourdesZwischen April und Oktober ist in Lourdes Wallfahrts-Hochsaison. Dann kommen außer den religiösen Pilgern auch Familien, Jugendvereine, komplette Schulen, ja ganze Unternehmensbelegschaften zu uns. Gruppen von bis zu 400 Leuten können das sein. Sie alle wollen Lourdes kennen lernen.

Unsere Führungen dauern ein oder zwei Stunden. Bis zu sechs Gruppen mit je 30 Besuchern bringe ich dann pro Tag zu den heiligen Stätten wie der Grotte und der Basilika, und dabei erzähle ich von den Marienerscheinungen von Bernadette. Außer dem Wunder von Lourdes geht es um die 42 religiösen Gemeinschaften, die hier ansässig sind. Für sie alle ist die Jungfrau Maria von zentraler Bedeutung. Ich erkläre unterwegs aber auch christliche Symbole wie Licht, Felsen oder Wasser.

Vor allem betreue ich junge Pilger. Die haben es heute besonders nötig, dass man sich um sie kümmert. Wichtig ist der erste Moment der Begegnung. Man muss auf sie eingehen, ihre Sprache sprechen. Wenn ich sehe, dass mich nicht alle verstehen, rede ich in einfacheren Worten – es sind ja nicht nur Katholiken dabei, und viele Besucher kennen Lourdes gar nicht.

Geht man nicht auf sie ein, schalten sie ab. Dann wird’s unruhig, was die Arbeit noch schwieriger macht. Insofern hilft es immer, eine Diskussion in Gang zu bringen. Wir sprechen über Wunder und darüber, wie man seine eigenen Fähigkeiten entdeckt.

Um nicht in Stress zu geraten, versuche ich, einfach ich selbst zu bleiben und offen für die fundamentalen und sehr persönlichen Fragen zu sein. Also erzähle ich, dass mein Vater bei der Marine war und meine Familie häufig umziehen musste. Und dass ich schon immer den Wunsch verspürte, mit jungen Leuten zu arbeiten.

Lange Zeit hatte ich in Feriencamps mit Jugendlichen zu tun. Nachdem ich aber in Paris Psychoanalyse studiert und eine Schule für Sozialarbeiter besucht hatte, entschied ich mich mit 23 Jahren für den Eintritt in den Orden Béatitude, was so viel heißt wie „Glückseligkeit“.

Ich habe mittlerweile viel Erfahrung mit Führungen und der Wissbegier der Besucher, deshalb bleibe ich ohnehin gelassen. Alles Gewohnheitssache. Sollte ich doch mal aufgewühlt sein, kann ich mich in mein Zimmer zurückzuziehen. Außerdem bete ich jeden Tag eine Stunde allein, dann noch mal gemeinsam mit den anderen Nonnen. Und ich gehe regelmäßig zur Messe.

Danach bin ich mit mir im Reinen. Einen Tag in der Woche habe ich frei. In der Natur finde ich dann besonders viel Entspannung. Ich mache zum Beispiel Bergwanderungen. Zudem spiele ich im Konservatorium Querflöte, das beruhigt auch. Aber wissen Sie, was das Wichtigste ist für die Ausgeglichenheit? Dass man seine Arbeit als Berufung versteht wie ich.

Dieser Text ist entnommen aus dem Handelsblatt Magazin N°3/2019. Das komplette Handelsblatt Magazin als PDF downloadenoder gedruckt mit dem Handelsblatt vom 26. April 2019 am Kiosk erwerben.

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