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Afghanistan-Einsatz Neun Jahre Eskalation in Aghanistan - wie geht es weiter?

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Die Medien wirkten an dieser Darstellung zunächst mit, obwohl es seit 2003 immer wieder zu Todesopfern unter den deutschen Soldaten - auch durch Kriegshandlungen - kam. Allmählich wurden jedoch immer mehr Fakten bekannt, die der Bevölkerung vor Augen führten: die Soldaten der Bundeswehr waren mitnichten "bewaffnete Entwicklungshelfer", sondern sie kämpften, starben und töteten auch. Höhepunkt dieses "Bewusstseinswandel" waren die Wochen nach der Bombardierung von zwei Tanklastwagen bei Kundus im September 2009. Nun stieg der Druck von Medien und Öffentlichkeit so stark an, dass die Bundesregierung ihre Position verändern musste. Heute qualifiziert sie offiziell den Einsatz völkerrechtlich als "nicht internationalen bewaffneten Konflikt". Darüber hinaus haben sich zunächst Verteidigungsminister zu Guttenberg und danach auch Bundekanzlerin Merkel der umgangssprachlichen Formulierung "Krieg" angeschlossen, nicht hingegen Außenminister Westerwelle.

Aus einem unrealistischen politischen Zweck kann - das lehrt schon Clausewitz-eine Eskalation der militärischen Gewalt folgen. So stieg der Umfang der deutschen Beteiligung von 2002 bis 2010 von zunächst 1.200 Soldaten, begrenzt auf den Einsatzraum Kabul, auf bis zu 5.350 Soldaten, die in der gesamten Nordregion, bei Krisenlagen sogar in ganz Afghanistan eingesetzt werden - unter zunehmender Verwendung von schwerem militärischem Gerät, wie gepanzerten Fahrzeugen, Tornado-Aufklärungsflugzeugen oder Artilleriegeschützen.

Die deutschen Konzepte betonen zu Recht, dass ein Erfolg in Afghanistan nur zu einem geringen Teil mit militärischen Mitteln erreicht werden kann. Vielmehr wird nicht-militärischen Instrumente eine hohe Bedeutung zugewiesen. Dieses Konzept der "Vernetzten Sicherheit" konnte von Deutschland auch in internationale Konzepte eingebracht werden (wo es als "Comprehensive Approach" bezeichnet wird). Danach sollten die militärischen Anteile an der Zielerreichung 20 % und die nicht-militärischen 80 % betragen. Bei der Realisierung der anvisierten Ziele spiegelt der Ressourceneinsatz diese konzeptionelle Vorstellung jedoch in keiner Weise wider. In der Realität ist das Verhältnis der militärischen zu den nicht-militärischen Anteilen mit 70:30 nahezu entgegengesetzt.

Unrealistische politische Ziele, ein drastische Zurückbleiben der nicht-militärischen Anstrengungen und die daraus folgende Aushöhlung der Akzeptanz von ISAF bei der Bevölkerung hatten eine Dominanz militärischer Aspekte in den Entscheidungsprozessen zur Folge. Forderungen der militärischen Führung nach mehr Kräften und Mitteln zur Beherrschung einer kontinuierlich schlechter werdenden Sicherheitslage lösten immer weitere Eskalationsschritte aus - zunächst im Süden und Osten, ab 2007 auch im Einsatzgebiet der Bundeswehr im Norden.

Mit seiner Entscheidung von 1994 hatte das Bundesverfassungsgericht dem Deutschen Bundestag eine vergleichsweise starke Position bei der Mandatierung von Auslandseinsätzen zugewiesen ("Parlamentsarmee"). Ist das Parlament hinsichtlich der Afghanistaneinsätze seiner damit übertragenen Verantwortung gerecht geworden? Hier sind Zweifel angebracht.

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2 Kommentare zu "Afghanistan-Einsatz: Neun Jahre Eskalation in Aghanistan - wie geht es weiter?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Eine sehr interessante Meinung die sie Ulf von Krause hier vertreten.
    Aber nach Einführung der neuen bundeswehr, haben wir deutsche kein Problem mehr mit der Parlaments-Armee.
    Denn nun können die Politiker aller Parteien, die Soldaten einsetzen wo sie wollen, ohne dem Souverän Rede und Antwort zu stehen.
    Also was Regen sie/wir uns noch auf?
    Nun denn, lasst uns unseren Verbündeten anschließen, und Welt-Polizist im Auftrag der USA, der UN spielen.
    Danke

  • ich würde noch anmerken, dass es überhaupt keinen Grund für Ersteinsätze der bundeswehr im Ausland gibt, es sei denn zu Verteidigungszwecken, was eine Reaktion auf einen Angriff wäre, wozu ich Afghanistan aber NiCHT zähle.

    Auch kein "Verteidigungsfall" durch den Nato-Pakt, weil es bei dem 11.09.2001 eben nicht um einen Angriff im Sinne eines Krieges ging, sondern um eine Terrortat, wie es bereits zuvor deren viele in der Welt gegeben hatte. Diese Sonderstellung durch Mr.bush, daraus einen Krieg zu inszenieren, ist jetzt die Grundlage zu entziehen, um die Demokratie als schützenswertes Gut zu erhalten!