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Analyse-Serie: „Global Challenges“ Veronika Grimm: Ein globaler „Klub der Willigen“ könnte den Klimawandel aufhalten

Die großen Volkswirtschaften sollten den weltweiten Kampf gegen die Erderwärmung anführen – und den CO2-Grenzausgleich weiterdenken.
02.12.2020 - 12:48 Uhr 1 Kommentar
Veronika Grimm ist Professorin für Volkswirtschaftslehre und seit 2008 Inhaberin des Lehrstuhls für Wirtschaftstheorie an der Universität Erlangen-Nürnberg und seit April 2020 Mitglied des Sachverständigenrats.
Die Autorin

Veronika Grimm ist Professorin für Volkswirtschaftslehre und seit 2008 Inhaberin des Lehrstuhls für Wirtschaftstheorie an der Universität Erlangen-Nürnberg und seit April 2020 Mitglied des Sachverständigenrats.

Klimaschutz stand ganz oben auf der Agenda der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Dann erzwang Corona weltweit die Änderung der politischen Prioritäten. So musste auch die Uno ihre 2020 in Glasgow geplante Klimakonferenz auf 2021 verschieben. Doch zum Glück ist das zu Ende gehende Covid-19-Jahr für den Kampf gegen die Erderwärmung kein verlorenes Jahr.

Zahlreiche Länder wie Japan und Südkorea erklärten, 2050 klimaneutral sein zu wollen. China, der weltgrößte Treibhausgasemittent, peilt das Ziel bis 2060 an. Und auch in den USA wird Klimaschutz nach dem Sieg von Joe Biden über Donald Trump wieder einen höheren Stellenwert erhalten.

Technologisch tut sich ebenfalls einiges. Die Möglichkeiten etwa, grünen Wasserstoff und synthetische Energieträger als bislang fehlende Bausteine auf dem Weg zur Klimaneutralität zu nutzen, wurden weiterentwickelt. Die internationale Kooperation für einen globalen Handel mit klimaneutralen Energieträgern hat gerade begonnen. Das alles sind positive Einzelaspekte. Wie aber könnte ein umfassenderes Konzept zum weltweiten Klimaschutz aussehen?

Klar ist: Im Kampf gegen die Erderwärmung reicht es nicht, sich auf gemeinsame Ziele zu einigen. Stattdessen müssen entschlossene Schritte zur globalen Umsetzung der Ziele gegangen werden. Dabei spielen Verhandlungen über gemeinsame CO2-Preise eine zentrale Rolle.

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    In der Europäischen Union gibt es bereits einen Emissionshandel, beispielsweise für Energie und einige Industriesektoren. Ziel muss aber eine weltweite Bepreisung von Kohlendioxid-Emissionen sein – ein „Klub der Willigen“ wäre da ein großer Schritt in die richtige Richtung. Erste Mitglieder und Verhandlungspartner könnten jene Staaten sein, die in diesem Jahr mit ambitionierten Klimazielen hervorgetreten sind oder von denen das, wie bei den USA, in Kürze zu erwarten ist.

    Hohe Kohlendioxid-Preise notwendig

    Die Bepreisung von CO2-Emissionen hat einen positiven Doppeleffekt: Umweltschädliches Verhalten wird verteuert und damit gleichzeitig die Attraktivität klimafreundlicher Geschäftsmodelle erhöht.

    Besonders Staaten, in denen die Industrie in klimarelevanten Technologiefeldern gut aufgestellt ist, haben einen Anreiz, das Marktumfeld durch die Einführung von CO2-Preisen so zu gestalten, dass Unternehmen mit klimafreundlichen Geschäftsmodellen komparative Vorteile erhalten.

    Die Transformation der Industrie hin zu klimafreundlichen Technologien und Produkten erfordert aber – anders als bisher – hohe Kohlendioxid-Preise und wird nicht überall in gleichem Tempo umzusetzen sein. Weltweit zeichnet sich eine Klimapolitik „unterschiedlicher Geschwindigkeiten“ ab. Und die ist zum Beispiel für die Europäische Union eine Herausforderung.

    Denn bei steigenden CO2-Preisen besteht die Gefahr, dass CO2-intensive Fertigungen wie die Produktion von Stahl in Länder mit weniger ambitionierten Vorgaben abwandern. Das würde einen Verlust an eigener Wertschöpfung bedeuten – und auch dem globalen Klimaschutz in keiner Weise dienen. Denn die Emissionen könnten durch die Verlagerung von Produktion ins Ausland sogar steigen, wenn die Umweltstandards dort niedriger sind.

    Wie groß die Gefahr klimapolitisch kontraproduktiver Wertschöpfungsverlagerung tatsächlich ist, lässt sich auf Grundlage der derzeitigen Daten schwer abschätzen, da die klimapolitischen Ambitionen heute noch nicht extrem weit auseinanderfallen.

    Studien, die die Entwicklungen bei unilateral ambitionierteren Klimapolitiken simulieren, legen nahe, dass man die Gefahr der Verlagerung von Wertschöpfung und Emissionen nicht einfach von der Hand weisen sollte. Noch gelingt es etwa der EU, durch freie Zuteilung von Zertifikaten an besonders emissions- und handelsintensive Industrien Produktionsverlagerungen weitgehend zu vermeiden. Doch diese „privilegierten“ Zuteilungen sind bei ambitionierten Klimaschutzzielen mit entsprechend geringeren Zertifikatsmengen keine Option mehr.

    Man sucht daher nach neuen Wegen, die Gefahr einzudämmen: Auf Initiative der deutschen und französischen Regierung wurde im Sommer der politische Prozess zur Ausarbeitung eines CO2-Grenzausgleichs auf den Weg gebracht. Bei dem Grenzausgleich müssten Importeure eine dem CO2-Fußabdruck der eingeführten Güter entsprechende Menge an Zertifikaten kaufen. Exportgüter würden entsprechend ihres Kohlendioxid-Fußabdrucks entlastet.

    Gegen ein solches Vorgehen bestehen allerdings nicht nur handelsrechtliche Bedenken, Handelspartner könnten selbst bei WTO-konformer Umsetzung einen unilateral eingeführten Grenzausgleich als protektionistische Maßnahme werten und Gegenmaßnahmen ergreifen. Deutschland als exportorientiertem Land drohten bei einem Handelskonflikt insbesondere mit den USA hohe Wertschöpfungsverluste. Der Schaden aus einem unilateral eingeführten Grenzausgleich könnte daher dessen Nutzen übersteigen.

    EU hat noch einen Trumpf

    Die Gefahr von Handelskonflikten hängt jedoch maßgeblich von der Ausgestaltung der Mechanismen und globalen politischen Entwicklungen ab. Sollten wichtige Handelspartner einem gemeinsamen Vorgehen zustimmen, könnte mit aufeinander abgestimmten Grenzausgleichssystemen die Idee eines Klimaklubs Wirklichkeit werden.

    Innerhalb des Klubs könnten im Herkunftsland gezahlte Emissionspreise gegenseitig angerechnet werden – oder auch zunächst nur ein gemeinsamer Mindestpreis gelten, der mit der Zeit ansteigt. Dies würde weltweit Fortschritte bei der Bepreisung von Emissionen ermöglichen.

    Mit dem Erfolg der Demokraten bei den US-Präsidentschaftswahlen und den klimapolitischen Ambitionen vieler Länder im Asien-Pazifik-Raum dürften sich hierfür Chancen eröffnen, die es zu nutzen gilt. Viele Staaten, darunter China, Japan, Kanada, Mexiko und Korea, haben schon heute einen CO2-Preis etabliert oder zumindest Voraussetzungen dafür geschaffen.

    Die Europäische Union jedenfalls hält in ihrer Rolle als Nettoimporteur von CO2-Emissionen mit den potenziellen Einnahmen aus dem Grenzausgleich noch einen Trumpf in der Hand. Nach dem Beschluss des Europäischen Rats vom Juli 2020 wird der Grenzausgleich zwar als mögliche künftige Einnahmequelle für den EU-Haushalt aufgeführt. Die durch den Kohlendioxid-Grenzausgleich erzielten Einnahmen könnten aber auch anders genutzt werden – etwa als Transferleistung für Schwellenländer, um ihnen den Beitritt zum Klimaklub attraktiv zu machen und einen Transformationspfad zur Klimaneutralität zu erleichtern.

    In jedem Fall muss ambitionierte EU-Klimapolitik den globalen Kontext mitdenken. Letztlich kann die Europäische Union sich sogar ambitioniertere Klimaschutzziele setzen, wenn ihre Bemühungen in einen Klub wichtiger Handelspartner eingebunden sind. Ein solcher „Klub der Willigen“ könnte dem Klimawandel wirkungsvoll die Stirn bieten.

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    1 Kommentar zu "Analyse-Serie: „Global Challenges“: Veronika Grimm: Ein globaler „Klub der Willigen“ könnte den Klimawandel aufhalten"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • „Klub der Willigen könnte den Klimawandel aufhalten."

      Die Aussage ist so falsch wie unsinnig. Wenn die Klimaenthusiasten nur eine Sekunde nachdächten und Fakten zur Kenntnis nehmen würden, wüssten sie das auch.

      Wahr ist:
      Den Klimawandel wird niemand aufhalten.
      Selbst wenn das CO2 wirklich die Ursache sein sollte, werden allein die asiatischen Länder in den nächsten 20 Jahren ein mehrfaches an CO2 zusätzlich schaffen als die westlichen Staaten heute produzieren.

      Es ist völlig einerlei, was die EU oder USA sparen.

      Im Gegenteil:
      Umso mehr CO2 die EU spart, desto schneller werden Arbeitsplätze nach Asien transferiert. Das lässt sich durch Zölle nicht aufhalten. Selbst Unternehmen mit nur 4% Stromkosten vom Umsatz sind nicht wettbewebsfähig, wenn Wettbewerber im Ausland nur 2% zahlen müssen (z.B. Metallteilefertiger).

      Die Energiewende spart bislang kein CO2. Seit 30 Jahren machen wir auf Energiewende. Die einzigen Einsparungen resultieren bislang aus der Deindustrialisierung der DDR seit Ende 1989 und Südeuropas durch den Euro seit 1998.

      Wind & PV, Speicherung und E-Autos sind so absurd ineffizient, dass durch deren Ausbau zunächst ganz erheblich MEHR CO2 geschaffen wird. Dies um erst nach Jahren CO2 einzusparen.
      Bei E-Autos ist der Break Even 7 Jahre. Die Wirkungsgradverluste bei Speicherung liegen über 55%.
      Ignoranz?!

      Die vorzeitige Abschaltung von Kohlekraftwerken verursacht völlig unnötig MEHR CO2.
      Und dann natürlich die Kernkraft:
      Alleine die KKW-Abschaltung kompensierte 300 Mrd. Investitionen in Wind & Solar völlig.

      Aus Lobbygründen werden Wind & PV gefördert, obwohl sie die unzuverlässigsten und ineffizientesten Energieträger sind. Deren Kapazitäten werden nur in Bruchteilen ausgelastet.
      Speicherung ist der Versuch ein totes Pferd zu reiten.
      Stattdessen müssen effizientere Erneuerbare finanziert werden.
      Also alles andere nur Wind & PV nicht.

      Geht es den Klimaaktivisten überhaupt ums Klima?
      Es geht wohl nur noch um den Erhalt der Wind- & PV-Konzerne.

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