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Autokonzerne Warum der Blick auf die deutsche Automobilindustrie optimistischer sein sollte

Deutschlands Autokonzerne sind besser als ihr aktueller Ruf. Bei den weltweiten Patentanmeldungen dominieren die deutschen Autohersteller und Zulieferer das Feld.
  • Thomas Strerath
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Der Autor ist Top-Werber, leitete führende Agenturen von Ogilvy bis Jung von Matt und berät heute Firmen – auch deutsche und chinesische Autokonzerne. Quelle: Christian Schoppe /Jung von Matt [M]
Thomas Strerath

Der Autor ist Top-Werber, leitete führende Agenturen von Ogilvy bis Jung von Matt und berät heute Firmen – auch deutsche und chinesische Autokonzerne.

(Foto: Christian Schoppe /Jung von Matt [M])

Für die Deutschen steht fest: Sie bauen die besten Autos der Welt. Und während das noch viele Kunden in der Welt ähnlich sehen und unsere deutschen Premiumhersteller zum weltweit führenden Trio machen, glauben wir zugleich: Lange wird das nicht mehr gut gehen. Die deutsche Automobilindustrie hat angeblich den Anschluss verloren.

Von Westen drückt das Silicon Valley, wo Tesla, Google und womöglich bald auch Apple zeigen, wie man mit Visionen ganze Märkte schafft. Von Osten drängen neben den Japanern und Koreanern neuerdings auch noch die Chinesen in das, was man als „unsere“ Märkte verstehen möchte.

In diesem Klammergriff westlicher digitaler Innovation und östlicher Exekutionskraft scheinen die deutschen Autohersteller geblendet von gestrigen Erfolgen und gelähmt angesichts der Herausforderungen, die durch globale Megatrends wie Klimaentwicklung, Urbanisierung und Digitalisierung auf ihre Märkte zukommen.

Fast täglich kann man von Manager-Exkursionen lesen, entweder gen Osten oder Westen. Die Rückkehrer aus dem Westen berichten beeindruckt, wie dort vermeintlich völlig neue Arbeitsstrukturen geschaffen werden. New Work ist der Überbegriff für hierarchiefreie Arbeitsformen, meist eben im Silicon Valley, in denen selbstmotivierte Teams den traditionell organisierten Abteilungen in Stuttgart, Ingolstadt und München überlegen seien. Die oft gleichen Managementtouristen erzählen staunend aus China, dass Züge dort schneller und pünktlicher fahren. In der Tat ein Gefühl, das wir nicht mehr kennen.

Was man dabei nicht vergessen darf: Die meisten Beobachtungen deutscher China-Reisender beschreiben Infrastrukturprojekte und nicht die Leistungsfähigkeit von Firmen. Wenn man politische Bereitschaft sowie Leistungsfähigkeit der Staatsorgane von China und Deutschland vergleicht, beschleicht einen zwar das Gefühl, dass unsere Institutionen sich eher als Museumsverwalter einer vergangenen Epoche denn als Gestalter einer neuen Gesellschaft verstehen.

Hier geht es aber um die Leistungsfähigkeit der deutschen Autoindustrie. Deren Markt ist nicht nur ein stagnierendes Europa, sondern die Welt. In dieser stehen sie im Wettbewerb zu Newcomern, die neben aller Technik auch noch die Marken schaffen müssen, die bei Verbrauchern jenes Vertrauen auslösen, das Geldbörsen öffnet.

Patente als Grundlage für optimistisch stimmende Zukunft

Vor den Marken stehen indes die Produkte. Lässt sich nun feststellen, dass diese aus dem hierarchiefreien Westen oder dem hierarchiegläubigen Osten denen der deutschen Autoindustrie morgen das Wasser abgraben werden? Werden in den so abweichenden und bisweilen hysterisch gefeierten Kulturen mehr Innovationen, mehr zukunftsfähige Lösungen erzeugt?

Wir können, nein, wir müssen gegen all unseren Pessimismus feststellen, dass dies gar nicht der Fall ist. Die deutsche Automobilindustrie ist in ihrer starken Kombination aus Herstellern und Zulieferern weltweit führend, was die Entwicklung neuer Ansätze moderner Mobilität angeht. Das mag überraschen, ist aber kein Marketingtrick des Automobilverbands, sondern lässt sich aus den weltweiten Patentanmeldungen ablesen.

Hier gibt es verschiedene Quellen, aber alle kommen zu dem Ergebnis, dass unsere Premiumhersteller und Zulieferer das Feld dominieren. Mehr als jedes dritte Patent zum Thema alternative Antriebe und E-Mobilität kommt aus Deutschland. Bei dem wichtigen Thema des autonomen Fahrens, also der Frage nicht nach alternativer, sondern neuer Mobilität, sind es mehr als die Hälfte.

Patente sind keine Garantie für Erfolg, aber Grundlage für eine optimistisch stimmende Zukunft. Zum einen belegen sie die Investitionsbereitschaft und die Fähigkeit der deutschen Hersteller, sich diesen neuen Themen mit ihrer ganzen Ingenieurkraft zu stellen. Zum anderen geben sie eine Rechtssicherheit in den Märkten, dass diese Technologien und ihre Investitionen geschützt werden können.

Zu beachten ist natürlich, dass ein gewichtiger Teil dieser Innovationen von den Zulieferern getragen wird. Und diese können ihre Produkte auch von anderen Marken – in den USA wie in China – verbauen lassen. Nichtsdestotrotz dürfen sich auch die deutschen Autohersteller in einer guten Position wähnen: Denn die Innovationen werden vor den Effekten einer Stückkostendegression zuerst im Premiumsegment verbaut, in dem die Deutschen dominieren. Der Zugang zu diesem Segment wiederum geschieht über Marken. Marken stehen für Vertrauen. Und in diesem Fall sogar für Optimismus. Vielleicht sogar für ein ganzes Land.

Mehr: Autoindustrie und Politik müssen gemeinsam die Zukunft der wichtigsten Branche des Landes sichern. Die Diskussion um das Auto sollte dringend versachlicht werden.

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  • Wir haben nach dem 2. Weltkrieg erfahren müssen, welcher Anstrengung es bedarf, sich aus einer moralischen Niederlage herauszuarbeiten. Hoher Einsatz und Demut sind gefragt. Wohl-an!