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China Corona hat Pekings Wirtschaftsplanung drastisch verändert

Die chinesische Wirtschaft wird 2020 als eine der wenigen aller G20-Staaten ein positives Wachstum aufweisen. Dennoch bleiben laut Dan Wang Probleme.
09.07.2020 - 19:27 Uhr Kommentieren
Der Regierung ist die Bekämpfung von Corona wichtiger als das Wirtschaftswachstum. Quelle: action press
Volkskongress in Peking

Der Regierung ist die Bekämpfung von Corona wichtiger als das Wirtschaftswachstum.

(Foto: action press)

Der aktuelle Einkaufsmanagerindex deutet auf eine überraschend rasche Erholung der chinesischen Wirtschaft hin. Seit März wächst Chinas verarbeitende Industrie, begleitet von einer noch stärkeren Expansion des Dienstleistungssektors.

Wir erwarten eine vollständige Erholung 2022, wenn die gegenwärtigen Trends so anhalten. Allerdings könnte die Wachstumslokomotive aus den Gleisen springen und die wirtschaftliche Schwäche länger anhalten, wenn es zu einer zweiten Covid-19-Welle kommt.

Die kürzlich aufgetretene Mini-zweite-Welle in Peking ließ tief blicken: Bei nur zusammengenommen 300 Neuinfektionen im Juni schloss die Regierung über Nacht effektiv die meisten Schulen und Transportwege nach außen und setzte mehrere Lokalpolitiker ab. Das Signal ist klar: Das Virus einzudämmen ist wichtiger als das Wirtschaftswachstum.

Die Pandemie veränderte drastisch die Wirtschaftsplanung Pekings. Dieses Jahr sollte eigentlich der große Wendepunkt für China sein, indem es die Armut ausradiert und das reale Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zu 2010 verdoppelt. Covid-19 hat das verhindert, obwohl die Regierung darauf besteht, das Armutsziel erreicht zu haben.

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    Zum ersten Mal seit den Achtzigerjahren setzte die Zentralregierung 2020 kein Wirtschaftswachstumsziel. Stattdessen wechselten die politischen Prioritäten zu Arbeitsplatzschaffung und Einkommensunterstützung für die Armen. Das monetäre und fiskalische Stützungspaket fällt im Vergleich zu der großen Rezession 2008 ebenfalls moderat aus.

    Dan Wang ist Analystin bei der Economist Intelligence Unit. Quelle: Economist Intelligence Unit
    Die Autorin

    Dan Wang ist Analystin bei der Economist Intelligence Unit.

    (Foto: Economist Intelligence Unit)

    Nach Covid-19 ist die Rolle der staatseigenen Unternehmen gestärkt worden, China will mit ihnen die Produktion und Arbeitsplätze wieder zurückbringen. Obwohl in den vergangenen vier Jahrzehnten der Privatsektor die treibende Kraft bei den städtischen Arbeitsplätzen und Innovation war, sind viele private Firmen mit der Pandemie in Konkurs gegangen.

    Es ist für sie schwierig, Bankkredite zu bekommen. Staatseigene Betriebe investieren mehr im Bauwesen, in digitale Infrastruktur, Gesundheit und Umweltprojekte. Im Auftrag der Regierung geben sie sich sozial verantwortlicher, stellen Studienabgänger ein, holen zusätzliche Privatfirmen als Lieferanten an Bord oder verleihen direkt Geld an sie.

    Schlechtester Arbeitsmarkt seit den 60er Jahren

    Die Pandemie verstärkt den Trend, größere Metropolregionen aufzubauen. Zuvor war das Leitmotiv bei der regionalen Entwicklungsplanung gewesen, auf ein ausgeglichenes regionales Wachstum zu achten.

    Aber kleineren Städten und Landregionen fehlt es an der notwendigen breiten wirtschaftlichen Aufstellung, um eine Rezessionen oder eine unerwartete Gesundheitskrise zu bewältigen. Verschiedene Metropolregionen wie die Great Bay Area, Peking-Tianjin-Hebei (Jing-Jin-Ji) oder das integrierte Areal um den Jangtsekiang-Fluss erhalten bevorzugt fiskalische Unterstützung und mehr Spielraum, Reformideen auszuprobieren.

    Ein großes Hindernis für eine wirtschaftliche Erholung ist Arbeitslosigkeit. China erlebt den schlechtesten Arbeitsmarkt seit den Sechzigerjahren. Nach unserer Schätzung kann die städtische Arbeitslosigkeit 2020 die Zehn-Prozent-Marke erreichen. Dazu werden mehr als 100 Millionen Menschen Lohnkürzungen von zehn bis 50 Prozent hinnehmen müssen. Für die meisten chinesischen Arbeiter ist es das erste Mal, dass sich ihr Einkommen verkleinert.

    Das finanzielle Risiko vergrößerte sich für städtische Familien beträchtlich: Die Verschuldung der Haushalte hat sich von 27 Prozent des Bruttoinlandprodukts 2010 auf 56 Prozent 2019 gesteigert, wovon die meisten Schulden Hypothekenkredite sind. Die Rückzahlung könnte ein Problem werden, wenn die Einkommensverluste anhalten.

    Das Wiederaufleben des privaten Konsums wird angesichts der mäßigen Aussichten im Arbeitsmarkt schwierig werden. Die Zurückhaltung des Verbrauchers wird trotz großzügiger staatlicher Subventionen dem Konsumsektor zusetzen. Verglichen mit Konsumenten in den USA oder Europa sind chinesische risikoaverser, was sich in höheren Sparquoten niederschlägt. Die treibende Kraft der Wirtschaftserholung werden Kapitalinvestitionen sein und nicht der Konsum.

    Der größte Nutznießer der Pandemie sind digital ausgerichtete Firmen und die Tech-Industrie. Große börsennotierte Unternehmen wie Byte Dance und Tencent geht es aufgrund ihrer Kapitalausstattung besser als kleineren Wettbewerbern. Einige Dienstleistungen (wie Catering) erholen sich rascher als andere, während manche weit von einer Normalisierung entfernt sind (wie Tourismus oder Hausvermietungen).

    Der Häusermarkt zeigt allerdings in großen Städten erste Lebenszeichen, trotz der restriktiven Beschränkungen beim Immobilienkauf. Die Käufer sehen in Immobilien vor allem sichere Assets. Auch treibt die Geldpolitik den Häusermarkt an, für das restliche Jahr werden günstige Finanzbedingungen erwartet.

    Corona wirbelt die Welt durcheinander. Von einem Tag auf den anderen kam die Weltwirtschaft zum Stillstand. Jetzt versuchen die Volkswirtschaften wieder zur Normalität zurückzukehren, doch so einfach ist das nicht mit der ökonomischen Analyse: Was richtete das Virus mit der Weltwirtschaft an? Sechs bekannte Ökonominnen und Ökonomen aus allen Regionen der Welt haben sich aus ihrer Perspektive für das Handelsblatt dieser Frage angenommen und analysieren mit ihrem Sachverstand die Situation. Quelle: Smetek
    Handelsblatt-Thema: Weltwirtschaft nach Corona

    Corona wirbelt die Welt durcheinander. Von einem Tag auf den anderen kam die Weltwirtschaft zum Stillstand. Jetzt versuchen die Volkswirtschaften wieder zur Normalität zurückzukehren, doch so einfach ist das nicht mit der ökonomischen Analyse: Was richtete das Virus mit der Weltwirtschaft an? Sechs bekannte Ökonominnen und Ökonomen aus allen Regionen der Welt haben sich aus ihrer Perspektive für das Handelsblatt dieser Frage angenommen und analysieren mit ihrem Sachverstand die Situation.

    (Foto: Smetek)

    Lesen Sie hier, wie die anderen Top-Ökonomen die Zukunft einschätzen:

    Der Exportsektor wird sich aufgrund der anhaltend schwachen globalen Nachfrage nur langsam erholen (mit der Ausnahme von medizinischen Produkten). Exportabhängige Provinzen wie Guangdong und Zhejiang werden am stärksten betroffen sein. Provinzen, die eher im Inland liegen, sind von Geldsendungen der Wanderarbeiter an den Küsten abhängig. Sie sind ebenfalls getroffen.

    Wir gehen davon aus, dass erst nach 2022 der gleiche Welthandel wie vor Covid-19 herrscht. Die chinesische Regierung ermuntert Exportfirmen, ihre Umsätze im Inland zu erzielen, aber die Verschiebung kann schwierig sein: Ihre Produkte sind für Auslandsmärkte hergestellt worden und haben mit Schwierigkeiten in China zu kämpfen, wenn sie sich nicht im Preis und der Markenausrichtung ändern.

    China spielt eine zentrale Rolle in den globalen Lieferketten. Von daher ist eine Erholung der verarbeitenden Industriekapazitäten von kritischer Wichtigkeit für andere Volkswirtschaften, insbesondere für die Asean-Länder, die im hohen Maße von Chinas Nachfrage nach Industriegütern und Zwischenprodukten abhängen.

    Wir gehen davon aus, dass China 2020 eines von nur zwei G20-Ländern mit einem positiven BIP-Wachstum sein wird. Für Rohstoffexporteure wie Australien, Brasilien und die USA ist die Erholung Chinas insbesondere wichtig, damit sie Metalle, Energie und Landwirtschaftsprodukte exportieren können.

    Chinas Nachfrage wird für diese Länder die inländischen Preise stabilisieren. Während die USA und Europa in eine tiefe Rezession versinken, wird der Wiederaufstieg von China aus der Pandemie eine vielversprechende und wichtige Nachfrage nach globalen Gütern schaffen.

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