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Anders Indset

Expertenrat – Anders Indset Die Welt braucht weibliche Führungsstärke, keine egomanische Opa-Generation

Merkel, Ardern, Frederiksen: Frauen zeigen in der Coronakrise, was Leadership ausmacht. Es ist ein starkes Signal für das Miteinander statt Egozentrik.
17.04.2020 - 07:00 Uhr Kommentieren
Die dänische Premierministerin ist eine von vielen Frauen, die in der Politik gerade zeigen, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen. Quelle: AP
Mette Frederiksen

Die dänische Premierministerin ist eine von vielen Frauen, die in der Politik gerade zeigen, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen.

(Foto: AP)

Erna von Norwegen, Mette von Dänemark, Angela von Deutschland, Tsai Ing-wen von Taiwan, Jacinda von Neuseeland und dazu Außenministerin Kang Kyung Wha aus Südkorea: In Zeiten von Covid-19 offenbart sich, wer für die neue Realität und die Zeit nach Corona am besten gewappnet ist.

Findet nach der Pandemie eine natürliche Selektion statt, ein radikales „Survival of the Fittest“, dann ist das ein Anfang vom Ende der Menschheit. Solidarität, Liebe und Empathie kann man nicht erzwingen, beides muss vorgelebt werden.

Statt mit Reality-Show-Charakter wandte sich die norwegische Premierministerin über das Fernsehen an die kleinen Kinder und folgte damit der dänischen Premierministerin Mette Frederiksen, die eine dreiminütige Pressekonferenz gegeben hatte, an der nur Kinder teilnehmen durften. Während der Coronakrise zeigen insbesondere die Frauen, worauf es bei Leadership ankommt.

Auf das Team zu setzen, das „WIR“, und alle Menschen mitzunehmen, insbesondere diejenigen, die es nicht am einfachsten haben mitzukommen und zu verstehen, worum es geht.

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    Die Wahrheit aussprechen

    Hamsterkäufe von Toilettenpapier in Wohlstandsregionen haben unterm Strich wenig mit mangelhafter Versorgung zu tun – und wenn, würde es zahlreiche andere Möglichkeiten geben, den Hintern sauber zu kriegen. Nein, die mittlerweile abflauenden Hamsterkäufe zeigen die Angstreaktion der Menschen auf: „Wenn alle anderen ebenfalls Angst haben und denken, dass sie viel einkaufen müssen, dann sollte ich es vielleicht auch tun.“. „Fear of missing out“ nennt sich das Phänomen, die Angst, etwas zu verpassen.

    So wird das Angstgefühl noch bestärkt, und jedes noch so volle Einkaufszentrum wird in ein regelrechtes Schlachtfeld umgewandelt. Es ist in Ordnung, Angst zu haben, sagen die weiblichen Leader, während ihre männlichen Gegenstücke auf Stärke setzen. „Es ist nichts, ICH habe alles unter Kontrolle“, kraftmeierte US-Präsident Donald Trump, während Ministerpräsidentin Jacinda Ardern von Neuseeland bereits nach sechs Fällen von Covid-19 die Selbstisolierung eingeführt hat und Angela Merkel ihre Landsleute in der ihr eigenen ruhigen Art adressiert hat. Die Medien folgten mit der Headline: „Es ist ernst, nehmen Sie es auch ernst“.

    Aufrüstung und Vorbereitung sind alles

    Während die Vereinigten Staaten auf Billionen für neue Waffen setzen, kann es sich die amerikanische Bevölkerung nicht einmal leisten, zum Arzt zu gehen. Und jegliche Schutzkleidung ist Mangelware. Im reichsten Land der Welt? Wie konnte es so weit kommen? In Europa wurde auch die eine oder andere Schwachstelle in der Selbstversorgungsfähigkeit entdeckt, doch die vergleichsweise hohen Investitionen und Rücklagen versetzen die Gesundheitssysteme Deutschlands, Dänemarks und Norwegens in eine starke Position.

    Die ist so stark, dass diese Länder sogar während der Krise Patienten aus Italien, Spanien und Frankreich aufnehmen. „Ist das deutsche Gesundheitssystem ein Modell für die USA?“, titelt sogar der US-Sender NBC News und stellt anerkennend fest: „Deutschland hat das älteste Gesundheitssystem der Welt. Und es funktioniert.“

    Sanna Marin, Ministerpräsidentin Finnlands, greift in der Krise auf versteckte Notversorgungslager und Bunker aus Kriegszeiten zurück, die kaum jemand kennt. „Aufgrund der Nähe zu Russland und seiner geostrategischen Position ‚dazwischen‘ hat sich Finnland immer vorbereiten müssen“, so die Politikerin. Zwar waren die Masken nicht mehr „State of the Art“ und wurden nicht unter der Führung der jungen Finnin angeschafft, doch auch im Land der tausend Seen und Saunen glänzt Female Leadership, wenn es um klare Handlungskompetenzen geht.

    Dank der Vorwarnungen durch Pandemien und Krisen der vergangenen Jahrzehnte konnten die ostasiatischen Länder ohnehin schnell auf die Krise reagieren, doch auch hier zeigen sich die Female Leader als „Gewinner“. Mit Außenministerin Kang Kyung Wha aus Südkorea und der Präsidentin von Taiwan, Tsai Ing-wen, deren Krisenmanagement die Medien als „Weltklasse“ bezeichnen. Taiwan meldet sechs Tote bei knapp 24 Millionen Einwohnern, eine außergewöhnliche Zahl auch für eine Insel, die gute Möglichkeiten zur Abschirmung hat. Das Land konnte sogar früh schon Millionen von Masken in den Westen exportieren und seinen Beitrag zur globalen Hilfe leisten.

    Wirtschaft, Wohlstand und Weiblichkeit

    In vier der fünf nordischen Länder sind Frauen an der Spitze, und nur Schweden hat einen eigenen Weg gewählt und setzte auf Herdenimmunität nach dem Prinzip „Wir haben keinen Reichtum durch Öl, es muss weitergehen, wir müssen es schnell hinter uns bringen“.

    Auch wenn wir womöglich vor der Mutter aller Rezessionen stehen, das Ende der Dekadenzgesellschaft gekommen ist und definitiv andere Zeiten vor uns liegen, ist es wichtig zu verstehen, dass wir eine Weltgesellschaft haben. Auf Dauer zeigt sich, dass Wirtschaft, Wohlstand und Frauen in der Führung sich nicht ausschließen, obwohl immer noch einige Männer dies glauben. Die genannten Länder haben starke Positionen in Technologie, Medizin und Gesundheit sowie erfolgreiche wirtschaftliche Jahre hinter sich.

    Kriege der Zukunft können und dürfen nicht zwischen Ländern geführt werden, sondern gegen externe Kräfte wie eine Pandemie und den Öko-Kollaps oder gegen uns selbst. Die Krisenmanagerin aus Südkorea beispielsweise setzt auf Kooperation mit umliegenden Ländern wie Japan und China als Erfolgsrezept, strebt globale Ziele an und stärkt die Kommunikation mit Amtskollegen auf der ganzen Welt. Mit dem zukünftigen erforderlichen Einsatz von Technologien und globaler Überwachung kann es nur mit gegenseitigem Vertrauen gelingen, die Menschheit besser zu schützen.

    Vergleichen wir die Reaktionen der weiblichen Leader mit den Reaktionen von Trump, Orbán, Putin, Netanjahu, Bolsonaro und vielen anderen Männern, wird eines klar: Die Zeit der selbst ernannten Weisen und weisen alten Herren ist vorbei.

    Sie müssen Platz machen für eine neue Generation. Opas wie sie gehören zur Risikogruppe und sollten ihre letzten Tage nicht mit egozentrischen Spielchen auf der Weltbühne vergeuden, sondern lieber mit ihren Enkeln spielen und ihre Zeit in Ländern verbringen, in denen man es sich leisten kann, sich um alle Menschen ausreichend zu kümmern.

    Es wird Zeit, den Platz frei zu machen! Wir stehen vor extrem herausfordernden Zeiten, die viele noch unterschätzen. Jetzt brauchen wir Leadership. Liebe Frauen, zeigt uns bitte, wie das geht!

    Mehr: Beginn einer Technokratie – Das Leben nach Covid-19.

    Anders Indset, von Medien als „Digitaler Jesus“ oder „Rock’n’Roll Plato bezeichnet, zählt zu den führenden Wirtschaftsphilosophen und gilt als vertrauter Sparrings-Partner für internationale CEOs und führende Politiker.

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