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Anders Indset

Expertenrat – Anders Indset Nach Joe Kaesers Klima-K.o.: Wie Leader 2020 zu besseren Menschen werden

Erste Lehre 2020: Führungskräfte müssen sich wandeln. Neun Thesen, die zugleich Wunschzettel für Davos und Spickzettel für Kaeser und Neubauer sind.
16.01.2020 - 07:46 Uhr Kommentieren
Der Siemens-Chef braucht Lektionen in Leadership – Aktivistin Neubauer aber auch. Quelle: dpa
Joe Kaeser

Der Siemens-Chef braucht Lektionen in Leadership – Aktivistin Neubauer aber auch.

(Foto: dpa)

Wenn die Klima-Emotionen von „Fridays for Future“ auf knallharte Wirtschaftsinteressen treffen, sieht sogar ein angesehener CEO wie Siemens-Chef Joe Kaeser ziemlich alt aus. Während ich mir noch die letzten Schneeflocken der Feiertage in meiner norwegischen Heimat von den Schultern klopfte und darüber nachdachte, ob der ökologische Kollaps auch in Røros von Jahr zu Jahr deutlicher spürbar wird, lieferte das neue Jahr den ersten „Battle“ von „Öko-Hysterie“-Luisa gegen die Wirtschaftselite.

Was mit dem Angebot eines Postens im Aufsichtsrat zunächst nach einem Versöhnungsangebot von Kaeser aussah, endete für ihn mit einem Klima-K.o., der deutlich machte: Junge Euphorie oder gar Hysterie zähmt man nicht durch vermeintlich strategische Schachzüge aus Zeiten der „Old Economy“.

Wie man die Synthese zwischen Ökonomie und Ökologie findet und richtig mit den „Gretas“ und „Luisas“ dieser Welt umgeht, wird die zentrale Frage der „Q-Economy“ der 20er-Jahre sein. Doch wie werden Führungskräfte zu echten Leadern, die das Miteinander beherrschen?

Auf mehr als 100 Veranstaltungen in 32 Ländern habe ich im vergangenen Jahr Tausende von Menschen mit unterschiedlicher Vergangenheit, Kultur, Religion und Dogmen getroffen. Ich habe gelernt: Jeder hat seine eigene Geschichte.

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    Meine Erkenntnis aus all diesen Begegnungen: Wenn wir heute eines benötigen, sei es in der Politik oder in der Wirtschaft, dann sind es echte Leader und Gestalter des Wandels. Führungskräfte, die sich permanent verbessern und die ihre Selbsteinschätzung im Umgang mit anderen Menschen ständig auf den Prüfstand stellen.

    Zum Jahresanfang einige Gedanken, was Führungskräfte in 2020 besser machen müssen, und einfache „Guiding Principles“ für ein humanitäres Miteinander. Für mich ein Wunschzettel für das 50. Weltwirtschaftsforum in Davos und ein Spickzettel für Joe Kaeser und Luisa Neubauer gleichermaßen:

    1. Respektiere Menschen mit weniger Autorität als du sie hast

    Ich bin in 2019 vielen begegnet, die viel zu viel verdienen im Verhältnis zu dem, was sie geleistet haben - und die sich selbst zu wichtig nehmen. Das Traurige daran ist häufig: Sie benehmen sich auch entsprechend.

    Wie gehst Du mit der Bedienung im Restaurant um oder der jungen Kollegin am Check-In-Schalter im Hotel, wenn irgendetwas nicht passt? Wenn du in der „Priority Lane“ am Flughafen stehst, musst du dich nicht wie ein Arschloch benehmen, wenn du nicht direkt durchkommst, aber aus Versehen jemand aus der „Economy“ vor dir.

    Diese Charakterzüge spiegeln sich bei Führungskräften häufig im Umgang mit Mitarbeitern in ihren Firmen. Mein Grundtenor ist klar: Ich interessiere mich nicht für Doktor- und Professoren-Titel, dein Jahreseinkommen oder Ego. Ich werde dich danach beurteilen, wie dein Umgang mit Menschen mit der geringsten Autorität ist. Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der „nett sein“ ein Zeichen für Schwäche ist, und genau darum sollte es auch bei guter Führung und Leadership gehen.

    2. Definiere deinen Stil und dich selbst für was du stehst und was du liebst

    Im Jahr 2019 hatten definitiv zu viele Menschen das Wort, die gegen etwas sind und die permanent etwas kritisieren. Wenn sich die Volksparteien in internen Machtkämpfen weiterhin darüber streiten, was alles falsch ist, wird die Mitte den Kampf gegen Rechtsaußen verlieren. Wir sollten Ex-Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen nicht auf den Leim gehen, der sagt, wer etwas erreichen möchte, müsse zwingend provozieren. Es geht auch anders.

    Häufig werde ich gefragt, welche die größten Herausforderungen sind. Ich mag diese Frage nicht. Ich suche nicht nach den Hürden, sondern nach den Möglichkeiten. Statt den Fokus auf das Trennende zu legen, sollte der Fokus auf dem Verbindenden liegen. Wir sollten das Mögliche in den Blick nehmen. Definiere deinen Stil. Stehe für etwas ein, etwas wofür Du brennst und liebst. Trage diese Vision zu den Menschen mit deiner vollen Kraft und Leidenschaft. Wir brauchen Menschen mit leidenschaftlichen, ehrlichen und positiven Visionen. In solchen Fällen verzeihen Mitarbeiter und Bürger gerne auch Fehler, wenn mal etwas daneben geht.

    3. Sei selbstkritisch und nicht nur kritisch mit anderen

    Wir sind alle geprägt von unserer Umgebung, Herkunft und Vergangenheit. Nichts ist wichtiger als immer wieder unsere Standpunkte und Meinungen selbstkritisch zu hinterfragen und zu validieren.

    Warum sehe ich das so? Alle haben wir Biases. Finde diese, nehme eine andere Perspektive und Sichtweise auf die Dinge ein und finde heraus, warum du einen Standpunkt vertrittst. Suche Menschen mit gegenseitigen Meinungen und versuche deren Standpunkt zu verstehen. Befreie dich so von Dogmen und eigenen Biases.

    4. Sei ein Lehrer - teile dein Wissen

    Lebenslanges Lernen und Neugierde sind der Schlüssel zum Erfolg. Sei ein Lehrer und teile dein Wissen mit anderen. So vermehrt sich nicht nur das Wissen im Unternehmen, sondern so lernst du auch während du lehrst. Erfahrungsbasiertes Lernen ist die Grundlage für dauerhafte Weiterentwicklung und Wandel.

    5. Tiefe Kniebeugen für die Rübe und Gipfelwanderungen

    Bleibe fit, sowohl was die Ernährung angeht, aber vor allem durch Sport. Körperliche Gesundheit ist essentiell für die Belastung und sollte im Fokus von Führungskräften im 21. Jahrhundert stehen. Vergiss nicht die tiefen Kniebeugen für die Rübe.

    Mindestens eine Denkstunde pro Woche (oder am Tag) sollte in deinem Kalender stehen. Als fester Termin wie dein Besuch in der Muckibude. Durch die rasante Entwicklung der Technologie werden wir mehr und mehr zu Reaktionswesen.

    Um die anstehenden Herausforderungen zu meistern brauchen wir nicht nur perfektes Wissen, sondern auch Verstand. Bleibe gesund für die 100-jährige Reise - deine Hardware muss funktionieren - aber entdecke auch wieder die Kunst des Denkens. Die Symbiose muss passen.

    6. Sei demütig (zu dem was du besitzt und erreicht hast)

    Denn es ist alles Glück. Ja, darin steckt sicherlich viel Arbeit, doch am Ende des Tages ist dein Leben eine kosmische Lotterie an Zufällen, dass du (überhaupt) geboren bist, was du erlebt hast, wie dein Körper zusammengesetzt ist und so weiter. Eine Reihe unglaublicher Zufälle im ganz Kleinen wie im ganz Großen.

    Vergiss das nicht, wenn das Subjekt und Ego überhandnimmt und wenn du glaubst, das schöpferische Genie zu sein und das Masterpiece des freien Willens. Es ist nicht so, denn das Leben ist Zufall und Glück. Schätze das und teile dieses Glück mit den Menschen um dich herum. Eine erfolgreiche Führungskraft kann sich nie unwichtig genug nehmen.

    7. Fokussiere dich nicht auf Glückseligkeit

    Es geht nicht um das Streben nach Glück. Es geht darum, weniger unglücklich zu sein. Glückseligkeit ist ein Nebenprodukt. Beschäftige dich und ziele darauf, andere Menschen glücklich zu machen und lass zu, dass dich dein Glück findet.

    Der Dalai Lama sagte einmal sehr treffend: „Wenn es möglich wäre, durch risikoloses Einsetzen einer Elektrode frei von negativen Emotionen zu werden, wäre ich - ohne die Intelligenz und den kritischen Verstand zu beeinträchtigen - der erste Patient.“ Die Technologie wird vieles ermöglichen, doch wir sollten vorsichtig mit ihr umgehen und uns die Frage stellen, was wir wirklich haben wollen.

    8. Es muss nicht für alle der große „Amerikanische Traum“ sein.

    Der kartesische Individualismus aus den USA sollte nie zum Vorbild für uns Europäer werden. Wir sind bereits viel weiter. Es geht um das Kollektive und Gemeinsame. Viele Analogien wie „Eine Mannschaft ist nur so stark wie das schwächste Glied“ lernt und hört man von den Experten.

    Noch wichtiger ist jedoch die Wertschätzung der Normalität. Partizipierende Kulturen schaffen, das Miteinander fördern und den Fokus auf Input legen: Wer das befolgt, wird auch einen guten Output bekommen. Ein außergewöhnliches Jahr oder ein außergewöhnliches Leben wird sich von selbst einstellen, wenn wir lernen, die Wunder des Gewöhnlichen (der Normalität) zu schätzen.

    9. Das Projekt ist der Chef

    Und zum guten Schluss: „Der Chef“ hat ausgedient. Management wird heute in Algorithmen, Technologie und smarte Tools verlagert. Das Projekt ist der neue Chef. Wir sind nur so erfolgreich wie das Projekt läuft. Leadership ist nicht „oben“, sondern befindet sich heute überall in Teams und Unternehmen, wir müssen diese Führungskraft nur befreien.

    • In 2020 sollte es um die Tränen in den Momenten der Trauer, das Lächeln und die Freude des Erwerbs neuer Kenntnisse oder Fähigkeiten gehen - und um die kleinen und gewöhnlichen Dinge, die uns zum Leben erwecken.
    • In 2020 sollte es um die Freude gehen, den Neuschnee zu kosten, die Wunder der polaren Stratosphärenwolken und die Lichter in den alten Holzhäusern, in denen Familien zusammen ein Brettspiel spielen.
    • In 2020 sollte es darum gehen, sich daran zu erinnern, dass die kleinen Dinge die eigentlich großen Dinge sind und den großen Unterschied machen.
    • In 2020 sollte es darum gehen, das Gewöhnliche zu schätzen und den Umgang mit den Menschen um dich herum. In einer Welt ohne definierte Agenda und übergeordneten Sinn kann man sich selbst nie unwichtig genug nehmen.

    Auf ein Jahr der Entwicklung echter Leader. Und auf ein Miteinander von CEOs und Klimaschützern.

    #Leadership2020

    Anders

    Mehr: Die Digitalisierung krempelt die Arbeitswelt um – mehrere Bücher ergründen, was das für die Menschen heißt und welche Jobs eine Zukunft haben. Vier Lesetipps.

    Anders Indset, von Medien als „Digitaler Jesus“ oder „Rock’n’Roll Plato bezeichnet, zählt zu den führenden Wirtschaftsphilosophen und gilt als vertrauter Sparrings-Partner für internationale CEOs und führende Politiker.

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