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Klaus Hansen

Expertenrat – Klaus Hansen Der große Run auf die Büroplätze bleibt aus – Gut so!

Der Lockdown ist vorbei, doch Homeoffice ist weiterhin stark gefragt. Ein Plädoyer für mehr Flexibilität – und einen neuen Stellenwert des Büros.
18.09.2020 - 09:58 Uhr Kommentieren
Klaus Hansen

Homeoffice: Ja oder nein, und wenn ja, wie viel? Wohl kein anderes Thema der Arbeitswelt wird seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie dermaßen kontrovers diskutiert. Tatsache ist: Heute – der Lockdown in Deutschland ist schon Monate her – sind die meisten Büros der Unternehmen in Deutschland nur spärlich besetzt. Und manche Firmen überlassen es vollständig ihren Mitarbeitern zu entscheiden, wann sie den Schreibtisch zu Hause mit dem im Büro tauschen.

Dennoch, das erfahre ich aus vielen Gesprächen, geben die Arbeitgeber immer noch die Devise aus, dass die massive Nutzung der Fernarbeit nur ein außerplanmäßiges Intermezzo ist, welches mit dem Ende der Coronakrise schnell wieder einkassiert wird, egal, in welchem Umfang von zu Hause gearbeitet wurde.

Das Ansinnen manches Arbeitgebers steht dabei in krassem Widerspruch zu dem Wunsch vieler Mitarbeiter. Denn die wollen gar nicht mehr regelmäßig an ihren eigentlichen Arbeitsplatz zurückkehren, weil sie sich im Homeoffice gut eingerichtet haben – das belegen viele Umfragen.

Die Chefs, vor allem die, die ernsthaft um eine gute Arbeitsatmosphäre bemüht sind, zeigen sich irritiert, ja sind teilweise konsterniert. Wiewohl das kaum jemand direkt aussprechen mag, sondern nur hinter vorgehaltener Hand ausdrückt.

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    Dabei müssen sich selbst eingefleischte Homeoffice-Gegner eingestehen: Die Abwesenheit vom firmeneigenen Arbeitsplatz ist nicht gleichbedeutend mit schwächerer Leistung oder schlechteren Ergebnissen. Ganz im Gegenteil, erst jüngst hat die US-Eliteuniversität Stanford in einer Studie herausgefunden, dass Angestellte im Homeoffice im Schnitt 13,5 Prozent produktiver waren als Mitarbeiter im eigentlichen Büro. Den Autoren zufolge arbeiteten die Homeoffice-Fans länger und fokussierter, legten seltener Pausen ein, waren seltener krank.

    Auch in unserer Corona-Befragung zum Manager-Barometer, die wir im Mai dieses Jahres durchgeführt haben, schätzten sich 50 Prozent der Teilnehmer effizienter im Homeoffice ein als im Büro.

    Homeoffice funktioniert

    Die weiteren Vorteile der Homeoffice-Arbeit sind überzeugend: Wer diese Option regelmäßig nutzt, muss nicht in der Nähe des Unternehmenssitzes wohnen. Wenn die Pendelzeiten wegfallen, kann die Zeit ebenfalls für die Arbeit genutzt werden. Und Eltern können die gewonnenen Stunden für die Betreuung ihrer Kinder aufwenden.

    Es profitieren also Menschen in allen Lebenslagen, vor allem aber die, die eine gewisse Zeit zu Hause präsenter sein müssen. Auch wenn es nicht alle Arbeitgeber hören mögen: Es gibt keinen inhaltlichen Grund, ein bestimmtes Maß an Homeoffice-Arbeit festlegen zu wollen. Das Prinzip der Telearbeit funktioniert bestens. Punkt.

    Aus Sicht der Führungskräfte ist allerdings zu beachten, dass die Abwesenheit von persönlichen Begegnungen mittelfristig zu einem Verlust an notwendiger Führungsnähe und auch Fürsorge führen wird. Denn wer sich nur noch über Videokonferenzsysteme wie Zoom begegnet, bekommt wichtige „Schwingungen“ nicht mit und merkt nicht, wie es einem Mitarbeiter wirklich geht.

    Ist der Kollege in einer Familie sozial gut eingebunden, oder sitzt er einsam und allein in seiner Wohnung herum? Ist er glücklich, oder bedrückt ihn etwas? Was man beim ersten Blick in die Augen eines Mitarbeiters als gute Führungskraft erkennen sollte, verbirgt sich vor dem Bildschirm.

    Besonders umlernen müssen Manager, die bislang auf Kontrolle und körperliche Anwesenheit gesetzt haben. Klare Kommunikation, Transparenz und Teilhabe der Beschäftigten an Entscheidungen rücken in diesen Zeiten klar in den Vordergrund – und sind auch in der Zukunft nicht mehr wegzudenken.

    Große Herausforderung für neue Mitarbeiter

    Noch größer wird die Herausforderung, wenn neue Mitarbeiter ins Unternehmen kommen und eingearbeitet werden müssen. Der neu Eingestellte scheitert in der Probezeit selten an fachlicher Expertise. Dagegen sind es vielmehr Persönlichkeitsmerkmale, die nicht in die Unternehmenskultur passen und nicht im Vorstellungsgespräch erkannt wurden.

    Wie soll man die Person nun aber im Ganzen kennen lernen, wenn diese das Team nur über den Bildschirm kennen lernt oder nur zufällig auf einsamen Bürofluren trifft?

    Hier müssen Unternehmen Homeoffice-Zeiten flexibel an die Bedingungen anpassen, vor allem auf Abteilungs- und Teamebene. Feste Präsenzzeiten für Teams, insbesondere wenn neue Mitarbeiter eingearbeitet werden, sind zwingend erforderlich. Nur durch Gruppenpräsenz entsteht Gruppendynamik, die nicht zuletzt auch benötigt wird, um Kreativität durch Diskurs und Inspiration am Flipchart entstehen zu lassen.

    Eine gute Unternehmensleitung zeichnet sich hierbei dadurch aus, dass sie mit viel Fingerspitzengefühl die unterschiedlichen Bedürfnisse einzelner Unternehmenseinheiten ebenso berücksichtigt wie die Interessen und Neigungen der Betroffenen – und daraus praktikable Lösungen ableitet.

    Dieses Management funktioniert, ist aber das „hohe C“ der Führung und bedarf einer hohen Empathie, Fürsorge und Flexibilität im eigenen Handeln. Diese Führung kann niemals Selbstzweck sein, weil der Chef selbst feststellt, dass es sich auch aus dem Gartenstuhl heraus gut „managen“ lässt.

    Mehr: In der Coronakrise brauchen Unternehmen eine straffe Führung, meint Klaus Hansen.

    Klaus Hansen ist Partner der Personalberatung Odgers Berndtson und leitet die Practices „Board & Chair“ sowie „CEO“ in Deutschland. Für das Handelsblatt schreibt er über aktuelle Themen rund um Topmanager, Führung und Karriere.

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