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Klaus Hansen

Expertenrat – Klaus Hansen Die Frauenquote kommt – schade!

Die deutsche Wirtschaft hat ihre Chance vertan, freiwillig für mehr Frauen in Führungspositionen zu sorgen. Das wird den karrierewilligen und vorstandsfähigen Managerinnen schaden.
26.11.2020 - 10:59 Uhr Kommentieren
Durch die Frauenquote soll es künftig mehr weibliche Vorstände in deutschen Unternehmen geben. Quelle: dpa
Eine Frau arbeitet in einem Büro

Durch die Frauenquote soll es künftig mehr weibliche Vorstände in deutschen Unternehmen geben.

(Foto: dpa)

Nun kommt sie also doch, die Frauenquote für die Flaggschiffe der deutschen Wirtschaft. Schade, schade – nicht deshalb, weil eine Erhöhung des Anteils an Frauen in Vorständen unnötig oder verkehrt wäre. Im Gegenteil: Angesichts des demografisch bedingten Fach- und Führungskräftemangels in Deutschland ist die Erhöhung des Frauenanteils wichtiger denn je.

Nein, schade vor allem deshalb, weil es die deutsche Wirtschaft in den vergangenen zehn Jahren nicht flächendeckend geschafft hat, über ein paar „Alibi-Frauen“ in Vorstandsämtern hinauszukommen und uns die Quotierung zu ersparen.

Tatsächlich dümpelt der Anteil von Frauen in den Vorstandsgremien der 30 Dax-Unternehmen seit Jahren bei etwa 14 Prozent vor sich hin, zuletzt ist er sogar unter diese Marke gefallen. Auch wenn viele Vorstandsfrauen inzwischen für operative Bereiche, Finanzen oder Regionen verantwortlich sind, und nicht mehr nur für Stabsbereiche wie HR oder Compliance, gibt es aktuell elf (!) Vorstandsgremien im Dax ohne Frauen.

Da ist es nicht verwunderlich, dass die Quote kommt. Die Unternehmen sind selbst schuld, es gab in den vergangenen Jahren genug Warnungen, dass das Thema keinen Aufschub mehr duldet.

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    Natürlich war es nicht möglich, die benötigten Spitzenmanagerinnen in ausreichender Anzahl quasi „über Nacht“ zu entwickeln. Aber sind zehn Jahre, in denen die Quote für Vorstände diskutiert und bisher erfolgreich abgeschmettert wurde, wirklich zu kurz gewesen?

    Besetzungsdruck wird zunehmen

    Es drängt sich der Verdacht auf, dass es immer noch an der mangelnden Einsicht vieler Entscheidungsträger liegt, dass wir auf das Potenzial an talentierten, qualifizierten und leistungsbereiten Frauen einfach nicht verzichten können, wenn wir zukünftig wettbewerbsfähig sein wollen. Nur so ist es zu erklären, dass über all die Jahre immer noch nicht zur Normalität geworden ist, was eigentlich normal sein sollte: eine Frau im Vorstand.

    Jedes Mal, wenn eine Top-Führungsposition mit einer Frau besetzt wird, erhält dies auch noch im Jahr 2020 eine enorme Aufmerksamkeit, als ob es sich um etwas Revolutionäres handelt oder einen „genialen unternehmerischen Schachzug“. Tut es aber nicht. Hinter der Entscheidung stand hoffentlich schlichtweg eine Bestenauslese – nicht mehr und nicht weniger.

    Klaus Hansen

    Was ändert sich aber nun mit der Quote? Der Besetzungsdruck in den Unternehmen wird deutlich zunehmen, allerdings ohne dass der Pool an verfügbaren weiblichen Spitzenkräften deshalb kurzfristig automatisch wächst. Das wäre ja auch merkwürdig, denn das hieße, dass doch eine Reihe von potenziell geeigneten Kandidatinnen in den Unternehmen vorhanden ist, nur bisher nicht berücksichtigt wurde.

    Vielmehr muss man nun die Frage stellen: Wenn „Frau“ bisher aus Sicht des Aufsichtsrats nicht oder noch nicht für den Vorstand geeignet war, was qualifiziert sie dann jetzt dafür – außer der Quote? Und da es ja bei der Quote konkret um eine Gleichstellungsfrage geht und nicht um Diversität im Allgemeinen, hilft auch die Suche nach einem „Ausländer“ nicht weiter. Es gibt also wenig Alternativen.

    Beispiellose Jagd denkbar

    Wenn eine „Ressource“ knapp ist, so lehrt die Volkswirtschaftslehre, steigt der Preis. Eine Preiserhöhung – wie aktuell mit höheren Durchschnittsgehältern für Frauen in Dax-Vorständen zu beobachten ist – hilft in diesem Falle wenig, denn sie kann die systemimmanenten Barrieren für eine erfolgreiche Besetzung mit einer Frau langfristig nicht beiseiteschaffen.

    Im Gegenteil: Wer plötzlich mehr verdient, an den werden natürlich noch einmal deutlich höhere Erwartungen gestellt, und der Faktor Neid im Vorstandsgremium fördert in der Regel nicht den Teamgeist.

    So werden wir in den kommenden Jahren eine beispiellose Jagd nach den zu wenigen Kandidatinnen erleben, was im Zweifelsfalle zu Kompromissen bei der Qualität führen wird, womit sich erneut die Fehlbesetzungen ergeben werden, die schon in den vergangenen Jahren bei Abgängen von Vorstandsfrauen reflexartig vermutet und hinter vorgehaltener Hand als Beweis dafür geäußert wurden, dass „Frauen es eben nicht können“. Ein Teufelskreis, für den die karrierewilligen, vorstandsfähigen Frauen am allerwenigsten können. Mehr als schade.

    Es ist wirklich höchste Zeit, dass die Unternehmen in Deutschland endlich ihre Hausaufgaben machen und noch viel konsequenter als bisher talentierte Frauen fördern und entwickeln, die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen und so bestmöglich auf eine Vorstandsposition vorbereiten. Und das nicht, um eine Quote zu erfüllen, sondern um die Zukunft des Unternehmens zu sichern.

    Mehr: Manager stellen immer öfter die Sinnfrage, beobachtet Klaus Hansen.

    Klaus Hansen ist Partner der Personalberatung Odgers Berndtson und leitet die Practices „Board & Chair“ sowie „CEO“ in Deutschland. Für das Handelsblatt schreibt er über aktuelle Themen rund um Topmanager, Führung und Karriere.

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