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Klaus Hansen

Expertenrat – Klaus Hansen Nur wenige Chefs sehen ihren Job durch KI gefährdet – das könnte sich rächen

Nur ein geringer Anteil der Manager hat laut einer Studie wegen Künstlicher Intelligenz Angst um seinen Job. Sind Führungskräfte zu gelassen?
15.01.2020 - 12:15 Uhr Kommentieren
70 Prozent der befragten Manager sehen großen oder sogar erheblichen Nachholbedarf in ihrem eigenen Unternehmen, wenn es um die Auseinandersetzung mit KI geht. Quelle: Imago
Manager mit Tablet

70 Prozent der befragten Manager sehen großen oder sogar erheblichen Nachholbedarf in ihrem eigenen Unternehmen, wenn es um die Auseinandersetzung mit KI geht.

(Foto: Imago)

Deutschland ist nur knapp an einer Rezession vorbeigeschrammt. Die hiesige Wirtschaft legte vergangenes Jahr nur um 0,6 Prozent zu. Ein geringeres Wachstum gab es zuletzt 2013.

Eine ungewohnte Situation nach einem rund zehn Jahre anhaltenden Konjunkturaufschwung in Deutschland. Schon macht sich mancher Manager angesichts der weltweiten Turbulenzen Sorgen um seinen Arbeitsplatz. Jede erfahrene Führungskraft weiß aber auch: Nach jedem Abschwung kommt wieder ein Aufschwung.

Im Unterschied zu früheren Jahrzehnten kommt heute allerdings die rasant zunehmende Digitalisierung und in deren Schlepptau der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) erschwerend hinzu. Die Automatisierung intelligenten Verhaltens betrifft längst nicht nur den Niedriglohnsektor, sie dürfte Arbeitsplätze perspektivisch auch in höheren Hierarchien überflüssig machen.

Interessanterweise sorgen sich aber nur zehn Prozent der Führungskräfte darum, dass Künstliche Intelligenz ihren Arbeitsplatz bedrohen könnte. Die übrigen 90 Prozent teilen diese Befürchtung nicht, wie das Manager-Barometer von Odgers und Berndtson zeigt.

Odgers Berndtson befragt jährlich sein Executive Panel, das Führungskräfte von Unternehmen aller Branchen und Größenklassen in Deutschland, Österreich und der Schweiz beinhaltet. Ziel der jährlichen Befragung, die Odgers Berndtson bereits zum neunten Mal online und anonym durchgeführt hat, ist es, zu ermitteln, was Führungskräfte bewegt, was sie für ihren weiteren Berufsweg motiviert, wozu sie bereit sind und wozu nicht. Am aktuellen Manager-Barometer haben 2344 Manager teilgenommen

Verschließen viele Manager ihre Augen vor den gravierenden Veränderungen? Oder sind Ruhe und Gelassenheit hier genau die richtigen Herangehensweisen? Die Wahrheit liegt, wie so oft, wohl in der Mitte.

Sicher, jede technologische Revolution hat in der Vergangenheit das Arbeitsleben umgekrempelt, in der Mehrheit mit positiven Folgen. Zu den Verlierern zählten nur einige Arbeitskräfte. Beispiel: die Dampfmaschine. Vor der flächendeckenden Einführung der Neuerung wurden rund 50 Berufe gezählt, 30 Jahre später waren es rund 500.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine kanadische Studie, die im Jahr 2014 vorausgesagt hat, dass 60 Prozent der Kinder, die in diesem Jahr in Kanada eingeschult wurden, später einen Job haben werden, den es bei ihrer Einschulung noch gar nicht gab.

Wer sich ein bisschen in das Thema KI eingelesen hat, der weiß: KI wird weitaus größere Folgen haben als die Einführung der Dampfmaschine. Im Gegensatz zur Dampfmaschine wird mit KI dem Menschen die Arbeit nicht erleichtert, sondern der Mensch wird flächendeckend überflüssig werden.

Auch die Entscheider-Ebene wird austauschbar

Der Substitution der physischen Arbeit durch Maschinen folgt nunmehr die Substitution der Kernkompetenz des Menschen: des Denkens und Entscheidens. Nur folgerichtig wird durch diese Entwicklung auch zunehmend die Entscheider-Ebene betreffen.

Ignoranz oder hektische, gar panische Betriebsamkeit sind aber angesichts der Prognosen schlechte Ratgeber. Man möge nur in die Geschichtsbücher schauen: Brachiale Entwicklungen sind nicht aufzuhalten, von niemandem. Das gilt für die Weberaufstände vor über 150 Jahren genauso wie für das Entstehen der Computerisierung und Automatisierung im vergangenen Jahrhundert.

Erfreulicherweise wird die Einführung von KI aber ein längerfristiger Prozess sein. Es ist also nach wie vor möglich, sich auf die Entwicklung einzustellen. Zwingende Voraussetzung für jede Führungskraft ist dabei jedoch, dass sie dem Thema gegenüber aufgeschlossen ist und nicht behauptet, davon nicht betroffen zu sein.

Ältere Manager haben bei der Einführung von KI sogar eine besondere Verantwortung – nämlich gegenüber den jüngeren Führungskräften. Neben einer von Pessimismus geprägten Einstellung schreckt auch eine Blockadehaltung jüngere Generationen ab, insbesondere die Generation Z, also jene Menschen, die zwischen 1997 und 2012 geboren wurden. Schließlich müssen sich diese Führungskräfte ein Leben lang mit den Ausformungen der KI beschäftigten.

Dass hierbei noch Verbesserungsbedarf besteht, zeigt ein weiteres Ergebnis unseres Manager-Barometers. Demnach sehen rund 70 Prozent der befragten Manager großen oder sogar erheblichen Nachholbedarf in ihrem eigenen Unternehmen, wenn es um die Auseinandersetzung mit KI geht. Wie bei vielen unternehmensrelevanten Herausforderungen muss auch bei der KI die Führung der Organisation die Richtung vorgeben und oberster Ansprechpartner sein.

Gelobt seien deshalb jene Unternehmensführer, die sich ihrer Verantwortung für den Betrieb und ihre Mitarbeiter stellen und sich intensiv mit dem Thema KI auseinandersetzen – selbst wenn das rettende Ufer des eigenen Ruhestands in greifbarer Nähe scheint.

Mehr: Die Freude am Chefsein ist hierzulande gestiegen. Das ist eine gute Nachricht in diesen disruptiven Zeiten, meint Klaus Hansen.

Klaus Hansen ist Partner der Personalberatung Odgers Berndtson und leitet die Practices „Board & Chair“ sowie „CEO“ in Deutschland. Für das Handelsblatt schreibt er über aktuelle Themen rund um Topmanager, Führung und Karriere.

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