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Klaus Hansen

Gastkommentar – Expertenrat Aktionärsvertretungen in Deutschland sind weit von Vielfalt entfernt

Diversität wird öffentlich viel diskutiert, aber in Aufsichtsräten und Vorständen verändert sich wenig. Und die Aussichten auf Besserung sind gering.
26.03.2021 - 10:00 Uhr Kommentieren
Aufsichtsräte und Vorstände in Deutschland sind nach Ansicht von Klaus Hansen noch nicht divers genug. Quelle: mauritius images / Caia Image
Manager und Managerin

Aufsichtsräte und Vorstände in Deutschland sind nach Ansicht von Klaus Hansen noch nicht divers genug.

(Foto: mauritius images / Caia Image)

Wenn die Natur aufblüht, der Frühling ins Haus steht, dann beginnt wie jedes Jahr auch die Hauptversammlungssaison. Bekannterweise treffen die Aktionärsvertreter auf den Aufsichtsrat und den Vorstand des jeweiligen börsennotierten Unternehmens. In Pandemie-Zeiten findet das Stelldichein zumeist virtuell statt. Die Bockwurst, das kulinarische Sinnbild des Aktionärstreffens, muss dann zu Hause konsumiert werden.

Eines aber bleibt gleich in diesen turbulenten und unsichereren Zeiten: Überwiegend treffen auf den Hauptversammlungen männliche weiße Deutsche auf männliche weiße Deutsche. Die Abkürzung aus dem Bereich der Stellenausschreibungen „(m/w/d)“ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung. Und zum Frühlingsanfang passt die Situation auch nicht, es herrscht, wie in den vergangenen Jahrzehnten, eher graue Tristesse.

Ist die vielfach geforderte Diversität für die Kontrollgremien (und Vorstände) noch immer nicht Realität? Nur in Teilen – und das auch nur aufgrund des Gesetzgebers, der 2015 die Quote von 30 Prozent Frauen für Aufsichtsratspositionen festgelegt hat. Die Anzahl der betroffenen Unternehmen ist aber mit rund 100 nicht besonders groß, da die verpflichtende Quote nur für Gesellschaften gilt, die sowohl börsennotiert als auch paritätisch mitbestimmt sind. Zwangsläufig kommen daher nur die Aktiengesellschaft, die Kommanditgesellschaft auf Aktien oder in besonderen Fällen die Societas Europaea (SE) als Adressat in Betracht.

Die avisierten Unternehmen haben zugleich einige Hebel, die Quote ohne große Probleme zu erfüllen: Wenn das Unternehmen im Familienbesitz ist, kann die Dynastie leicht eine oder mehrere Vertreterinnen schicken. Und auch der Pool von Aufsichtsrätinnen wie etwa Simone Menne oder der zweiten Vorsitzenden der IG Metall, Christiane Benner, wächst kontinuierlich. Weibliche Aufsichtsratsmitglieder von dieser Couleur sind die Pflicht, aber nicht die Kür.

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    Diversität betrifft aber nicht nur den Frauenanteil. Auch die Nationalität ist damit gemeint. Auf den ersten Blick wirkt die Zahl von rund 25 Prozent Nichtdeutschen in den Aufsichtsräten der Dax-30-Unternehmen beachtlich. Tatsächlich setzt sich die Zahl vornehmlich aus Österreichern, Schweizern, US-Amerikanern und Franzosen zusammen. Auch das Alter der Aufsichtsratsmitglieder wird unter dem Aspekt Diversität beleuchtet.

    Klaus Hansen

    Derzeit ist der durchschnittliche Aufsichtsrat 59 Jahre alt, für Berufs- und Lebenserfahrung ist also gesorgt. Ausgeschlossen ist damit aber, dass sie „digital natives“ sind, jene Menschen, die die Digitalisierung quasi mit der Muttermilch aufgesogen haben. Diese junge Generation stellt möglicherweise die richtigen Fragen, auf die der seniore Aufsichtsrat nicht kommt – etwa bei Themen wie Industrie 4.0.

    Aufsichtsräte sind das eine, Vorstände das andere. Der Blick in die Reihen des operativen Managements fällt da sogar noch trister aus: Laut einer Studie von EY sind derzeit 11,5 Prozent aller Vorstandsmitglieder der 160 Dax-, MDax- und SDax-Unternehmen weiblich. „Würde der Anteil weiter so wachsen wie bisher, würde es noch 30 Jahre dauern, bis die Hälfte aller Vorstandspositionen mit Frauen besetzt sind“, kritisierte EY-Personalexperte Markus Heinen. Recht hat er.

    Saison 2022 dürfte ähnlich trist werden wie 2021

    Hinzu kommt: Es schält sich im Gegensatz zu vielen anderen Ländern in den Dax-Konzernen keine frauendominierte Führungsposition heraus. Die Rolle mit dem höchsten Frauenanteil, die Personalabteilung, ist sogar nur zu 41 Prozent weiblich und liegt damit fast 20 Prozent unter dem weltweiten Durchschnitt. Die nächste Rolle, die noch am leichtesten divers zu besetzen sein sollte, ist die Rechtsabteilung. Da schaffen es Deutschlands Spitzenunternehmen gerade noch, 33 Prozent weiblich zu besetzen.

    Ein Wert, der allein schon nicht beeindruckt, doch es kommt noch besser: Es ist zu bedenken, dass Funktionen in der Rechtsabteilung nur zwei Prozent aller Positionen im Führungsteam von Dax-Unternehmen ausmachen, ergo für die Ermittlung einer „Quote“ kaum relevant sind.

    Der dritte Bereich, in dem Frauen am häufigsten in obersten Führungspositionen zu finden sind, sind Vertrieb, Marketing und PR mit 27 Prozent. Und dazu muss man in den allermeisten Unternehmen kein Naturwissenschaftler sein.

    Wie werden sich die Werte in den nächsten Jahren verändern? Schwierig vorherzusehen. Erst jüngst gab mit Bayer ein Dax-Konzern bekannt, dass bis 2025 das Geschlechterverhältnis im Durchschnitt aller kombinierten Führungsebenen im Konzern einschließlich des unteren und mittleren Managements 50/50 betragen soll. Ein hehres Ziel. Ob es Nachahmer bald geben wird? Durchaus möglich.

    Mindestens die Hauptversammlungssaison 2022 dürfte daher ein ähnlich graues Bild abgeben wie die diesjährige. Von einer bunten Vielfalt sind die Aktionärsvertretungen weit entfernt, und es ist nicht zu erwarten, dass wir in den kommenden Wochen überraschende Neuentdeckungen in der Botanik der Aufsichtsorgane und Vorstände erleben werden.

    Mehr: Manager stellen immer öfter die Sinnfrage, beobachtet Klaus Hansen.

    Klaus Hansen ist Partner der Personalberatung Odgers Berndtson und leitet die Practices „Board & Chair“ sowie „CEO“ in Deutschland. Für das Handelsblatt schreibt er über aktuelle Themen rund um Topmanager, Führung und Karriere.

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