Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Klaus Hansen

Gastkommentar – Expertenrat Wann ein Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat sinnvoll ist

Wenn ein Vorstandsvorsitzender Chefkontrolleur werden soll, entzündet sich daran oft Kritik. Doch ob der Wechsel klug ist, hängt von der Persönlichkeit ab, meint Klaus Hansen.
23.02.2021 - 12:35 Uhr Kommentieren
Der damalige Daimler-Chef verwarf den Plan, in den Aufsichtsrat des Autobauers zu wechseln. Quelle: dpa
Dieter Zetsche beim Mobile World Congress 2019

Der damalige Daimler-Chef verwarf den Plan, in den Aufsichtsrat des Autobauers zu wechseln.

(Foto: dpa)

Regelmäßig entfacht sich in Deutschland eine Diskussion über den Wechsel von langjährigen Vorstandschefs an die Spitze des Aufsichtsrats, wohlgemerkt desselben Unternehmens. Getriggert wird der zuweilen hitzig geführte öffentliche Schlagabtausch von prominenten Beispielen aus Deutschlands erster Börsenliga.

In jüngster Vergangenheit stand unter anderem Dieter Zetsche im Scheinwerferlicht einer solchen Debatte. Eigentlich war verabredet, dass der Daimler-Vorstandschef den Aufsichtsratsvorsitz des Autokonzerns übernimmt – nach einer „Cooling-off“-Periode von zwei Jahren.

Allerdings rebellierten in der Folge mehr und mehr Aktionäre gegen den Plan. Ihre Kritik: Zetsche habe den Umstieg auf die Elektromobilität verschlafen. Letztendlich entschied sich der Automanager, den Posten nicht anzutreten. Ein Sieg der deutschen Corporate Governance?

Etwas anders gelagert war der Fall des Jürgen Hambrecht. Der langjährige Vorstandschef der BASF wechselte mit einer Karenzfrist von drei Jahren an die Aufsichtsratsspitze des weltgrößten Chemiekonzerns. Speziell die „Cooling-off“-Regel war damals Gegenstand der Diskussion.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Hambrecht argumentierte, dass ein so komplexes Unternehmen wie die BASF nur wertschaffend zu führen sei, wenn man es kennt. Nur Vorstände würden auch die teilweise recht komplexen Machtfelder innerhalb des Unternehmens verstehen.

    Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da: Vor allem Aufsichtsräte großer Dax-Unternehmen verweisen oft und gerne darauf, dass der Verlust an Know-how durch das „Cooling-off“ zu groß sei.

    Klaus Hansen

    Vordergründig erscheint diese Argumentationslinie nachvollziehbar. Wer würde widersprechen wollen, dass insbesondere Großkonzerne an Komplexität kaum zu überbieten sind? Folgt man dieser Logik, muss man allerdings hinterfragen, warum Unternehmen regelmäßig auf Vorstandsebene, und damit dem eigentlichen Machtzentrum jedes Unternehmens, externe Besetzungen vornehmen. Oder war der Wechsel von Kasper Rorsted vom Klebstoff- und Waschmittelproduzenten Henkel zu Adidas, und damit in die Welt der Turnschuhe und schnelldrehenden Lifestyleartikel, programmatischer Wahnsinn?

    Den Befürwortern des firmeninternen Wechsels vom operativen Spitzenposten in die Führung des Aufsichtsrats sei gesagt: Natürlich ist es hilfreich, wenn der Aufsichtsratsvorsitzende die Entwicklung des Unternehmens aus nächster Nähe erlebt hat. Die Untiefen des Geschäftsmodells und die relevanten Machtpunkte sind aber auch durch eine intensive Einstiegsphase schnell erkennbar. Und ein extern rekrutierter Aufsichtsratschef kann dank fehlender Erblast zumeist deutlich objektiver als Sparringspartner des CEO fungieren als ein interner Kandidat.

    Fachkompetenz kommt wohl häufig zu kurz

    Leider werden aber ganz grundsätzlich, ob intern oder extern rekrutiert, Aufsichtsräte immer noch nach den falschen Aspekten ausgesucht. An vorderster Stelle sollte die Fachkompetenz stehen. Aber gerade das Kriterium kommt einer Umfrage der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz nach häufig zu kurz.

    Den Wechsel eines CEO in den Aufsichtsratsvorsitz grundsätzlich zu verdammen wie ihn als alleiniges Heilmittel zu stilisieren – beides ist falsch. Es kommt nämlich am Ende allein darauf an, mit welcher Persönlichkeit der CEO ausgestattet ist.

    Je mehr er als „Herrscher“, „Patriarch“ oder manchmal sogar „Diktator“ geführt hat, je größer die Amplitude der Eitelkeit, desto weniger wird er im Aufsichtsrat dazu geeignet sein, dem Nachfolger Spielraum in der Strategie zu gewähren und eine innere und äußere Distanz zum operativen Geschäft zu wahren. Ihm wird es egal sein, wer „unter ihm“ den Vorstand mimt.

    Wenn der Vorstandsvorsitzende hingegen ein Teamspieler war und bereit war, Fehler einzugestehen und auf andere zu hören, desto größer ist die Chance, dass er als wertvoller Sparringspartner und verantwortungsvoller Aufseher des Nachfolgers einen guten Job macht. Diese Persönlichkeiten brauchen nicht zwei Jahren zu warten, den Vorsitz im Aufsichtsrat zu übernehmen. Diese Regel ist dann sogar kontraproduktiv, weil sie gute Leute verscheucht.

    Dem amtierenden Aufsichtsratschef kommt deshalb eine hochgradig verantwortungsvolle Aufgabe zu. Nur Chefkontrolleure, die den Mut haben, ihren Nachfolger nach diesen Kriterien auszuwählen, sind für den Posten geeignet.

    Wenn der amtierende CEO durch dieses Raster fällt, können enge Freundschaften in die Brüche gehen. Im Sinne einer guten Corporate Governance: gut so! Wenn Aufsichtsratsvorsitzende so gesehen Teil der Lösung sind, dann sind sie das „Cool“ in „Cooling-off“.

    Mehr: Manager stellen immer öfter die Sinnfrage, beobachtet Klaus Hansen.

    Klaus Hansen ist Partner der Personalberatung Odgers Berndtson und leitet die Practices „Board & Chair“ sowie „CEO“ in Deutschland. Für das Handelsblatt schreibt er über aktuelle Themen rund um Topmanager, Führung und Karriere.

    Startseite
    Mehr zu: Gastkommentar – Expertenrat - Wann ein Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat sinnvoll ist
    0 Kommentare zu "Gastkommentar – Expertenrat: Wann ein Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat sinnvoll ist"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%