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Klaus Kaldemorgen

Expertenrat – Klaus Kaldemorgen Aktien werden gegenüber Staatsanleihen in der Coronakrise noch attraktiver

Die Notenbanken finanzieren in der Coronakrise die Rettungsmaßnahmen. In dieser Phase sind Staatsanleihen kein geeignetes Mittel zur Anlage von Vermögen.
06.04.2020 - 22:16 Uhr Kommentieren
Gemessen am MSCI-Welt-Index haben Anleger seit Anfang des Jahres mit Aktien einen Verlust von etwa 20 Prozent erlitten. Quelle: dpa
Passant vor Bildschirm mit Aktienkursen in Tokio

Gemessen am MSCI-Welt-Index haben Anleger seit Anfang des Jahres mit Aktien einen Verlust von etwa 20 Prozent erlitten.

(Foto: dpa)

Zwischen Bangen und Hoffen liegt häufig nur ein schmaler Grat. Die Kursrückgänge zu Beginn des Corona-Ausbruchs in Europa waren historisch betrachtet zwar nicht die stärksten, aber die mit Abstand rasantesten. Innerhalb von acht Börsentagen fiel der Dax um knapp 33 Prozent. Nach einer kurzen Verschnaufpause kletterten die Kurse in nur fünf Handelstagen dann um 23 Prozent. Die Börsen in den USA folgten diesem Muster.

Mit Aktionismus konnte man als Investor in dieser Phase mehr falsch als richtig machen. Gemessen am MSCI-Welt-Index hat man seit Anfang des Jahres mit Aktien einen Verlust von etwa 20 Prozent erlitten. Deutlich weniger als während der Finanzkrise zwischen Juni 2007 und März 2009 sowie während des Platzens der Technologieblase im Zeitraum von Juni 2001 bis Mai 2003. Beide Ereignisse hatten Kursverluste an den Aktienmärkten von rund 50 Prozent zur Folge, gerechnet in Euro unter Berücksichtigung der Dividenden.

Angesichts eines weitgehenden Stillstands der Wirtschaft über ein bis zwei Monate, verbunden mit erheblichen Einkommenseinbußen durch Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit, erscheinen die Kursverluste, die Aktionäre bislang als Tribut an die Coronakrise entrichten mussten, eher gering.

Dies rührt daher, dass viele Staaten mit einem in dieser Größenordnung bisher nicht gekannten Haushaltsdefizit die Kosten und Einkommensverluste auffangen. Das lässt sich auch rechtfertigen, handelt es sich doch dieses Mal nicht um eine selbst verschuldete Krise der Wirtschaft beziehungsweise der Kapitalmärkte, sondern um höhere Gewalt. Folgerichtig springt der Staat durch die Vergemeinschaftung der Schäden in Form von Schulden ein, um die negativen Folgen für den Einzelnen und für die Unternehmen so gering wie möglich zu halten.

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    Finanziert werden die Rettungsmaßnahmen jedoch nicht über den freien Kapitalmarkt, sondern über die großen Notenbanken wie die Federal Reserve, die Europäische Zentralbank oder die Bank of Japan. Diese kaufen die Schulden auf – im Falle der USA sogar unlimitiert – und drucken damit Geld. Damit werden Liquiditätsengpässe ausgeglichen und wird eine explodierende Staatsverschuldung zu sinkenden Zinsen ermöglicht. Es gibt wohl keine Alternative zu diesem Vorgehen der Staaten. Es sollte aber klar sein, dass damit in der Zukunft erhebliche Kosten auf uns zukommen.

    Geld und Staatsschulden sind zwei Seiten derselben Medaille

    So ist folgendes Szenario denkbar: Die Höhe der Staatsverschuldung legt massiv in Relation zum Bruttoinlandsprodukt zu. Ohne eine dauerhafte Unterstützung der Notenbanken stiegen dann die Zinsen in einem Ausmaß, das die Schuldentragfähigkeit der Staaten infrage stellen würde. Um dies zu verhindern, werden die Zinsen von den Notenbanken durch den Ankauf von Staatsanleihen in der Nähe von null gehalten.

    Dies wäre nicht weiter schlimm, verharrte die Teuerung auf dem derzeit niedrigen Niveau. Sollte diese sich jedoch beschleunigen, wären den Notenbanken die Hände gebunden. Denn ein Zinsanstieg würde nicht nur die Wirtschaft in eine schwere Rezession treiben, sondern auch die Schuldentragfähigkeit der Staaten infrage stellen.

    Ein Schuldenschnitt wäre in diesem Szenario eine Gefahr für die Geldwertstabilität, da Geld im Wesentlichen durch die von den Notenbanken angekauften Staatsschulden gedeckt ist. Geld und Staatsschulden sind in diesem Szenario zwei Seiten ein und derselben Medaille. Für Anleger bedeutet dies, dass Staatsanleihen, vor allem jene mit längeren Laufzeiten, kein geeignetes Mittel zur Anlage von Vermögen sind.

    Kürzerlaufenden Staatsanleihen etwa der USA oder Deutschlands sei damit freilich nicht ihre Qualität als Liquiditätsreserve abgesprochen. Die Stabilität des Gelds als Spiegelbild der Staatsschulden sollte in Zukunft von Anlegern vor allem am Gegenwert in Gold gemessen werden, da Gold ein von der Verschuldung unabhängiger und in der verfügbaren Menge weitgehend stabiler Wertgegenstand ist, der zumindest in der Vergangenheit auch von den Notenbanken als wichtiger Teil der Gelddeckung gesehen wurde.

    Alternativer Weg aus Japan und der Schweiz

    Interessant ist im gegenwärtigen Umfeld, dass einige Notenbanken – vor allem die Schweizerische Nationalbank und die Bank of Japan – einen alternativen Weg zur Finanzierung der Staatsschulden gehen, der zumindest die Risiken für die Geldwertstabilität verringert: Sie kaufen neben Anleihen vor allem auch Aktien, also Anteile an Unternehmen.

    Unternehmen sind – auch wenn ihre Verschuldung in den vergangenen Jahren stärker zugenommen hat – Produktivvermögen. Als Quelle des Vermögens eines jeden Staates generieren sie Einkommen und Wohlstand. Selbst wenn sie in der gegenwärtigen Krise Verluste machen, so sind sie doch die Substanz für einen künftigen Aufschwung. Die relative Stärke des Schweizer Franken und des Yens scheint der Strategie der beiden Notenbanken recht zu geben.

    Anleger sollten die Kursrückgänge von Aktien in der Coronakrise als Chance nutzen und es den Notenbanken in Japan und der Schweiz gleichtun. Während Unternehmen Mehrwert schaffen, sind Staatsanleihen Vermögenswerte, bei denen man nicht nur gleichzeitig Gläubiger und Schuldner ist, sondern auch nicht einmal mehr durch Zinsen entlohnt wird.

    Mehr: Diese Unternehmen sind die großen Gewinner und Verlierer der Coronakrise.

    Klaus Kaldemorgen, Jahrgang 1953, ist einer der bekanntesten Börsenstrategen Deutschlands. Seit über 35 Jahren arbeitet er als Fondsmanager für die DWS, wo einer der Investmentfonds sogar seinen Namen trägt.

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