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Tijen Onaran

Expertenrat – Tijen Onaran Wir müssen uns gegenseitig mehr Mut machen

Der Einfluss des persönlichen Umfeldes auf die Karriere wird oftmals unterschätzt. Ein Plädoyer für mehr Zuspruch, Motivation und Selbstvertrauen.
06.02.2020 - 09:17 Uhr Kommentieren
Nur 21 von 100 Kindern aus Haushalten mit Eltern ohne Hochschulabschluss nehmen laut dem Hochschul-Bildungsreport ein Studium auf. Quelle: dpa
Grundschüler

Nur 21 von 100 Kindern aus Haushalten mit Eltern ohne Hochschulabschluss nehmen laut dem Hochschul-Bildungsreport ein Studium auf.

(Foto: dpa)

Ich liebe Geschichten von Menschen, die ihren Traum verfolgen und ihren Weg gegen alle Widerstände gehen. Ganz besonders beeindruckt hat mich darum die Geschichte einer jungen Juristin, die sie mir vor Kurzem erzählte. Mit dem Studium der Rechtswissenschaften hat sie ihren Kindheitstraum verwirklicht, von dem ihr ganzes Umfeld ihr abriet. Da sie die Erste in ihrer Familie war, die ein Studium aufnahm, waren ihre Eltern skeptisch.

Der Rat ihres Grundschullehrers, nicht Abitur zu machen, hätte noch viel stärke Folgen für ihr Leben haben können, hätte sie diesen befolgt. Jener Ratschlag war es aber, der sie zu Höchstleistungen motivierte.

Für die meisten Jugendlichen wären solche Tipps demotivierend genug gewesen, um sich gegen den eigenen Traum zu entscheiden. Nur in den seltensten Fällen ziehen Menschen aus entmutigenden Ratschlägen ihre Motivation.

Insbesondere für Kinder aus Nichtakademikerfamilien ist dies problematisch. Denn nach wie vor ist in Deutschland die soziale Herkunft für den Erfolg im Bildungssystem ausschlaggebend. Das belegt der Hochschul-Bildungsreport des Stiftungsverbands und der Unternehmensberatung McKinsey: Nur 21 von 100 Kindern aus Haushalten mit Eltern ohne Hochschulabschluss nehmen ein Studium auf. Nur eines dieser 100 Kinder schließt das Studium mit einer Promotion ab. Im Vergleich dazu studieren 74 von 100 Akademikerkindern, von denen am Ende zehn promovieren.

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    Das bedeutet nicht nur einen immensen Verlust für das Bildungssystem, sondern vor allem auch für die Arbeitswelt. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) warnte bereits 2018 in ihrer Studie „A broken social elevator“ vor den gravierenden Folgen für die Wirtschaft. Demnach werde einem zum großen Teil die Möglichkeit eines hohen Bildungsabschlusses als auch die der Unternehmensgründung verwehrt.

    Angesichts der großen Herausforderungen, vor denen die Wirtschaft allein durch die Digitalisierung steht, stelle ich mir die Frage: Warum ist es keine Selbstverständlichkeit, dass wir die Menschen in unserem Umfeld motivieren? Warum ist es beispielsweise für viele Lehrer stattdessen naheliegender, ihre Skepsis und ihre Zweifel zu äußern?

    Auch ich hörte in der Vergangenheit Sätze wie „Das schaffst Du ohnehin nicht“ oder „Weiterführende Schulen sind nichts für Dich“, die im Unterbewusstsein nachklingen. Ich hatte das große Glück, dass meine Familie immer hinter mir stand und dass ich Menschen begegnete, die mich unterstützten. Denn es ist unschätzbar wichtig, Menschen im direkten Umfeld zu haben, die einen bestärken.

    Selbstvertrauen fördern

    Die Bedeutung von Lehrern, Eltern, Freunden und unseren Netzwerken ist zentral für die persönliche Karriereentwicklung. Darum sollten wir alles daran setzen, das Selbstvertrauen insbesondere von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Auch wenn dies kein Allheilmittel darstellt, ist ein Zuspruch allemal besser als Menschen zu entmutigen. Meine Mantras lauteten stets: „Du schaffst das!“ und „Ich kann das!“

    Ich möchte nicht verschweigen, dass einige meiner Versuche nicht funktioniert haben. Trotz meines Glaubens an mich, musste ich beispielsweise schnell einsehen, dass Volkswirtschaftslehre und ich einfach nicht zusammenpassten. Mein Scheitern war aber nicht mein Untergang. Vielmehr verhalf mir der Zuspruch, den ich aus meinem Umfeld erhielt, zu dem Mut, etwas Neues auszuprobieren.

    Ich bin davon überzeugt, dass die Verantwortung, die Menschen wie Lehrer, Eltern und Freunde haben, verstärkt ins Bewusstsein gerückt werden muss. Das Ziel, gerade von Bildung, sollte doch sein, Menschen zu befähigen, dass sie auch gegen alle bestehenden Zweifel das Beste aus sich herausholen.

    Nur wer an sich glaubt, wird auch sein vollständiges Potenzial ausschöpfen. Dabei könnte es zum Beispiel helfen, wenn Lehrer hin und wieder einen Ausflug in die Praxis machen würden, um eine neue Perspektive auf die Anforderungen des Arbeitslebens zu gewinnen.

    Es geht mir nicht darum, Menschen die Illusion zu geben, dass all ihre Wünsche in Erfüllung gehen werden. Für den Anfang würde es schon genügen, sie nicht unnötig zu demotivieren. Menschen zu motivieren und ihnen Mut zu machen, bedeutet auch nicht, alles gut zu finden, was sie machen. Selbstvertrauen, Zuspruch und Mut aus dem eigenen Umfeld schaffen aber die ideale Grundlage, um Rückschläge zu verkraften, den eigenen Weg weiterzugehen und an die eigenen Träume zu glauben.

    Mehr: Tijen Onaran ist überzeugt: Jeder hat einen Markenkern. Die Frage ist, was wir daraus machen.

    Tijen Onaran ist Unternehmerin und Speakerin. Mit startup affairs berät sie Firmen in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit und engagiert sich mit ihrer internationalen Initiative Global Digital Women für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche.

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