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Expertenrat – Holger Schmidt Krieg der Plattformen: Zwischen Apple und Facebook kracht es so heftig wie lange nicht

Der Streit der Tech-Konzerne dreht sich um zwei milliardenschwere Geschäfte: App-Stores und Onlinewerbung. Und die Konkurrenz mischt munter mit.
04.09.2020 - 09:18 Uhr Kommentieren
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Es geht um Macht, Geld und auch persönliche Animositäten: Zwischen den großen Plattformen im Internet kracht es aktuell so heftig wie lange nicht. Im Zentrum stehen Apple und Facebook, angeführt von ihren – einander in großer Abneigung verbundenen – Chefs Tim Cook und Mark Zuckerberg.

Die Konkurrenz mischt munter mit: Microsoft hat sich offen auf die Seite der Apple-Kritiker geschlagen, während Tencent als Großaktionär des ebenfalls involvierten Spieleentwicklers Epic Games die gleiche Position eher im Hintergrund vertritt. Nur Google hält sich bisher geschickt zurück.

Der Streit dreht sich um zwei milliardenschwere Geschäfte: die App-Stores und die Onlinewerbung. Im ersten Fall um den 30-Prozent-Anteil, den Apple als Herrscher des App-Stores an Umsätzen mit digitalen Gütern von den App-Entwicklern kassiert. Etwa 61 Milliarden Dollar haben die Entwickler im vergangenen Jahr mit diesen digitalen Gütern eingenommen.

Anbieter wie der Musikdienst Spotify wehren sich schon lange gegen diese „Apple-Steuer“, aber der Vorstoß von Epic Games ist der bisher ambitionierteste Versuch, die Apple-Steuer zu kippen. Zuvor hatte das Unternehmen offenbar ohne Erfolg Sonderkonditionen von Apple erbeten, wie sie anderen großen Kunden gewährt werden.

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    Inzwischen haben sich auch Microsoft und – am lautesten – Facebook-Chef Zuckerberg der Kritik der Entwickler angeschlossen. Apple habe die Entwickler im Würgegriff, und die 30 Prozent seien eine „Monopolrente“, also der Betrag, den Monopolisten über den gerechtfertigten Marktpreis hinaus abschöpfen können.

    Regionale Aufteilung

    Nun hat Apple am gesamten Smartphone-Markt zwar nur einen Anteil von etwa 15 Prozent, erzielt aber etwa zwei Drittel der globalen App-Store-Umsätze, da die meisten zahlungskräftigen Nutzer auf der Welt ein iPhone besitzen.

    Besonders interessant ist dabei die regionale Aufteilung: Von den 519 Milliarden Dollar, die Apple-Nutzer im vergangenen Jahr in den Apps für Güter aller Art ausgegeben haben, entfielen 27 Prozent auf die USA und zehn Prozent auf Europa, aber 47 Prozent auf China.

    Gerade die chinesischen Digitalunternehmen, die im Moment nach Amerika und Europa expandieren, dürften daher interessiert sein, Apples Machtposition zu schwächen. Daher wäre es wenig überraschend, wenn Tencent als einer der weltgrößten Spieleentwickler und 40-Prozent-Aktionär von Epic Games den aktuellen Streit zumindest wohlwollend sieht.

    Nun steht Apple als Plattformbetreiber, der die Transaktionen abwickelt und für Sicherheit sorgt, eine angemessene Vergütung zu. Diese Vergütung wird aber zum (unfairen) Wettbewerbsvorteil, wenn Apple eigene Services wie Musik anbietet, die mit Konkurrenten in einem Preiswettbewerb stehen.

    Da Apple den Anteil dieser Services massiv ausbauen möchte, werden die Konflikte zunehmen – und damit auch der Druck auf die Regulierer, „angemessene“ Vergütungen, alternative Zugangswege oder Zahlungssysteme durchzusetzen. Auch wenn 30 Prozent „branchenüblich“ sein sollten, verzerren sie an dieser Stelle den Wettbewerb zugunsten des Plattformbetreibers.

    Unfaire Praktiken unterlassen

    Eng mit der Diskussion über die Apple-Steuer verknüpft ist der zweite Streitpunkt um das iPhone-Betriebssystem iOS. Apple plant, dass alle App-Entwickler im neuen iOS 14 ihre Nutzer explizit um Erlaubnis fragen müssen, ob sie ihr Verhalten im Netz aufzeichnen dürfen. Auf dieser Basis spielen App-Entwickler personalisierte Werbung aus.

    Bisher konnten Nutzer dieses Tracking zwar ausschalten; künftig müssen sie ihm aber ausdrücklich zustimmen, was erfahrungsgemäß nur wenige Menschen tun. Als Ergebnis wird personalisierte Werbung künftig nicht mehr so gut funktionieren und der Online-Werbemarkt könnte um einige Milliarden Dollar einbrechen.

    Davon wären nicht nur Facebook, Microsoft und Tencent betroffen, sondern auch viele kleinere Unternehmen, die Werbung im Netz verkaufen. Nur eines nicht: Apples – allerdings noch kleines – eigenes Werbeprodukt ist von dieser Zustimmungspflicht ausgenommen. Diese Pflicht, die aus Sicht des Datenschutzes absolut sinnvoll ist, erscheint in diesem Zusammenhang erneut als unfaire Verzerrung des Wettbewerbs. Zwar hat Apple diese neue Funktion nach wachsender Kritik auf das nächste Jahr verschoben, doch bereinigt ist der Konflikt damit nicht.

    Die Fehde kommt eigentlich zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt für die Branche, denn die Regulierer betrachten das Geschäftsgebaren der Plattformen zunehmend kritisch. Um ihren eigenen Erfolg nicht zu gefährden, sollten die Plattformen unfaire Geschäftspraktiken von vornherein unterlassen, bevor sie von den Wettbewerbshütern gezwungen werden.

    Noch sind die Kartellstrafen vergleichsweise klein und „eingepreist“. Aufgrund ihres überlegenen Geschäftsmodells haben sie derartige Praktiken aber gar nicht nötig.

    Mehr: Lesen Sie hier, wie ein Chef eine gute Homeoffice-Kultur in Zeiten von Corona etabliert

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