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Expertenrat – Holger Schmidt So verändert sich die digitale Wirtschaft durch Corona

Die Pandemie nimmt großen Einfluss auf die Entwicklung der digitalen Ökonomie. Ein Überblick über zehn Bereiche, in denen große Veränderungen bevorstehen.
15.04.2020 - 12:27 Uhr 2 Kommentare
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Die Ökonomie wird nach dieser Krise anders aussehen. Strukturprobleme, die schon vorher bestanden, werden offengelegt und verschärft. Mangelnde digitale Wettbewerbsfähigkeit wird bestraft, und hohe Cash-Reserven werden belohnt.

Automatisierungstempo und Marktkonzentration werden steigen, Start-ups sterben, und Bargeld wird verschwinden. Nur das Homeoffice bleibt, was es ist: eine Ausnahme. Ein Blick nach vorn.

1. Digitale Wettbewerbsfähigkeit

Deutschlands Rückstand in vielen Digitaldisziplinen – E-Government, E-Health, E-Learning, digitale Infrastruktur, Remote Work, digitale Geschäftsmodelle – wird gerade schonungslos aufgedeckt. Ein gescannter Hausaufgabenzettel statt Onlineunterricht ist nur ärgerlich, aber das voll besetzte Wartezimmer beim Arzt statt Telemedizin zu Hause ist gefährlich und keinen Onlinevertrieb zu besitzen sogar existenzbedrohend.

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    Wer als Lieferant bisher nicht digital war, verliert Kunden. Wer bisher kein digitales Geschäftsmodell hatte, wird von der Krise härter getroffen als Digitalunternehmen.

    Alle Unternehmen haben spätestens in der Krise erkannt, wie wichtig die digitale Transformation ist. Nun aber noch stärker als bisher auf kurzfristige digitale Effizienzgewinne zu setzen und das ohnehin geringe Engagement im Aufbau langfristig wirkender digitaler Geschäftsmodelle zu drosseln, ist in Krisenzeiten zwar vordergründig verständlich, aber gefährlich.

    Erste Signale aus der deutschen Wirtschaft deuten leider in diese Richtung. Im Gegensatz dazu bleibt die Konkurrenz auf Kurs, vor allem in Asien. Beispiele sind die Milliarden, die dort in B2B-Plattformen investiert werden, oder der Ausbau der neuen Mobilfunkgeneration 5G.

    China hat inzwischen 50 Städte mit 5G versorgt, erhöht gerade das Ausbautempo und liegt gemeinsam mit Südkorea, Japan und den USA an der Weltspitze.

    Deutlich wird diese wachsende digitale Lücke auch beim Blick auf den Plattform-Index, der die 15 besten digitalen Plattformen (allesamt aus Amerika, Asien oder Afrika) erfasst und dem Dax 30 seit Beginn der Berechnung im Jahr 2016 davonläuft. Kein digitales Geschäftsmodell zu haben wird an der Börse bestraft, die Apple oder Microsoft inzwischen höher bewertet als alle 30 Dax-Unternehmen zusammen.

    In der Coronakrise wurde die Bewertung der Plattformen bisher um gerade einmal drei Monate zurückgeworfen, während der Dax 30 alle Gewinne der vergangenen drei Jahre verloren hat – ein Zeichen, wem nach der Krise eine schnelle Erholung zugetraut wird und wem nicht.

    Die Ratingagenturen haben die ersten Dax-Konzerne schon herabgestuft, vor allem die Autokonzerne, die derzeit neben der Kapazitätsanpassung auf ein möglicherweise dauerhaft niedrigeres Niveau nach der Krise auch den Umstieg auf die Elektromobilität und schärfere CO2-Grenzwerte leisten müssen.

    2. Subscription-Modelle

    Den Wandel zu „Software as a Service“, den die Softwareindustrie in den vergangenen zehn Jahren durchgemacht hat, werden künftig viele andere Branchen nachholen. Subscription-Modelle in der Industrie, in der Mobilität, der Immobilienwirtschaft oder in der Energie verschaffen den Nachfragern mehr Flexibilität, binden weniger Kapital und bringen mehr technischen Fortschritt.

    Die Anbieter haben einen stetigen Cashflow, mehr Daten über die Nutzung ihrer Produkte und damit mehr Möglichkeiten für individualisierte Produkte.

    3. Automatisierungswelle

    Rezessionen führen in der Regel zu mehr Robotern und weniger Jobs. Diese Automatisierungswelle könnte in der Coronakrise aus zwei Gründen besonders kräftig ausfallen: erstens weil die bevorstehende Rezession wahrscheinlich ziemlich hart wird. Der Internationale Währungsfonds spricht sogar von der schlimmsten Krise seit der Großen Depression vor 100 Jahren.

    Und zweitens weil nun die Werkzeuge verfügbar sind, um Automatisierungstools in beinahe jedem Beruf einzusetzen, beginnend mit einfacher Robotic Process Automation in den Büros über smarte Roboter in den Fabriken bis zu autonomen Fahrzeugen.

    Langfristig führen Roboter – auch das ist eine Erfahrung bisheriger Automatisierungswellen – über verschiedene wirtschaftliche Effekte zwar wieder zu mehr Jobs, aber meist an anderen Stellen und für andere Bildungsschichten.

    4. Marktkonzentration

    Amazon macht in der Krise einen hammermäßigen Job und gilt fast schon als systemrelevant. In China hält Alibaba mit seiner Kommunikations-App Dingtalk die Schulen am Laufen und den Handel in Bewegung. Das sind nur zwei Beispiele, wie die großen Plattformen ihre ohnehin guten Positionen gerade ausbauen.

    Aufgrund ihrer hohen Cash-Reserven halten sie ihr Investitionstempo hoch und können, ebenso wie Hedgefonds, zudem Unternehmen und Start-ups zu reduzierten Preisen kaufen. Jetzt zahlt sich aus, die Gewinne der vergangenen Jahre weder für Dividenden noch für Aktienrückkäufe ausgeschüttet, sondern investiert oder beiseitegelegt zu haben.

    Der Vorteil, wie Microsoft, Alphabet oder Apple aktuell auf Cash-Reserven von 100 Milliarden Dollar oder mehr zu sitzen, ist kaum zu überschätzen. Facebook und Amazon haben immerhin rund 50 Milliarden Dollar auf der hohen Kante.

    Da ihre Geschäfte auch weiterhin Cashflow abliefern, können sie auch ihre Capital Expenditures hoch halten, zum Beispiel für weitere Investitionen in Rechenzentren oder wie Alphabet in die Entwicklung autonomer Autos, die jedes Jahr eine Milliarde Dollar verschlingt. Gefährlich für alle Konkurrenten, die ihre Aktienkurse nur mit Dividenden und Aktienrückkäufen pimpen konnten, nun nach kurzer Zeit blank sind, Kredite benötigen und Zukunftsinvestitionen stoppen müssen.

    5. Start-ups

    Die Start-up-Szene verfügt über geringe oder gar keine Liquiditätsreserven. Die Bewertungen fallen, Börsengänge werden verschoben, und ihre Geldgeber überlegen sich nun sehr genau, wer weiterhin finanziert wird.

    80 Prozent der deutschen Start-ups sehen ihre Existenz bedroht, zeigt eine Umfrage des Start-up-Verbands. Wenn es blöd läuft, wird Deutschlands Start-up-Ökosystem um Jahre zurückgeworfen – genau wie es schon 2002 während des New-Economy-Crashs und 2009 in der Finanzkrise passiert ist. Auch das wäre fatal für Deutschlands digitale Zukunft und sollte unbedingt verhindert werden.

    6. Zahlungssysteme

    Bargeld wird weitgehend verschwinden, weil plötzlich überall kontaktlos bezahlt werden kann. Mobile Zahlungssysteme lösen den unsinnigen und teuren Kreislauf „Geld abheben, bezahlen, Geld wieder zur Bank bringen“ ab.

    7. Sharing-Economy

    Etwas zu teilen ist gerade gar nicht angesagt. Die Geschäftsmodelle aus diesem Sektor stehen unter hohem Druck. Die Airbnb-Bewertung ist schon abgesackt, und wahrscheinlich wird sich der Verdrängungswettbewerb unter den Anbietern von E-Scootern sehr schnell in einen Überlebenskampf verwandeln.

    Bird hat gerade 406 seiner 1400 Mitarbeiter entlassen – per Zoom-Konferenz. Mit jeder weiteren Woche im Shutdown wird die Lage in diesen Märkten prekärer.

    8. Digitale Industriepolitik

    Der einzige CFO in Deutschland, der gerade eine „Bazooka“ abfeuern kann, heißt Olaf Scholz. Sollte die Rezession so stark werden, wie es der IWF fürchtet, muss der deutsche Finanzminister seine Bazooka sicher noch das eine oder andere Mal nachladen.

    Die Politik wäre gut beraten, mit dem Geld Innovationen zu fördern anstatt Auslaufmodelle wie den Verbrennungsmotor oder die Kohle am Leben zu halten.

    9. Klimaschutz

    Endlich auf der Agenda – und dann leider ganz schnell von Corona in den Hintergrund gedrängt: Die Vermeidung des Klimawandels bleibt eine essenzielle Aufgabe und sollte bei der Neugestaltung der Social-Distance-Ökonomie zwingend mitgedacht werden.

    Wer jetzt einen Rückzug aus dem Klimaschutz fordert, ist auf dem Holzweg. Denn hier liegt eine große Chance für Deutschland, mit seiner digitalen Industriekompetenz wettbewerbsfähige Produkte auf den Markt zu bringen.

    10. Homeoffice

    Homeoffice wird nicht zur Regel. Nach der Krise werden die meisten Beschäftigten nach meiner Beobachtung wieder mit Freude ins Büro fahren, weil der direkte Draht und der Plausch in der Kaffeeküche auch mit den besten digitalen Tools nicht zu ersetzen sind – und dauerhafte Telkos und Videokonferenzen zudem auch keinen Spaß machen.

    Positiv bleiben der Verzicht auf manch überflüssige Dienstreise und mehr Flexibilität, spontan ins Homeoffice wechseln zu können, wenn es nötig ist.

    Mehr: Lesen Sie hier, wie ein Chef eine gute Homeoffice-Kultur in Zeiten von Corona etabliert.

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    2 Kommentare zu "Expertenrat – Holger Schmidt: So verändert sich die digitale Wirtschaft durch Corona"

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    • "Wer jetzt einen Rückzug aus dem Klimaschutz fordert, ist auf dem Holzweg. Denn hier liegt eine große Chance für Deutschland, mit seiner digitalen Industriekompetenz wettbewerbsfähige Produkte auf den Markt zu bringen." Und gleich nochmal DANKE Herr Schmidt - Sie treffen es auf den Punkt. Die Berliner Neutrino Deutschland GmbH und Neutrino Energy Group arbeiten auf Hochdruck, um die Neutrinovoltaik auf den Markt zu bringen. Es wird daraufhin eine ganz neue Ära der Energienutzung starten. Haushaltsgeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen, Fernseher oder die gesamte Telefonie, alle könnten mit selbstladenden Neutrinovoltaic Chips oder Power Cubes ausgestattet unendlich Energie nutzen. Und in der Elektromobilität stehen mit Konzepten für das Kleinfahrzeuge PI unendliche Reichweiten an. Das alles MADE IN GERMANY würde unsere Wirtschaft schnell nach vorne katapultieren. Es geht jetzt um Investitionen um die patentiertem Technologien aus den Kinderschuhen in den industriellen Standard zu führen. JETZT STARTEN.

    • "Die Politik wäre gut beraten, mit dem Geld Innovationen zu fördern anstatt Auslaufmodelle wie den Verbrennungsmotor oder die Kohle am Leben zu halten." Danke Herr Schmidt für diese deutliche Ansage. Neue Technologien zur Energienutzung stehen bereit. Sie bieten eine mobile und dezentrale Haushaltsenergie aus der Neutrinovoltaic- 24h x 365Tage ohne Kabel und Steckdose für mobile, dezentrale Haushaltsenergie durch Nutzung von Neutrino-Energy. Ein Überblick über diese fortschrittliche und wettbewerbsfähige Energieerzeugungstechnologie zeigt, dass sich die Neutrinovoltaik-Technologie - eine Methode zur Erzeugung von elektrischem Gleichstrom unter dem Einfluss von Teilchen des unsichtbaren Strahlungsspektrums - derzeit in der letzten Phase der Umsetzung befindet. Basierend auf dieser Technologie plant die Berliner Neutrino Energy Group, in spätestens 2 Jahren mit der Lieferung von eigenständigen kompakten DC-Stromquellen Neutrino Power Cube® zu beginnen, die kostengünstige und öffentlich zugängliche Materialien verwenden und damit interessante Preisparameter des erzeugten elektrischen Stroms bieten. Vorläufige Berechnungen, die von der Firma bekannt gegeben wurden, erklären den Preis um mindestens 50% günstiger als den Preis, den man für Solarzellenplatten erhält. Darüber hinaus gibt das Unternehmen bekannt, dass die Betriebskosten solcher Quellen gleich Null sind. Die Kompaktheit der Neutrino-Gleichstromquellen erlaubt es auch, sie leicht in die Gehäuse von Elektroautos einzubauen, was nach dem bestehenden Schema des Elektroautos mit Batterie die Laufleistung zwischen den Ladevorgängen deutlich erhöhen wird. Dank einer, eingebauten Neutrinostromquelle wird auch das Aufladen des Fahrzeugs unendliche Reichweite bieten. Das ist die beste Zukunft, mediale Aufklärung dazu ist wichtig. Die Corona Krise bietet trotz allem Wahnsinn die Chance jetzt zu ÜBERDENKEN was wir wesentlich Brauchen und Ändern sollten. Die Politiker und Medien sind gefordert die Wege zu ebnen!

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