Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Bernd Thomsen

Expertenrat – Prof. Bernd Thomsen Die schnellste Exit-Strategie – und wie unser Leben nach Corona sein wird

Nicht nur die Wirtschaft sucht nach einer Strategie für die Zeit nach der Viruskrise. Wir alle können bereits jetzt dafür planen. Ein Leitfaden.
03.04.2020 - 16:42 Uhr 1 Kommentar
Für alle Gesellschaftsbereiche, den Alltag, die Wirtschaft, den Tourismus, muss es ein Szenario aus der Corona-Isolation geben. Die richtige Zeit dafür – jetzt. Quelle: dpa
Leere auf Rügen

Für alle Gesellschaftsbereiche, den Alltag, die Wirtschaft, den Tourismus, muss es ein Szenario aus der Corona-Isolation geben. Die richtige Zeit dafür – jetzt.

(Foto: dpa)

Hamburg, Miami „Kannst du bitte mein iPad piepen?“, fragte mich meine kleine Tochter und meinte damit die Funktion „digitale Gerätesuche“, mit der ich einen Signalton auf ihrem Tablet aktivieren kann. Nachdem sie ihr Gerät gefunden hatte, setzte sie sich neben mich und sagte: „Daddy, ich möchte wieder in den Kindergarten. Wir könnten das Virus doch piepen und überall hingehen, wo es nicht ist.“

Wie erklärt man einer Vierjährigen exponentielles Wachstum? Die Legende vom indischen Erfinder des Schachspiels, der dafür von seinem Herrscher einen Wunsch frei hatte, ist durchaus kindgerecht, besonders wenn man sie der Form der Kurve entsprechend „Bananen-Regel“ nennt.

Der Erfinder wünschte sich als Belohnung damals weder Edelsteine noch Gold, sondern Reis: Auf dem ersten Feld eines Schachbretts wollte er ein Korn, auf dem zweiten Feld das Doppelte, also zwei, auf dem dritten wiederum die doppelte Menge, also vier, und so weiter, bis er auf dem vierundsechzigsten Feld unfassbare 18 Trillionen Reiskörner besaß. 

Genau diesen Effekt, der sehr schnell zu sehr großen Zahlen führt, können wir jetzt auch bei der Covid-19-Pandemie beobachten. Die University of Massachusetts hat gerade ermittelt, dass eine infizierte Person bei Reduzierung sozialer Kontakte um 75 Prozent innerhalb eines Monats das Virus an zweieinhalb Menschen weitergibt. Ohne soziale Distanz sind es: 406. 

Doch wie lange halten wir als soziale Wesen diese Isolation aus? Und wann kommt der Punkt, an dem weite Teile der Wirtschaft zusammenbrechen? Besonders im Mittelstand. Laut des amerikanischen JPMorgan Chase Instituts reicht die Liquidität amerikanischer Mittelständler mit weniger als 500 Mitarbeitern bei einem Viertel nicht einmal zwei Wochen. Durchschnittlich dauert es nur 27 Tage bis zur Insolvenz. 

Wirtschaftliche Eile ist also geboten. Und gesundheitliche auch. Denn einen Impfstoff wird es, angesichts des rasanten Fortschreitens des Virus, selbst bei einer Reduzierung der Zulassungshürden, nicht schnell genug geben. Es ist also wesentlich, Infizierte zu identifizieren und zu isolieren. Was ist also zu tun, um unser Leben sicher wieder hochzufahren und die katastrophalen wirtschaftlichen Folgen zu bekämpfen? 

Eine Exit-Strategie, zwei Maßnahmen 

  • Erstens: Die Anzahl der Tests massiv hochfahren, idealerweise wöchentlich für jeden Bundesbürger, am besten zu Hause vor dem Zähneputzen. Laborärzte bezeichneten eine flächendeckende Testung bisher als „illusorisch“. Doch im Saarland entsteht gerade ein Zwei-Minuten-Coronatest der Ram Group. Im Januar saß ich noch bei Bosch. Wir sprachen unter anderem über die Wichtigkeit der Gesundheitssparte, im März stellte sie ihre Corona-Schnelltestgeräte vor. Mit 100.000 davon kann man in sieben Tagen sieben Millionen Menschen testen. Fast zeitgleich erhielten die US-amerikanischen Abbott Laboratories ihre Zulassung für ein weiteres minutenschnelles Testverfahren.

  • Um die Kurve der „Bananen-Regel“ gänzlich abzuflachen, braucht es die zweite Maßnahme der Exit-Strategie: Die Bundesrepublik Deutschland gibt schnell eine App heraus, mit der sich Smartphones via Bluetooth bei kritischer Nähe erkennen und im Hintergrund eine anonymisierte ID untereinander austauschen, ohne dass wer auch immer irgendwelche Rückschlüsse auf den Nutzer ziehen kann – mit automatischer Datenlöschung nach der Karenzzeit.  

Wer positiv getestet ist, drückt einen Button in der App und alle Kontaktpersonen der Vergangenheit werden gewarnt und können sich und andere durch Selbstisolation oder Klinikaufenthalt sofort schützen.130 Wissenschaftler aus acht EU-Ländern zeigten jetzt, dass sowohl eine europäische Zusammenarbeit als auch diese Technologie funktioniert.  

In Ländern mit solchen Apps, zum Beispiel Südkorea, verläuft die Kurve der Infektionen viel flacher als überall sonst auf der Welt. Damit die freiwillige Nutzung ein breites Echo findet, sollten alle Medien, Unternehmen und Multiplikatoren – von der Bundeskanzlerin bis zum Influencer – an die Verantwortung der Bundesbürger appellieren, die App zu nutzen. 

Diese Exit-Strategie kann die wirtschaftlichen Schreckensszenarien der Bundesregierung positiv beeinflussen, die von einer kurzen, schweren Rezession bis zu einer jahrelang anhaltenden Krise reichen. Obwohl Corona über kurz oder lang alle Branchen betreffen wird, werden die Effekte sehr unterschiedlich sein. 

Der Abschwung aber ist unvermeidbar. Noch unklar ist, ob sich die Wirtschaft in einem „V“-Szenario entwickelt, das auf den derzeitigen tiefen Abschwung eine rasche Gegenbewegung prognostiziert. Oder in einem „U“-Szenario mit längerer Stagnation nach der Talfahrt, bevor es wieder stark aufwärtsgeht. Bei konsequenter Realisierung der Exit-Strategie innerhalb der kommenden vier Wochen wäre ein positiveres Szenario mit einem kleinen „V“ (geringer Abschwung, schneller Aufschwung) realistisch. Das heißt also, wir erreichen das Alltagsleben nach der Corona-Pandemie schneller. Wie aber wird es danach sein?

Unsere Gruppe unterstützt in diesen Tagen viele Unternehmen dabei, die Krise zu meistern. Kluge Firmenlenker wollen nicht irgendwie bis zum nächsten Firmenjubiläum durchhalten, sondern sich frühzeitig auf die Zeit nach dem Virus vorbereiten. 

Was sind also die „Futures Assets“, die gesellschaftlichen Zukunftsentwicklungen mit geringerer Volatilität, die durch die Krise einen Schub bekommen?

1. Die Nach-Corona-Zeit wird kontraktil

Viele Unternehmen werden, trotz staatlicher Rettungsbemühungen, nicht nur ein-, sondern zusammenbrechen. Die Wirtschaft funktioniert wie ein riesiger Muskel, der kontrahiert und dabei besonders kleine und mittlere Firmen zerdrückt, sich dann aber wieder entspannen wird. Auch wenn Unternehmer erneut die Ärmel hochkrempeln, und uns mit neuen Angeboten faszinieren werden, heißt es für Unternehmen: Nach der Krise ist vor der Krise. Ob Pandemie, Klima- oder andere Krisen, immer wieder werden wir solche Kontraktionen erleben.

Das mag pessimistisch klingen, ist aber nur realistisch, auch wenn es Unternehmern, die gerade um ihr Lebenswerk fürchten, verständlicherweise zynisch erscheint. Je schneller sie diese kontraktile Zukunft akzeptieren, desto kreativer und flexibler bleiben sie, um sich gemeinsam mit ihren Mitarbeitern immer wieder neu zu erfinden. Das gelingt umso besser, je mehr wir uns als Gesellschaft in schwierigen Zeiten gegenseitig unterstützen.

2. Die Nach-Corona-Zeit wird „glokal“.

Auch wenn Nationalisten es sich anders wünschen, bedeutet die Krise nicht das Ende der Globalisierung. Eine reduzierende Verschiebung bedeutet sie allerdings schon, hin zu: global und lokal. Das globale Gefühl, ein gemeinsames Problem auch gemeinsam anzupacken, bietet Chancen. Wir sehen während des Shutdowns den positiven Effekt des Stillstands auf die Umwelt. Das sollten wir länderübergreifend für einen „glokal“-verbündeten Klimaschutz nutzen.

Nicht zuletzt, weil wir angesichts der tiefen Rezession und sinkender Ölpreise Gefahr laufen, dass der nötige Fokus auf ressourcenschonende Energieversorgung aufgeschoben wird. Eine neue Verantwortungsgeneration wird sich für diesen Fokus einsetzen. Das ist auch ein Learning aus der Coronakrise - in Richtung Verbindlichkeit statt populistischem Fake. 

Die glokale Zukunft wird uns weitere Veränderungen bringen. Etwa in Hinblick auf Firmen, die gemäß dem Future Asset „Safetainty“ (Gewissheit [certainty], sicher [safe] sein zu können) ihre Lieferketten neu definieren, regionale Produktion fördern und Lagerbestände erhöhen. Sie beeinflusst auch die Verbraucher, weil sie sich künftig vermehrt für lokale Produkte entscheiden.

3. Die Nach-Corona-Zeit wird reflektiert

Der staatlich auferlegte Rückzug zeigt uns nicht nur, was wir vermissen. Wir sehen zudem, dass manches anders gehen kann als früher. Eingefahrene Gewohnheiten verlieren, die Fähigkeit zur Reflexion dagegen gewinnt an Bedeutung. Nehmen wir Homeoffice: Bisher nur für wenige Mitarbeiter hin und wieder auf der Tagesordnung, wird es sich in der Nach-Corona-Zeit fest etablieren. Ein Umdenken in Sachen Arbeitskultur.

In der Folge werden auch technologische Anwendungen auf mehr Akzeptanz stoßen, eine Tendenz, die wir mit dem Future Asset „Teccaptence“ umschreiben. Unternehmen werden viel diskutierte Digitalisierung jetzt mit Nachdruck anpacken. Anbieter von Online-Videokonferenzen werden davon profitieren, weil der Shutdown zeigt, wie effizient sie sind.

Das macht viele Geschäftsreisen überflüssig, die bisherige Meeting-Flut auf der Welt wird sich reduzieren, was Verkehrsunternehmen treffen wird. „Wir werden Jahre brauchen, bis die Branche wieder das Vorkrisenniveau erreicht“, sagt der Lufthansa-Chef. Auch wenn es angesichts künftiger Entwicklungen nicht ratsam wäre, dorthin zurückkehren zu wollen, wo man mal war, bleibt dem Kranich ein Lichtblick: Nach der Krise werden Privatreisende ihre wiedererlangte Freiheit nutzen und in die Welt fliegen. Mehr noch als zuvor.

Natürlich wird auch alles rund um Gesundheit wichtiger

Womit wir bei dem Future Asset sind, dessen Relevanz wir seit Jahren betonen und das jetzt noch mehr Fahrt aufnimmt: „Iconic Health“, also eine starke Fokussierung auf die eigene Gesundheit, löst für viele Menschen in ihrer Bedeutung sogar Religion ab. Aufgrund aktueller Ansteckungsgefahren wollen die Menschen sich selbst schützen, dauerhaft stark machen und erkennen, dass es ein gesellschaftliches Thema ist.  All das fördert Wirtschaftsbereiche, die mit Ernährung, Sport oder auch Mental Health zu tun haben. 

Was können wir aber bereits jetzt tun, wo der Shutdown gerade verlängert wurde? Legen wir unseren „Beginner‘s Mind“ frei!

Offen und unvoreingenommen sein für neue Möglichkeiten. Von unseren Kindern, die wir gerade mehr um uns haben als sonst, lernen, so einfach und lösungsorientiert zu denken wie sie. Beginnen wir doch als Erstes damit, frech wie meine kleine Tochter, den gegenwärtigen Herausforderungen die Zunge entgegenzustrecken...

Mehr: Beginn einer Technokratie – Das Leben nach Covid-19.

Prof. Bernd Thomsen, ist CEO der Thomsen Group, die führende globale Managementberatung mit Zukunftsexpertise. Er blickt mit seiner Tochter für das Handelsblatt regelmäßig in die Zukunft.

Startseite
Mehr zu: Expertenrat – Prof. Bernd Thomsen - Die schnellste Exit-Strategie – und wie unser Leben nach Corona sein wird
1 Kommentar zu "Expertenrat – Prof. Bernd Thomsen: Die schnellste Exit-Strategie – und wie unser Leben nach Corona sein wird"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Diese Krise birgt wie viele Krisen zuvor auch Chancen. Sie gibt auch Zeit zum Nachdenken und Neu starten, denn der Mensch tritt aus seinem bisherigen Alltagstrott heraus: 1.Braucht er diese ständige Hetzerei auf überfüllten Autobahnen mit stinkenden Abgasen fortwährend? 2. Was gibt es an besseren Alternativen? UND ES GIBT SIE - neueste Forschungsergebnisse die eine neue Ära der Energienutzung bieten. Eine dieser neuesten Technologie nutzt Neutrino-Energy mit der Neutrinovoltaic, welche eine mobile und dezentrale Versorgung für Haushaltsgeräte und Elektromobilität ermöglicht. Ein Überblick über fortschrittliche und wettbewerbsfähige Energieerzeugungstechnologien zeigt, dass sich die Neutrinovoltaik-Technologie - eine Methode zur Erzeugung von elektrischem Gleichstrom unter dem Einfluss von Teilchen des unsichtbaren Strahlungsspektrums - derzeit in der letzten Phase der Umsetzung befindet. Basierend auf dieser Technologie plant die Berliner Neutrino Energy Group, in spätestens 2 Jahren mit der Lieferung von eigenständigen kompakten DC-Stromquellen Neutrino Power Cube® zu beginnen, die kostengünstige und öffentlich zugängliche Materialien verwenden und damit interessante Preisparameter des erzeugten elektrischen Stroms bieten. Vorläufige Berechnungen, die von der Firma bekannt gegeben wurden, erklären den Preis um mindestens 50% günstiger als den Preis, den man für Solarzellenplatten erhält. Darüber hinaus gibt das Unternehmen bekannt, dass die Betriebskosten solcher Quellen gleich Null sind. Die Kompaktheit der Neutrino-Gleichstromquellen erlaubt es auch, sie leicht in die Gehäuse von Elektroautos einzubauen, was nach dem bestehenden Schema des Elektroautos mit Batterie die Laufleistung zwischen den Ladevorgängen deutlich erhöhen wird. Dank einer eingebauten Neutrinostromquellen wird das Aufladen des Fahrzeugs 24 Stunden am Tag/365 Tage im Jahr erfolgen und bietet unendliche Reichweite. Das ist die beste Zukunft, in die man JETZT investieren kann.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%