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A40 in Essen

In der Ruhrgebietsstadt sitzen viele Unternehmen, die Start-ups fördern.

(Foto: dpa)

Gastbeitrag Code ist die neue Kohle – Wie das Ruhrgebiet zur Innovationsschmiede wird

Das Revier hat alle Chancen, sich zur digitalen Zukunftsregion in Europa zu entwickeln. Doch an einigen Stellen hapert es noch.
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„Eine Wahnsinnsidee. Aber kommen Sie wieder, wenn Sie die ersten Kunden haben.“ Ich sitze im Silicon Valley, beim Chief Technology Officer eines Weltkonzerns. Wir hatten ein gutes Gespräch. Die Pionierpower im Valley haut mich jedes Mal um. Dennoch erhalte ich wieder keine feste Zusage.

Viele Monate bin ich mit unserem Prospekt des „Cloud Basket“, einer neuartigen E-Commerce-Technologie, um die Welt geflogen und habe geredet und geredet und geredet. Als Mitinhaber einer Digitalagentur im Essener Norden konnte ich namhafte Kunden vorweisen. Dennoch hat es mehr als ein Jahr gedauert, bis wir endlich ans Werk gehen konnten.

Was ich in dieser manchmal auch frustrierenden Zeit gelernt habe: niemals aufzugeben. Du brauchst nur einen Investor, einen, der an dich glaubt, dann wird auch das Interesse aller anderen geweckt. Das gilt auch für das Ruhrgebiet, das vom Spirit des Silicon Valleys noch weit entfernt ist.

Das Revier hat alle Chancen, sich zur digitalen Zukunftsregion in Europa zu entwickeln. Die Konzepte sind da, die Geldtöpfe gefüllt, 22 Hochschulen fördern Talente, Initiativen wurden gegründet, Allianzen geschmiedet. Paradiesische Zustände für angehende Gründer.

Jetzt muss es gelingen, die bestehenden Angebote sinnvoll zu vernetzen und die Start-ups von erfahrenen Machern begleiten zu lassen.  

Carsten Puschmann ist Gründer von Q.One Technologies in Essen und arbeitet mit regionalen Partnern daran, das Ruhrgebiet als Standort weiterzuentwickeln. Quelle: Pressefoto
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Carsten Puschmann ist Gründer von Q.One Technologies in Essen und arbeitet mit regionalen Partnern daran, das Ruhrgebiet als Standort weiterzuentwickeln.

(Foto: Pressefoto)

Im Start-up-Ökosystem Ruhr finden Gründer eine Vielzahl von Angeboten. 150 Millionen Euro verteilt das Land Nordrhein-Westfalen im Frühjahr 2019 an ausgesuchte Universitäten, damit sie Start-up-Center aufbauen können. Unter den ausgesuchten Hochschulen liegen mit Dortmund und Bochum zwei Standorte im Ruhrgebiet.

Mit insgesamt 14 Förderprogrammen landet Essen auf Platz eins der Top-Start-up-Förderungsstädte im Ruhrgebiet. Dort sitzen auch die großen Konzerne, die die Fördertöpfe füllen, zum Beispiel RAG und Evonik. Sie unterstützen Initiativen wie den Gründerfonds Ruhr, Glückauf Zukunft und die Gründerallianz Ruhr.

Die Initiativen sind offenbar erfolgreich. 2018 hatte fast jedes fünfte deutsche Start-up seinen Hauptsitz in NRW. Damit liegt das Bundesland erstmals vorn im Ländervergleich. Um den Vorsprung zu halten und weiter auszubauen, muss sich die Region jedoch weiterentwickeln und ihre Ressourcen noch besser nutzen.

Code ist die neue Kohle

Im Revier gilt die Losung: Code ist die neue Kohle. Das heutige Grubengold wird in Gigabit gemessen. „Start-ups sind Katalysatoren für Innovation, daher macht es für Essen absolut Sinn, diese zu fördern“, erklärt Andre Boschem, Geschäftsführer der Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft (EWG). „Essen war schon immer ein Standort, an dem Geschäfte gemacht wurden.“

Drei Dax-Konzerne und vier MDax-Unternehmen sind hier ansässig. Die großen Konzerne, ein starker Mittelstand, aufblühende Start-ups und eine lebendige Hochschulszene arbeiten mit daran, Essen zur Scaleup-City zu machen. Diese Mischung ist wichtig für Gründer, denn sie profitieren von den Erfahrungen der etablierten Unternehmen.

An der Sichtbarkeit der Hilfsangebote muss allerdings noch gearbeitet werden, wie der Deutsche Start-up Monitor 2018 zeigt: Mehr als ein Viertel der Start-ups weiß nicht, ob es in ihrer Region überhaupt ein Netzwerk gibt.

Die zentrale Plattform für die Digitalisierung der Wirtschaft in der Metropolregion Ruhr ist der ruhr:HUB. Er wird von sechs Ruhrgebietsstädten getragen: Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen und Mülheim an der Ruhr.

Der Fokus liegt auf innovativen Start-ups. Die Förderung besteht aus einer monatlichen Unterstützung in Höhe von 1.000 Euro. Ein Kleckerbetrag, wenn man bedenkt, dass bei der Entwicklung disruptiver Hochtechnologien Investitionen in Millionenhöhe keine Seltenheit sind. Gründer benötigen also schnell Kontakt zu potenziellen Investoren. Und zu Coaches, die sie auf den Pitch vorbereiten.

Erst coachen, dann malochen

Die aktuelle Unterstützung für Gründer im Revier besteht aus Beratung, Mentoring, Coaching, Workshops, finanzieller Unterstützung in Form von Preisgeldern und der Möglichkeit, einen Coworking-Space zu nutzen. Was künftigen Unternehmern häufig fehlt, sind Macher, die ihnen langfristig zur Seite stehen und sie während des Projekts begleiten.

So brachte es auch Frank Thelen im November im Podcast des FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner für die bundesweite Start-up-Szene auf den Punkt. Er begrüßte die Innovationsfreude von Staatsministerin Dorothee Bär, bemängelte aber, dass ihr der „Maschinenraum“ für die Umsetzung fehle.

Genau so ein digitaler Maschinenraum fehlt auch im Ruhrgebiet. Etablierte Unternehmen der Digitalbranche sollten ihren Vorsprung nutzen und den Gründern den benötigten Raum bereitstellen.

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