Gastbeitrag Der Apfel, der das Fass zum Überlaufen bringt?

Apple hat in Sachen Steuergestaltung eigene Ideen. Dafür muss Tim Cook vor den Untersuchungsausschuss des Senats. Vielleicht ist das der Weckruf, dass Steuerschlupflöcher für Unternehmen gestopft werden.
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Sven Giegold, Abgeordneter der Grünen im Europäischen Parlament. Quelle: dpa

Sven Giegold, Abgeordneter der Grünen im Europäischen Parlament.

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Den anderen immer einen Schritt voraus. Die Kreativität von Steve Jobs ist legendär. An diesem Dienstag muss sich Tim Cook, Apples Vorstandsvorsitzender, vor dem ständigen Untersuchungsausschuss des Senats wegen eines Überschusses an Kreativität verantworten. Denn bei Apple hat sie auch vor aggressiver Steuergestaltung nicht halt gemacht. Vor wenigen Wochen erst ging die Nachricht um die Welt, dass Apple mit einer auf den ersten Blick unsinnigen Kreditaufnahme neun Milliarden US-Dollar Steuern vermieden hat. Jetzt wurde bekannt, dass der Konzern auch noch mittels kreativer Buchhaltung der Öffentlichkeit eine hohe Steuerlast in den USA vortäuschte.

In seinem Geschäftsbericht weist der Konzern eine Steuerquote von 25,2 Prozent aus, obwohl in Wirklichkeit nur 15 Prozent bezahlt wird. Die Differenz ist ein sogenanntes „Reserve Accounting“. Apple dotiert Reserven in seiner Bilanz dafür, dass vielleicht irgendwann einmal in Steueroasen geparktes Geld in die USA zurückgebracht werden muss und dort nachversteuert werden muss. Diese Reserven sind jedoch nur ein buchhalterischer Eintrag und haben nichts mit gezahlter Steuer zu tun. Damit konnte Apple der amerikanischen Öffentlichkeit eine hohe Steuerquote vorspiegeln. Keiner der Wettbewerber nutzt diesen Buchhaltungstrick.

Zudem hatte Apple Ende April einen Kredit von 17 Milliarden Dollar aufgenommen, obwohl der bislang schuldenfreie Konzern fast 150 Milliarden Dollar Cash auf seinen Konten liegen hat. Das ist die größte Kreditaufnahme, die es je an den Kapitalmärkten gegeben hat. Völlig absurd? Wirtschaftlich kann es doch nichts Widersinnigeres geben, als Geld zu negativen Habenzinsen zu bunkern und gleichzeitig Sollzinsen an seine Gläubiger zu zahlen? Nun, das internationale Steuersystem lässt die buntesten Äpfel wachsen.

Während in den USA 35 Prozent Steuern auf Unternehmensgewinne abzuführen sind, gibt es viele Länder, selbst innerhalb der EU wie zum Beispiel die Niederlande, Luxemburg oder Irland, die internationale Unternehmen mit Dumpingtarifen anlocken. Und auch wenn die Öffentlichkeit sich immer wieder darüber echauffiert, sind bei Unternehmen wie Starbucks, Google und auch Apple Gewinne regelmäßig in den Ländern relativ am höchsten, in denen die Steuersätze am geringsten sind. Bei Apple hat dies inzwischen dazu geführt, dass 100 Milliarden Dollar in solchen Steueroasen aufgelaufen sind. Kein Wunder bei einer Steuerquote von ein Prozent auf die internationalen Gewinne des Konzerns.

Dummerweise sind diese Länder in der Regel nicht die wichtigsten Märkte für die Unternehmen. Also können dort wenig sinnvolle Investitionen getätigt werden. Wohin also mit dem Geld? Bevor es an die Aktionäre ausgeschüttet werden kann, muss es in den USA mit bis zu 35 Prozente nachversteuert werden.

Wie gut für den iPhone Hersteller, dass es derzeit eine Liquiditätsschwemme auf den Kapitalmärkten gibt. So kann Apple seinen Aktionären dieses Jahr eine um 17 Milliarden Dollar höhere Dividende ausschütten, ohne vorher in den USA neun Milliarden Dollar Steuern auf diese Gewinne zahlen zu müssen.

Gesetzlicher Rahmen muss neu gefasst werden
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16 Kommentare zu "Gastbeitrag: Der Apfel, der das Fass zum Überlaufen bringt?"

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  • Und wir finanzieren auch noch diese Steueroasen mit einem Hilfspaket nach dem anderen.

    Warum machen wir es Apple so leicht seine Gewinne aus dem Deutschlandgeschäft in Irland "zu versteuern" ?


  • Guter Kommentar - wirklich lesenswert

  • @steuerapple,

    sie haben nur teilweise Recht, da gerade Großunternehmen und Konzerne nicht mal die Hälfte der Steuern zahlen, die normale Unternehmer zahlen müssen.
    Deshalb ist aber auch die Moralkeule so völlig daneben, Weil die ganze Diskussion nur in soweit mit Moral zu tun hat als wir die Ergebnisse als unmoralisch empfinden.
    In einer Konkurrenzwirtschaft kann man sich nur die Moral leisten, die per Gesetz garantiert und durchgesetzt werden kann. Wer also mehr Moral will, darf sich nicht an die Unternehmen wenden, sondern muss die Politik zwingen entsprechende Regelungen durchzusetzen, die Moral profitabler machen, als Unmoral.
    Und wer sie wegen ein paar tausend Arbeitsplätzen außer Kraft setzt, darf sich nicht wundern, wenn der Normalbürger am Ende am kürzeren Hebel sitzt.

    H.

  • Der Artikel geht nur teilweise in die richtige Richtung. Schlicht und einfach weil er immer noch moralische Aspekte in den Vordergund schiebt.
    Diese naive Einstellung hat uns die Probleme erst gebracht, denn nur wer versteht, das Moral ein individuelles auf Autonomie basierendes Prinzip ist (und daher völlig ungeeignet für Firmen und Institutionen), kann letztlich die richtigen Antworten finden.
    Was heisst das? Einfach ausgedrückt, es gibt keine Moral bei Institutionen, Organisationen und Firmen, die der konkurrenz unterliegen. Es kann sie nicht geben, weil die Voraussetzungen dafür fehlen.
    Deshalb geht jeder moralische Anspruch an diese Institutionen und deren Repräsentanten völlig fehl.
    Wer trotzdem ein an Moral orientiertes Verhalten wünscht, muss den Handlungsrahmen so abstecken, dass er Deckungsgleich oder nahezu Deckungsgleich mit den opportunistischen Zielen dieser Konglomerate liegt.
    Vereinfacht ausgedrückt bestimmt der Gesetzgeber, wie moralisch unsere Unternehmen sind und Ignoranz gegenüber den Zwängen, die zu anderen Ergebnissen führen befördert diese.
    Konkret auf die Unternhemsnbesteuerung angewendet heisst das, das der Steuertourismus entgültig abgeschafft gehört.
    Eine denkbare Möglichkeit wäre es nicht den ausgewiesenen Gewinn pro Land zu besteuern, sondern den weltweiten Gesamtgewinn entsprechend den Umsatzanteilen je Land zu besteuern. Damit wäre jegliche Steuertrickserei durch Gewinnverschiebung entgültig beendet. Letztlich würde die Attraktivät der Märkte über die Besteuerung entscheiden, also genau das, was auch die Investitionsentscheidung begründet. Solange Gewinnverschiebung zum Erfolg führt, ist jede Moral vergeblich, da Konkurrenz letztlich immer das legale bzw. legal nachweisbare Optimum sucht und suchen muss. Das ist schließlich das wesen des Marktes, was eben dazu führt das keine Regelung funktioniert, die diese Voraussetzungen außen vor lässt.

    H.

  • Die EU und Ihre Politiker hilft bereitwillig Apple und andere Großkonzerne mit nur 2% Steuersatz. Den Rest zahlt DL über die
    Rettungschirme nach Irland.Gibt es noch größere Id. . . . auf
    der Welt? Sie ist nicht einmal in der Lage, dieses Steuerschlupfloch zu schließen, es geht ihnen am A. . . . vorbei.
    Merkel würde sagen alles Sche. . .
    MfG
    Walter Schmid

  • Ich verstehe nicht, wieso das HB diesem Mann ein Forum bietet. Waren die vorigen Beiträge unsinnig, ist dieser in weiten Passagen belanglos. Zeitungen mit vergleichbarem Renommee verweigern sich - oder bezahlt er dafür?

  • In dem Fall falsch.

    Es geht auch nicht um mehr Steuern, im Gegenteil.

    Aber es gibt mittlerweile einen ganzen Industriezweig der nur dafür zuständig ist Transparenz zu verhindern und das fügt unserer Demokratie Schaden zu.

    Der DDR Sprachduktus der mittlerweile in Berlin in die Politik eingezogen ist und den Jürgen Habermas so korrekt mit Dethematisierung beschreibt geht ja nicht von den Linken aus, sondern von der regierenden CDU.

    Hier wird der Begriff "regieren" nicht mehr demokratisch gedeutet, siehe de Mazieres versuchte Vertuschung bei dem Drohnendebakel, oder die an die Nomenklatura im Ostblock erinnernde Vetternwirtschaft der CSU.

    Demokratie geht anders!

  • Manchmal melden sich vor allem solche Autoren und Kommentatoren hier mit ihrem "Steuerbeitreibungswahn" zu Wort, die noch nie selbst etwas erwirtschaftet haben und deshalb auch den Blick eines Unternehmers nicht kennen. Nur weiter so, und am Ende hängen alle am Staatstropf - halt so, wie in der DDR.

  • Die Marke " Handelsblatt" ist noch gut. Der hier gebotene Journalismus lässt mittlerweile allerdings Böses ahnen.

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