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Gastbeitrag Deutschland braucht die technologische Verkehrswende

Nicht nur die Energiewende ist überfällig, auch die Reform der Infrstrauktur. Straßen sollten durch moderne Technologie effizienter genutzt werden.
31.07.2019 - 17:09 Uhr Kommentieren
Der Autor ist Ökonomieprofessor an der Universität zu Köln. Quelle: David Klammer/WirtschaftsWoche
Axel Ockenfels

Der Autor ist Ökonomieprofessor an der Universität zu Köln.

(Foto: David Klammer/WirtschaftsWoche)

Verkehrsstaus beeinträchtigen die Gesundheit, belasten die Umwelt und kosten Wirtschaft und Gesellschaft hohe Milliardenbeträge. Das muss nicht sein. Moderne Technologie, gepaart mit klugem Marktdesign, kann Staus schon heute verhindern. Staus sind in erster Linie das Ergebnis verzerrter Anreize.

Ein Autofahrer steht nicht nur im Stau, sondern trägt auch selbst zu dem Stau bei – und verursacht dadurch für alle anderen Autofahrer Kosten, ohne selbst mit diesen Kosten belastet zu werden. Diese von ihm verursachten Kosten für die Allgemeinheit wird er bei seiner Fahrentscheidung nicht berücksichtigen.

Seit Jahrzehnten argumentieren Ökonomen, dass Preise, die die privaten Kosten des Autofahrens mit den sozialen Kosten in Übereinstimmung bringen, das Problem wie magisch lösen könnten. Zuletzt hat der Wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums darauf aufmerksam gemacht.

Der Preis entsteht durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Dieser Preis ist null, solange die Straße ihre Kapazitätsgrenze nicht erreicht hat, und er steigt an, wenn eine Beeinträchtigung des Verkehrsflusses droht.

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Standort erkennen

    Zeitlich flexible Verkehrsteilnehmer können dann ihre Fahrpläne ändern, andere können vielleicht auf andere Verkehrsträger ausweichen oder sich ein Auto teilen. In Zeiten großer Belastung kann zuweilen schon eine vergleichsweise kleine Änderung des Verhaltens relativ weniger Verkehrsteilnehmer einen Stau vermeiden helfen.

    Bisher war eine Welt ohne Staus jedoch nur ein theoretischer Wunschtraum, denn damit sie Wirklichkeit wird, braucht es für jeden Straßenabschnitt und für jede Zeit einen eigenen Preis der Straßennutzung. Andernfalls sind Staus unvermeidlich. Verstopfungen bis hin zum Kollaps gäbe es auch in Märkten für andere Leistungen, wenn sie nicht zeit- und ortsabhängig bepreist würden.

    Dazu gehören Märkte für Strom, Flüge und Hotelzimmer. Doch der Traum kann mit moderner Technologie verwirklicht werden, denn GPS-Positionsmelder können heute zuverlässig den Standort eines jeden Autos messen, und modernes, computergestütztes Marktdesign kann auf dieser Basis den Verkehrsfluss optimieren.

    Preise der Straßennutzung können durch smarte Bedienungshilfen im Auto oder Handy in Echtzeit kommuniziert und für die Zukunft prognostiziert werden.

    Dieselbe Technologie kann auch für die effiziente Einhaltung lokaler Grenzwerte bei der Luftverschmutzung sorgen, und zwar chirurgisch präzise für jeden Ort und zu jedem Zeitpunkt. Dies ist allemal flexibler, kostensparender und zielführender als Dieselfahrverbote.

    Straßenausbau ist keine Lösung

    Entgegen landläufig verbreiteter Meinung bremst eine effiziente Bepreisung den Verkehr nicht aus – im Gegenteil: Wer im Stau steht, kommt nicht weiter. Bei einer effizienten Verkehrssteuerung werden die Straßen dagegen gleichmäßiger ausgelastet, und in Spitzenzeiten werden Verstopfungen vermieden, sodass der Verkehrsfluss sogar um bis zu 50 Prozent höher sein kann, ohne dass zusätzliche Straßen gebaut werden müssten.

    Der Ausbau des Straßennetzes ist dagegen oft keine effektive Maßnahme der Staubekämpfung. Sobald nämlich Platz auf der Straße ist, wird neuer Verkehr angezogen. Pendler, die vorher den öffentlichen Nahverkehr benutzt haben, wechseln auf die Straße. Autointensive private und kommerzielle Aktivitäten steigen an. Schließlich ist alles beim Alten.

    Aus ähnlichen Gründen muss auch bezweifelt werden, dass eine bessere Koordination des Verkehrs durch Navigationssysteme, Ride-Hailing, Carsharing oder autonomes Fahren die Überfüllung der Straßen abmildern wird.

    Tatsächlich erhöhen solche Systeme oft die Attraktivität von Verkehr und führen so sogar zu mehr Verkehr und damit zu weiteren Staus. Die gute Nachricht ist jedoch, dass eine dynamische Verkehrssteuerung durch Preise mühelos und auf natürliche Weise innovative Mobilitätsoptionen ergänzt.

    Die Einnahmen einer Bepreisung können genutzt werden, um einen sozialen Ausgleich zu schaffen, die Abgaben und Steuern der Autofahrer und weiterer Verkehrsteilnehmer an anderer Stelle zu senken und den öffentlichen Personennahverkehr auszubauen. Die effizientere Straßennutzung schafft potenziell Freiräume für Fahrradfahrer und andere Transportoptionen. So profitieren alle von einem Verkehrsmarkt.

    Andere Regionen und Tech-Unternehmen werden in den nächsten Jahren mit solchen Modellen experimentieren. Erste Erfahrungen zeigen, dass die Zustimmung in der Bevölkerung stark ansteigt, wenn die positiven Auswirkungen einer dynamischen Bepreisung sichtbar und spürbar werden. Es wäre wünschenswert, wenn sich auch Deutschland zu einer Verkehrswende durchringt, die den Namen verdient.

    Mehr: Mikro-Verkehrsmittel wie E-Scooter und Elektro-Kleinwagen könnten Staus in Zukunft überflüssig machen – selbst wenn das autonome Fahren stocken sollte.

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