Gastbeitrag Die blockierte SPD-Troika

Eigentlich könnte die SPD selbstbewusst in den Bundestagswahlkampf ziehen. Personell ist sie bestens gerüstet. Aber das ist das Problem: Die Männer-Troika der Kanzlerkandidatenanwärter ist sich nämlich selbst nicht grün.
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Der ´Bonner Politikwissenschaftler Gerd Langguth. Quelle: picture-alliance/ dpa

Der ´Bonner Politikwissenschaftler Gerd Langguth.

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„Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich“, so ein schönes Wort von Mark Twain. Das gilt vor allem für die Sozialdemokraten, deren gegenwärtige Troika um den Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel, den Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier und den Ex-Finanzminister Peer Steinbrück an frühere Zeiten der SPD erinnert. Dabei versucht auch das jetzige Dreigestirn, als harmonische Einheit aufzutreten und die internen Differenzen zu kaschieren.

Schon die Führung der SPD in den siebziger Jahren mit dem Parteichef Willy Brandt, dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Herbert Wehner und Helmut Schmidt als Bundeskanzler war als „Troika“ bekannt. Aber die Drei lebten sich politisch auseinander, wie etwa die Rolle Wehners beim Sturz Brandts dokumentiert („Der Herr badet gern lau“, soll er Herbst 1973 in Moskau über Brandt getönt haben). Das hindert den SPD-Grandseigneur Egon Bahr heute nicht an der Behauptung in der „Berliner Zeitung“, das Verhältnis der drei Spitzengenossen sei „bestimmt von der Loyalität zur Partei und ihrer inneren, persönlichen Disziplin“ gewesen. Diese Konstellation sei mit der heutigen Situation nicht vergleichbar: „Brandt, Schmidt und Wehner hatten vergleichbare Schicksale und Lebensläufe mit existentiellen Entscheidungszwängen hinter sich.“

In den 1990ern versuchten Gerhard Schröder, Oskar Lafontaine und Rudolf Scharping ebenfalls eine Neuauflage der Troika. Ein SPD-Spot zu den Bundestagswahlen – heute noch bei YouTube nachzuschauen – zeigt Lafontaine, Scharping und Schröder traut und freundlich lächelnd beieinander. Die Gegensätze zwischen den Beteiligten waren jedoch zu groß. Scharping war damals Kanzlerkandidat der SPD, dem sich Schröder insoweit unterordnete, als er in Scharpings Wahlkampfmannschaft eintrat. Aber schon damals hieß es: „Der Gerd hat zu viele charakterliche Defizite.“ Das Scharping zugeschriebene Zitat verdeutlicht die tatsächliche Stimmung in der SPD.

Zwar blieb die Troika der SPD auch nach der Bundestagswahl 1994 formell zusammen. Vor allem aber Schröders Querschüsse brachten die Partei zur Verzweiflung. So erklärte denn der damalige Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Peter Struck: „Es ist hohe Zeit, dass dieses Scheißsommertheater beendet wird und sich die SPD der Hauptaufgabe zuwendet, nämlich Alternativen zu der Regierungspolitik klarzumachen.“

Seit einem Jahr gibt es nun eine Wiederauflage der Troika, bestehend aus Gabriel, Steinmeier und Steinbrück. So drastische Worte wie im Falle der zweiten Troika sind bislang nicht bekannt geworden. Dennoch sprechen alle Anzeichen dafür, dass sich auch die aktuellen SPD-Spitzenpolitiker untereinander nicht grün sind, gleichwohl sie nach Egon Bahr „Produkte der Wohlstandsgesellschaft einer friedlichen, normalen Bundesrepublik“ sind, „im Alter und menschlich einander näher.“ Bahr behauptet sogar: „Sie wirken mit großer Disziplin zusammen.“ Aber auch er kann eine gewisse Skepsis nicht verbergen: „Was aus der Wundertüte eines Tages herauskommen wird, werden wir sehen. Ich bin sehr gespannt.“

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