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Gastbeitrag Die EU muss das Potenzial der Energielandschaft Europa nutzen

Europa muss sich stärker bei der Energiepolitik abstimmen, und nationale Projekte grenzübergreifend denken. Erst dann kann die Energielandschaft Europa genutzt werden.
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Um die Vorteile einer besseren Zusammenarbeit im Energiebereich Realität werden zu lassen muss ein transeuropäisches Stromnetz aufgebaut werden. Quelle: dpa
Windenergie

Um die Vorteile einer besseren Zusammenarbeit im Energiebereich Realität werden zu lassen muss ein transeuropäisches Stromnetz aufgebaut werden.

(Foto: dpa)

In Zeiten, in denen freiheitliche Werte in Europa angegriffen werden und die Europäische Union (EU) auseinanderzudriften droht, könnte die Bedeutung des europäischen Binnenmarktes nicht größer sein. Insbesondere die grenzüberschreitende Versorgung mit Energie besitzt dabei das Potential, nationale Denkweisen zu überwinden und Europa wieder stärker zusammenzuschweißen. Politische Integration und wirtschaftliche Stärke bedingen sich dabei gegenseitig. In der Energie- und Klimapolitik wird dies besonders deutlich.

Aus energiepolitischer Sicht gleicht Europa heutzutage einem Flickenteppich. Über Jahrzehnte haben rein national ausgerichtete Energiepolitiken zu vielen unterschiedlichen Strategien und Erzeugungsstrukturen geführt. Bestes Beispiel dafür ist der nationale Alleingang Deutschlands bei der Energiewende. Die immensen Kosten der Energiewende und die gleichzeitige Ineffizienz beim Klimaschutz dienen den europäischen Nachbarstaaten offenbar nicht als Vorbild, um ihre zu großen Teilen fossil betriebene Energieversorgung schneller auf Erneuerbare Energie umzustellen.

Will Europa aber die energie- und klimapolitischen Herausforderungen unserer Zeit meistern und gleichzeitig im weltweiten Wettbewerb mithalten, bedarf es eines integrierten Energiebinnenmarktes und einer gemeinsamen europäischen Strategie.

Dort bieten sich riesige Chancen. Europa ist ein Kontinent mit vielfältigen geographischen Gegebenheiten. So können etwa die windreichen Küsten, der sonnige Süden und die steilen Berge zu einer sinnvollen Kombination aus verschiedenen Erzeugungs- und Speichertechnologien verbunden werden. Die jeweiligen Vorteile können gemeinsam genutzt werden, um den EU-Energiebinnenmarkt möglichst kosteneffizient, sicher und emissionsarm zu versorgen.

Ein größtmöglicher Konsens bei Energie- und Klimaschutzfragen ist jedoch die Grundvoraussetzung, um das vielfältige Potential der Energielandschaft Europa auszuschöpfen. Davon können sowohl alle Europäerinnen und Europäer als auch die Umwelt enorm profitieren.

Sandra Weeser ist FDP-Bundesabgeordnete. Sie gehört dem Wirtschafts- und Energieausschuss des Bundestages an. Quelle: Pressefoto Sandra Weeser
Sandra Weeser

Sandra Weeser ist FDP-Bundesabgeordnete. Sie gehört dem Wirtschafts- und Energieausschuss des Bundestages an.

(Foto: Pressefoto Sandra Weeser)

Und genau dort liegt der Schlüssel für mehr Zusammenhalt. Je offensichtlicher und praktisch erfahrbarer der wirtschaftliche Nutzen des Zusammenwirkens europäischer Staaten für die Menschen und deren Regierungen ist, desto schwerer haben es die Gegner Europas. Von den Anfängen der Einigungsbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die heutige Zeit waren immer die Vorteile wirtschaftlicher Zusammenarbeit die Triebfeder der europäischen Integration. Krisen wie das Votum Großbritanniens für einen EU-Austritt sind – vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Nachteile eines Brexits für beide Seiten – ein Beleg für die Richtigkeit dieses Prinzips.

Um aber die Vorteile wirtschaftlicher Zusammenarbeit im Energiebereich Realität werden zu lassen, müssen jetzt viele Dinge vorangetrieben werden: die Ausweitung des europäischen Emissionshandels auf die Sektoren Verkehr und Wärme, der Ausbau nationaler Stromnetze und deren Integration in ein transeuropäisches Stromnetz und die Entwicklung einer gemeinsamen europäischen Gasstrategie.

Genauso wichtig wie europäisch ausgerichtete Maßnahmen ist jedoch auch die gegenseitige Einbeziehung der europäischen Partner bei aktuellen nationalen Vorhaben. Negativbeispiel ist der mit den europäischen Staaten nicht abgesprochene deutsche Kohleausstieg, der erhebliche Auswirkungen auf die Nachbarländer haben wird. Es gilt vielmehr, Europa im Blick zu haben, statt Eigenbrötlerei zu betreiben.

In den Debatten über Europa werden leider noch häufig die Schwächen in den Vordergrund gestellt. Dabei besitzen unser Kontinent und seine politische Gemeinschaft enorme Stärken. Stärken, die bislang noch nicht ausreichend berücksichtigt und genutzt werden.

Es ist an der Zeit, dass Europa auch in der Energiepolitik den nächsten Schritt macht. Mit Blick auf die sich ständig verändernde politische Weltlage, in der Energiepolitik für Staaten wie die USA, China oder Russland längst zu einem machtpolitischen Faktor geworden ist, kann Europa nur über eine umfassende wirtschaftspolitische Geschlossenheit weiterhin konkurrenzfähig sein. Sorgen wir dafür, dass die gemeinsame Energiepolitik zu einem Herzensprojekt Europas wird.

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1 Kommentar zu "Gastbeitrag: Die EU muss das Potenzial der Energielandschaft Europa nutzen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die wohlfeilen Worte höre ich gern, alleine mir fehlt der Glaube.
    Es geht nicht um Europa und schon gar nicht um die Europäische Union. Es geht darum, dass der unverzichtbare Strom künfitg umweltfreundlich, nachhaltig und kostengünstig erzeugt wird. Und dies so dezentral wie möglich. Wer ein Haus mit Dach hat, kann in den südlichen Breitengraden seinen Strom aus Fotovoltaikanlagen weitestgehend selber erzeugen. Dazu braucht es weder EU-Politiker und schon gar keine Sonntagsreden sondern dazu braucht es Geld. Ich bin an dieser Stelle für mehr Egoismus. Der Menschen. Wer 30.000 Euro für einen sinnlosen SUV hat, kann auch mit einem 20.000 Euro teuren Auto fahren und die restlichen 10.000 in eine Fotovoltaik-Anlage oder alternativ in einen genossenschaftlich geführten Windpark inverstieren. Ich wünsche mir mehr Menschen mit Verstand und Eiern in der Hose.

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