Gastbeitrag Die Lehren aus dem Zypern-Debakel

Ausgerechnet in Zypern, einem Land mit überschaubarer Wirtschaftsleistung, droht die Europäische Union den Kurs zu verlieren. Nun kann es nur noch darum gehen, die Auswirkungen des Fehlers für Europa zu begrenzen.
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Proteste in Zyperns Hauptstadt Nikosia. Quelle: dpa

Proteste in Zyperns Hauptstadt Nikosia.

(Foto: dpa)

Seit Ausbruch der Finanzkrise in 2007 wird die europäische Wirtschaftspolitik vor allem von einem Ziel bestimmt: dem gleichzeitigen Abwenden einer tiefen Rezession in Europa und ansteckender nationaler Bank Runs. Dieses Schreckensszenario ist der Hintergrund, vor dem eine ganze Serie zunehmend unorthodoxer Hilfs- und Rettungsmaßnahmen beschlossen und gerechtfertigt wurden, die den Ordnungsrahmen der Wirtschafts- und Währungsunion erheblich geschwächt haben.

Zu Beginn der Krise vergaben Staaten Kredite an marode Banken zu Sonderkonditionen und, trotz des Maastrichter Vertrages, ebenso großzügige zwischenstaatliche Kredite. Dem folgten der kurzfristig angelegte Euro-Rettungsfonds EFSF und dann der auf Dauer angelegte ESM.

Hans-Peter Grüner ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik an der Universität Mannheim. Derzeit fungiert er auch als Berater der EU-Kommission. Quelle: Pressefoto

Hans-Peter Grüner ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik an der Universität Mannheim. Derzeit fungiert er auch als Berater der EU-Kommission.

(Foto: Pressefoto)

Hinzu kommen die Zinssenkungen der EZB, die unlimitierte Zuteilung von Liquidität, die Emergency Liquidity Assistance,  die massiven Long Term Refinancing Operations und die Ankündigung möglicher Offenmarktkäufe ohne vorherige Begrenzung.

Niemanden, der um den Wert einer verlässlichen wirtschaftlichen Ordnung weiß, können diese Schritte leicht gefallen sein. All diese bitteren Pillen wurden der europäischen Volkswirtschaft auch mit Blick auf die Sicherheit von Bankeinlagen verabreicht.

Umso unverständlicher ist es, dass das Ziel der Sicherung vor allem kleiner Bankeinlagen im Fall Zyperns plötzlich keine Rolle mehr zu spielen scheint. Ausgerechnet in einem Land mit überschaubarer Wirtschaftsleistung droht die Europäische Union den Kurs zu verlieren.

Bank-Eigentümer vornehmlich haften lassen
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28 Kommentare zu "Gastbeitrag: Die Lehren aus dem Zypern-Debakel"

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  • Die Abgabe ist eine Steuer, die vom Staat Zypern erhoben wird, um eine Insolvenz zu verhindern, und nichts anderes. Spareinlagen sind eine sichtbare und leicht messbare Form des Vermögen. Genauso wird aus diesem Grund Lohnsteuer zur Finanzierung des Staatshaushaltes herangezogen. Da man sich nur schwer dieser Steuerform entziehen kann. Oder will man wieder zusehen, wie Milliarden aus dem Land in sichere Häfen verschwindet, so wie im Fall von Griechenland. Keineswegs wird hier das Versprechen der Einlagensicherung gebrochen, denn die würde erst im Falle der Pleite einer Bank herangezogen werden, was gerade mit den EU Hilfsgeldern und der einmaligen Abgabe verhindert wird. Alles andere ist Propaganda, um russische und britische Gelder, die in Zypern geparkt worden sind, zu schützen. Nein, Danke!

    Man kann sich vielleicht darüber streiten, wo die Untergrenze anzusetzen ist, ab der die Steuern zu zahlen ist.

  • Die Politiker werfen wie üblich Nebelkerzen: natürlich ist Zypern nicht systemrelevant, und seine Verbindungen in den Euroraum sind sehr gering. Das Land hat ein kleineres BIP als das Saarland. Und das müssen wir retten, um die Eurozone zu stabilisieren??? Übrigens können die Anleger in Zypern froh sein, wenn sie mit ca 10% davonkommen. Im Wahlprogramm unserer Grünen steht, dass sie 10 Jahre lang eine Vermögensabgabe erheben wollen - anzunehmen, dass für die Grünen Pensionsansprüche kein Vermögen ist. Und die geplante MWSt auf Finanztransaktionen wird uns alle auf Dauer sehr viel mehr kosten als das, was den Anlegern in Zypern jetzt genommen wird. Was ist das Endziel dieser Politik?

  • Ihr spricht alle rings herum um den brei.Die Sache hat einen
    tieferen Sinn.Welche rolle spielt eigentlich das Türkischer Lobby in Deutschland;Halten sie sich Bitte mit ihre auserungen ein bisschen zurück es wehre das Beste Vielleicht.
    Ein Dolce Vita die sich nicht leisten konnten.Ha,ha,ha mir kommen die tränen von ihre Unwisenheit

  • Bei all dem 'Bankstertum' und Geldwäschern in Zypern darf man nicht vergessen, dass die lieben Zyprioten - bei fast keiner eigenen Wirtschaftsleistung - ein Dolce-Vita gepflegt haben, das sie sich bei weitem nicht leisten konnten.

    Deshalb finde ich, es ist mehr als gerecht, daß sie nun auch die Rettungsmaßnahmen teilweise mitfinanzieren. Wenn sich die Zyprioten nunmehr über eine Zwangsabgabe von nur 6,5 bis 9,5 Prozent ihrer Einlagen aufregen, ist dies einfach lächerlich. Deutschland hat seit Jahrzehnten eine weit höhere Staatsquote als Zypern von etwa 52 Prozent und muß zusätzlich auch einen großen Teil dieser Abgaben an die EU- Rettungsschirme abführen.

    Also bitte die Kirche im Dorf lassen.

  • @MirLangts:
    Ich denke ja ähnlich, aber das wird in einem Land in dem Revolutionen unmöglich sind nicht passieren. In eine Exit Strategie zu investieren dürfte die bessere Lösung sein.

  • 'Marco99' sagt
    -----------------
    Die von den Geschäftsbanken inzwischen in exponentieller Geschwindigkeit vermehrte Geldmenge M3, erschaffen aus dem Nichts um damit zu spekulieren; die Geldexplosion ist de facto außer Kontrolle der Zentralbanken und damit ist das Geldsystem de facto außer Kontrolle von irgendjemanden.
    -----------------

    Selten so einen totalen Schwachsinn gehört.

    Hier 'mal extra für Sie die Entwicklung der Geldmenge M3 - Monat für Monat im Vergleich zum jeweiligen Vorjahresmonat:

    Jan 2010: -0,8%
    Feb 2010: -1,2%
    Mar 2010: -1,0%
    Apr 2010: -1,0%
    Mai 2010: -0,4%
    Jun 2010: -2,1%
    Jul 2010: -1,9%
    Aug 2010: -1,4%
    Sep 2010: -1,4%
    Okt 2010: -1,1%
    Nov 2010: -0,8%
    Dez 2010: -0,6%
    Jan 2011: -0,2%
    Feb 2011: -0,1%
    Mar 2011: +0,1%
    Apr 2011: -0,1%
    Mai 2011: -0,4%
    Jun 2011: +1,6%
    Jul 2011: +1,8%
    Aug 2011: +2,1%
    Sep 2011: +2,4%
    Okt 2011: +1,9%
    Nov 2011: +1,9%
    Dez 2011: +2,3%
    Jan 2012: +1,9%
    Feb 2012: +2,1%
    Mar 2012: +2,9%
    Apr 2012: +2,2%
    Mai 2012: +2,6%
    Jun 2012: +2,9%
    Jul 2012: +3,2%
    Aug 2012: +2,5%
    Sep 2012: +2,4%
    Okt 2012: +3,3%
    Nov 2012: +3,2%
    Dez 2012: +2,8%
    Jan 2013: +2,9%

    Die Ausgangsdaten sind folgender Publikation laufend entnommen worden:

    https://stats.ecb.europa.eu/stats/download/bsi_ma_flows/bsi_ma_flows/bsi_maflows.pdf

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Nach Ansicht von Jim Reid, Kreditstratege bei der Deutschen Bank, wird mit einer Beteiligung von Kleinsparern an den Rettungskosten für Zypern eine "rote Linie" überschritten. Alle Sparer müssten sich nun Gedanken über alternative Aufenthaltsorte für ihr Geld machen.
    11:48 - Echtzeitnachricht


    Presseberichten zufolge sind die Bankeinlagen in Zypern seit Ende Januar um €3,4 Mrd gesunken. ("Die Welt")
    18:26 - Echtzeitnachricht


    Dirk Müller: Es gibt klare Interessen, Zypern und Griechenland von der Eurozone abzutrennen.
    20:47 - Echtzeitnachricht

  • ...und bei diesem Prozess bleibt der schwarze Peter immer öfter und in immer größerem Maße bei dem liegen, der das Vertrauen seiner Gläubiger noch nicht verloren hat. Bis dahin wird die exponentiell höher werdende Rechnung hin- und hergeschoben, zwischen Nationen, Banken, Bürgern, bis das System durch einen europaweiten Bankrun kollabiert, wird Deutschland, seine Bürger, seine Unternehmen, der Staat, immer öfter und in immer größerem Maße bei den Schuldenschnitten dabei sein. Es ist die Geschichte von den 10 kleinen Negerlein. Es gibt keinen Ausweg, genausowenig wie die Exponentialfunktion einen kennt. Je früher man das begreift, desto besser kann man vorsorgen und sich auf den Reset vorbereiten.

  • Willem Buiter, Chefökonom Citigroup:
    Die Zwangsabgabe in Zypern schafft einen Präzedensfall, der in den nächsten Jahren trotz der Beteuerung der Troika, dass Zypern einen Sonderfall darstelle, vielfach wiederholt werden wird.

    In der Summe ist die Beteiligung der Bank-Gläubiger in Zypern positiv für die Eurozone zu werten, da dadurch der Weg für eine ausgedehnte Schulden-Restrukturierung bei Banken, Unternehmen und Staaten geebnet wird.
    19:29 - Echtzeitnachricht

    ----------------

    Fitch belässt Monte dei Paschi di Siena und die Banco Popolare unverändert auf "BBB" und senkt den Ausblick jeweils von stabil auf negativ.
    20:32 - Echtzeitnachricht

    Fitch stuft Agos Ducato und Banca Nazionale del Lavoro von "A" auf "A-". Ausblick jeweils negativ.
    20:31 - Echtzeitnachricht

    Fitch stuft Intesa Sanpaolo und Unicredit von "A-" auf "BBB+". Ausblick jeweils negativ.

    Intesa Sanpaolo IMI S.p.A. 17:16:13 1,20 € -2,43%
    UniCredit S.p.A. 17:36:28 3,73 € -3,42%
    20:30 - Echtzeitnachricht

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