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Gastbeitrag Die Sommersaison muss gerettet werden

Die bevorstehenden Sommermonate bieten eine Chance, die EU-Staaten im Süden zu unterstützen. Warum Urlaub am Mittelmeer uns und Südeuropa gleichermaßen hilft.
20.05.2020 - 16:07 Uhr 2 Kommentare
Zwei Drittel der deutschen Reisebüros und Veranstalter sind akut von Insolvenz bedroht, besagt eine Umfrage des Branchenverbandes DTV. Quelle: dpa
Mitarbeiter der Tourismusbranche demonstrieren in der Innenstadt von Dresden

Zwei Drittel der deutschen Reisebüros und Veranstalter sind akut von Insolvenz bedroht, besagt eine Umfrage des Branchenverbandes DTV.

(Foto: dpa)

Geizig, unsolidarisch, egoistisch – so zeichnen derzeit viele südeuropäische Medien das Bild Deutschlands in der Coronakrise. Doch eine kleine menschliche Geste sorgte für positive Schlagzeilen: Ein deutsches Ehepaar, das seit vielen Jahren seinen Urlaub auf Sardinien verbringt, musste wegen der Reisebeschränkungen den bereits gebuchten Urlaub im Stammhotel absagen.

„Es tut uns unendlich leid, dass wir in diesem Jahr nicht kommen können“, schrieben sie in ihrer Absage. „Wir können uns vorstellen, wie schwer Sie es haben. Behalten Sie daher bitte die Anzahlung. Es ist ein Geschenk.“ Psychologisch war das vielleicht wichtiger als alle Milliardenhilfen.

Die bevorstehenden Sommermonate bieten eine immense Chance, die besonders betroffenen EU-Staaten im Süden unkompliziert und direkt zu unterstützen: Indem wir bei ihnen auch in diesem Jahr – Covid19 zum Trotz – unsere Sommerferien verbringen.

Man muss sich als freier Bürger schon arg wundern, mit welcher Selbstverständlichkeit uns Merkel, Söder und Maas für diesen Sommer Auslandsreisen verbieten und Urlaub im eigenen Land verordnen. Ostsee und Alpen statt Adria oder Kanaren.

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    Abgesehen davon, dass von Rügen bis zum Chiemsee der Sommer auch ohne Corona vielfach ausgebucht sind: Wo sollen die ferienhungrigen Bundesbürger unterkommen, wenn Hotels und Pensionen nur zu höchstens 60 Prozent belegt werden dürfen, wie es die Pandemie-Regeln vorsehen?

    Harald Christ ist Chairman der Christ & Company Consulting und übt verschiedene Aufsichtsrats- und Beiratsmandate aus. Der Finanz- und Wirtschaftsexperte ist Mitglied der FDP. Quelle: Pressefoto
    Der Autor

    Harald Christ ist Chairman der Christ & Company Consulting und übt verschiedene Aufsichtsrats- und Beiratsmandate aus. Der Finanz- und Wirtschaftsexperte ist Mitglied der FDP.

    (Foto: Pressefoto)

    Sollten die Grenzen zu unseren europäischen Partnern nicht schnell wieder geöffnet werden, wird die Hälfte der Deutschen Urlaub auf Balkonien verbringen müssen. Da werden sich alle bedanken, die nach dem Albtraum der letzten Monate ein berechtigtes Bedürfnis nach Tapetenwechsel verspüren.

    Zwei Drittel der deutschen Reiseveranstalter von Insolvenz bedroht

    Aber es geht um mehr. Die Reisebranche ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren in Europa, ungefähr 12 Millionen Bürger arbeiten europaweit in dem Sektor. Das Touristik-Gewerbe steuert jährlich rund 1,3 Billionen (!) Euro zum Gesamtertrag der EU-Binnenwirtschaft bei.

    Lässt man den Finanzbereich mal außen vor, ist jedes zehnte Unternehmen innerhalb Europas in der Touristik tätig. Größter Profiteur ist - gemessen am Umsatz - Deutschland. Es steht also viel auf dem Spiel; gerade deshalb hat die schwer getroffene Branche hat eine Perspektive verdient.

    Zwei Drittel der deutschen Reisebüros und Veranstalter sind akut von Insolvenz bedroht, so eine Umfrage des Branchenverbandes DTV. Das Gastgewerbe eingerechnet, droht einer Million Arbeitsplätze das Aus, der Reisekonzern TUI macht den Anfang.

    Noch schlimmer sieht es in Italien und Spanien aus. Der Tourismus ist auf dem Stiefel der zweitgrößte Sektor im Dienstleistungsbereich, auf der iberischen Halbinsel gar der stärkste. Gerade deutsche Reiseveranstalter sind hier besonders stark engagiert. Beide Länder sind auf Gäste bitter angewiesen.

    Die Zeit drängt

    Sollten Millionen von Besuchern auch in diesem Jahr an die Küsten des Mittelmeers zurückkehren können, es wäre der schnellste und wirksamste Rettungsring für die beiden Krisenstaaten. Mit einem doppelten Effekt: Vom Reisebüro um die Ecke bis hin zu den Flotten der Urlaubsflieger würde auch die deutsche Reisebranche profitieren.

    Hilfe auf Gegenseitigkeit. Ein positives Signal, dass Europa handlungsfähig ist. Das freilich geht nicht mit Zwangsquarantäne und geschlossenen Schlagbäumen. Italien ist jetzt vorausgeprescht und öffnet seine Grenzen Anfang Juni, um wenigstens die Hauptsaison zu retten.

    Wie kann man jedoch Gesundheit, Sicherheit und Hygienestandards gewährleisten? In Brüssel versucht sich gerade die Europäische Kommission an einem Plan, der genau das gewährleisten soll. Angesichts des notorischen Störpotenzials einiger Mitgliedsstaaten sollte man sich jedoch lieber nicht auf eine EU-einheitliche Regelung verlassen.

    Die Zeit drängt. Es gäbe immer noch die Möglichkeit bilateraler „Urlaubsabkommen“ zwischen einzelnen Staaten. Für derartige „touristische Korridore“ hat Rom der Bundesregierung bereits konkrete Vorschläge unterbreitet und ist in Berlin fürs erste abgeblitzt.

    „Koalition der Mutigen“

    Das ist diplomatisch töricht und ökonomisch kurzsichtig. Sollte es nicht rasch zu einer europaweiten Lösung kommen, spricht nichts gegen eine „Koalition der Mutigen“, die beispielhaft vorangeht. Das wäre innerhalb der EU nichts Neues. Im freien wirtschaftlichen Fall darf man nicht zögerlich agieren.

    Die Mehrheit der Deutschen ist für eine schnelle und vollständige Grenzöffnung. Sie liegen damit richtig.

    Mehr: Warum Italiens Rettung vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch alternativlos ist

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    Mehr zu: Gastbeitrag - Die Sommersaison muss gerettet werden
    2 Kommentare zu "Gastbeitrag: Die Sommersaison muss gerettet werden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Der Mann hat gut reden, der hat einen "Corona-sicheren" Job - wie auch die Politiker (und hier speziell auch Politikerinnen), die etliche Bürger mit Willkürmaßnhmen in wirtschaftliche Existenznöte gebracht haben.
      Eine (einklagbare) Haftung von politisch Verantwortlichen ist daher zwingend erforderlich für einen "Wiederaufbau". "Tut uns leid" genügt da nicht - die müssen zahlen, und zwar kräftig.
      Im Gegensatz zu Willkür-Politikern mit sicherem Gehalt "reicht" es für zahlreiche Bürger daher in diesem Jahr ohnehin nur für Urlaub auf Balkonien. Und die anderen werden mehrheitlich dort Urlaub machen, wo man ihnen die meiste Frteiheit bietet - und keine Schikanen.

    • Freizuegigkeit ist ein Grundrecht - auf den Urlaub arbeiten viele das ganze Jahr hin.
      Wenn die Infektionszahlen und Schutzbedingungen im Urlaubsland aehnlich sind als
      bei uns, gibt es keinen Grund den Buergern diesen Urlaub vorzuenthalten, und ich glaube,
      dass dieses Recht auch einklagbar ist.

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