Ein vorzeitiger Braunkohleverzicht ist klimapolitisch sinnlos. Ein Blick auf das Ruhrgebiet zeigt, was er zudem auf dem Arbeitsmarkt anrichten könnte.

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  • Klimapolitik ginge selbst mit Braunkohle, würde man sich des in Deutschland verfügbaren Technologie-Potenzials besinnen:
    - BoA Plus-Kraftwerkskonzept der RWE
    - industrielle CO2-Nutzung, z.B. zur Polyurethan-, Kraftstoff-, Nahrungsmittelherstellung.

    Die klimairrelevante CO2-Nutzung wird in Deutschland seit Jahren staatlich gefördert. Die in Karlsruhe (KIT) und Dresden (Sunfire) entwickelten Verfahren stehen vor der industriellen Einführung. Zielsetzung ist die vollständige Substitution fossiler Brenn- und Treibstoffe. Im Verbund beider Potenziale läge die Option, den in Paris gesteckten Zielen in globalem Maßstab eher zu entsprechen, als dies mit dem Monopolanspruch der Windrad- und Photovoltaik-Lobbyisten darstellbar ist. Hierbei sind nicht nur die exorbitanten Kosten der auf Wind- und Sonnenenergie-Nutzung fokussierten Energiewende zu berücksichtigen (Deutschland: 2,3 Billionen €), sondern auch die Zunahme der Weltbevölkerung: 2050 werden 10 Milliarden Menschen Anspruch auf Trinkwasser, Nahrung und auskömmliche, bezahlbare Energieversorgung erheben!

    Insofern ist absehbar, dass insbesondere in Ländern der 3. Welt nach 2050 Braunkohle verstromt wird. Nicht einmal in allen EU-Ländern wird der vollständige Ausstieg aus der Braunkohleverstromung erzielbar sein. Die weltweit in Betrieb befindlichen Braunkohlekraftwerke weisen überwiegend einen Wirkungsgrad um 32% auf. Deutsche BoA Plus-Technologie (RWE) erreicht hingegen 48%. Würde die Braunkohle-Verstromung weltweit auf BoA Plus umgestellt, wäre der THG-vermindernde Effekt ein Vielfaches dessen, was sich durch sofortige Abschaltung sämtlicher Braunkohlekraftwerke Deutschlands erzielen ließe. Zeitgleich müsste die industrielle CO2-Nutzung vorangetrieben werden. Der Verbund beider Konzepte stellt eine eher bezahlbare, ergänzende Alternative zum ‚Regenerativ-Monopol‘ dar. Zwei Eisen im Feuer zu haben sollte im Interesse der Klimaschützer liegen!

  • Der Chef-Lobbist der RWE wird vorgeschickt, da scheint es der Kole ja schlecht zu gehen...vor allem aber der RWE, dieser Verein von ewig gestrigen, die sich weigern die Zeichen der Zeit zu erkennen und das schon seit Jahren. Deren Kernkompetenz scheint nur noch aus politischem Einfluss zu bestehen, im Energiesektor ist jedenfalls keine Kompetenz zu erkennen.
    Und was sagt er...weil der planmäßige ausstieg bis mitte der 2040er Jahre geplant ist (solange dauert es bis alle Manager Ihre Schäfchen-Herden im trockenen haben) kann das Ziel co2 auf null bis 2050 erreicht werden und daher der erstaunliche Schluss: "Ein vorzeitiger Ausstieg aus den rechtlich wie privatwirtschaftlich abgesicherten Daten der Braunkohleindustrie macht klimapolitisch keinerlei Sinn. Er ist Humbug." Das muss irgendeine andere Klimapolitik sein, jedenfalls nicht die, deren einfachster Grundsatz lautet, das je mehr co2 aus fossilen Quellen nicht ausgestoßen wird um so geringer wird die Erwärmung kommender Jahrzehnte sein wie die Wissenschaft nahe legt. Ja, es muss ein Strukturwandel her und es wird kosten, aber die Kole kostet auch, an Subventionen und an Gesundheitsschäden und Klimafolgen und die Hütte brennt bereits, die Zeit wird also knapp. Wenn ein Strukturwandel her muss sollte man das mutig angehen, bereit sein Geld in die Hand zu nehmen und zusehen das man aus der Notwendigkeit eine Chance macht, wozu Deutschland aufgrund seiner Disposition herforragend in der Lage wäre. Als letztes sollte man sich aber bei diesem Wandel von den Vertretern der alten (schon seit jahren) sterbenden Industrie beraten lassen die nur das eine Ziel haben, Ihr Geschäftsmodell so lange wie möglich beizubehalten.

  • Bei den Ausstiegsszenarien werden immer nur die mit dem Bergbau und den Kraftwerken verbundenen Arbeitsplätze, sowie die Arbeitsplätze der Zulieferer gesehen; die Zahl dieser Arbeitsplätze ist überschaubar. Da mit einem Ausstieg aus der Braunkohle erhöhte Energiekosten - Braunkohle als Primärenergiequelle und Basis für die Stromerzeugung - verbunden sind, sind auch Arbeitsplätze in der Energieintensiven Industrie gefährdet. Konkret, im Raum Düren verwenden alle großen Papierfabriken, Zuckerfabriken und andere Industrien Braunkohle als Primärenergieträger; müssen diese Werke auf Erdgas umstellen, verdoppeln sich beim heutigen Erdgaspreis die Primärenergiekosten und es ist nicht zu erwarten, dass der Erdgaspreis noch einmal sinkt. Selbst wenn diese zusätzliche Kostenbürde nicht zu Werksschließungen führt, so sinkt der Gewinn und damit auch das Gewerbesteueraufkommen, die Basis der Gemeinden zur Finanzierung von Investitionen. Da Papierfabriken auch stromintensiv sind, kommt es zu einer doppelten Kostenbelastung - bei Wärme und Strom.

Mehr zu: Gastbeitrag - Ein schneller Kohleausstieg könnte fatale Folgen haben

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