Gastbeitrag Ein wenig Kaffee und ganz viel Müll

Kaffeekapseln werden immer beliebter, auch Aldi Süd bietet sie jetzt an. Das ist nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel, schreibt der Umweltschützer Thomas Fischer.
11 Kommentare
Kaffee auf Knopfdruck: Auch Aldi verkauft jetzt ein Kapselsystem. Quelle: dpa

Kaffee auf Knopfdruck: Auch Aldi verkauft jetzt ein Kapselsystem.

(Foto: dpa)

Mit 149 Litern Kaffee pro Kopf und Jahr gehören die Deutschen zu den weltweiten Spitzenverbrauchern. Der größte Teil entfällt auf Röstkaffee, welcher in Kaffeemaschinen oder Automaten verschwindet. Doch der Anteil einzeln eingeschweißter Kleinportionen steigt stetig an.

Seit Mittwoch gibt es auch beim Discounter Aldi-Süd Kaffeekapseln zu kaufen – das könnte ein großer Tag für deren Hersteller und für den Einzelhandel sein. Aldi ist mit seiner Vertriebskraft in der Lage, einen Massenmarkt mit riesigem Absatzpotential aufzubauen und Kaffeekapseln in Deutschland zu ihrem endgültigen Durchbruch zu verhelfen. Für den Umweltschutz ist dies ein schwarzer Tag, denn die Kapseln verschwenden unnötig viele Ressourcen und verursachen besonders viel Müll.

Thomas Fischer leitet bei der Deutschen Umwelthilfe den Bereich Kreislaufwirtschaft und ist Verfechter der Müllvermeidung. Quelle: Deutsche Umwelthilfe e.V.

Thomas Fischer leitet bei der Deutschen Umwelthilfe den Bereich Kreislaufwirtschaft und ist Verfechter der Müllvermeidung.

Für die Hersteller müssen Verpackungen ein Produkt nicht nur schützen und transportieren. Sie müssen auch dem Lifestyle entsprechen und der Bequemlichkeit dienen. Die Nahrungsmittelindustrie portioniert deshalb ihre Produkte zunehmend vor und füllt sie in immer kleinere Verpackungen ab. So werden in einer Kaffeekapsel zwischen 4 und 7 Gramm Kaffee eingeschweißt. Für jede Portion fallen rund 3 Gramm Plastikabfall an.

Was in der Einzelbetrachtung wenig spektakulär wirkt, führt in der Gesamtbetrachtung zu großen Abfallmengen. Würde man die letztjährige Menge an Kaffee in einzelnen Kapseln anstatt in Großverpackungen (0,5 kg) verkaufen, so entstünden mehr als 150.000 Tonnen zusätzlicher Plastikabfall.

Verpackungen sollten grundsätzlich so gestaltet sein, dass die Verpackungsmenge in einem optimalen Verhältnis zum Füllgut steht. Je kleiner die Verpackung, desto ungünstiger ist das Verhältnis. Die Materialbilanz kleiner Kaffeekapseln ist verheerend, weil deutlich mehr Verpackungsmaterial für die gleiche Inhaltsmenge eingesetzt werden muss.

Kleiner portionierte Produkte erzielen in der Regel deutliche höhere Gewinne als größere. Dies ist einer der Hauptgründe, warum Kaffee-Kapselsysteme für Einzelhändler besonders interessant sind. Der Preis pro Gramm Kaffee in Kapseln liegt bei einem Vielfachen von herkömmlichem Kaffee. Selbst günstige Varianten der Kaffeekapseln kosten 19 Cent je Stück. Bei etwa sieben Gramm Kaffee je Kapsel ergibt das einen Kilopreis von an die 30 Euro. Das ist rund drei Mal so teuer wie Kaffee ohne Kapseln.

Mein Tipp: Wer als Kunde auf Umweltfreundlichkeit und einen guten Preis wert legt, der sollte klassische Kaffee- oder Espressomaschinen verwenden, die mit Pulver oder ganzen Bohnen befüllt werden.

  • Thomas Fischer
Startseite

Mehr zu: Gastbeitrag - Ein wenig Kaffee und ganz viel Müll

11 Kommentare zu "Gastbeitrag: Ein wenig Kaffee und ganz viel Müll"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • ein gutes kilo kaffee im supermarkt muss mindestens 17 euro kosten, ansonsten kann die qualitaet nicht gut sein; dann liegt der reine frei haus einkaufspreis der des kaffees (MWST, supermarktmarge, kaffeesteuer schon runtergerechnet) zwischen 8 und 10 euro pro KG. einigermassen gute rohe arabicabohnen kosten min 5-6 EUR das KG (nach oben ist noch massig luft) zumal gibt es einen verlust beim roestvorgang von ca 10% und die roesterei muss auch noch etwas verdienen. ein kilo kaffee fuer 9,99 kann also nichts taugen und schmeckt auch nicht.
    wenn die kapseln 30 EUR das KG kosten, kann ich mir alternativ vernueftigen kaffee kaufen; die vollautomaten kosten mittlererweile auch nicht mehr die welt.

  • Danke für den Link.
    Boahh, 18€ für nen Kilo Kaffee???
    Ich zahle hier knapp 5€, und der ist echt lecker.

    Es wäre also auch ein gutes Angebot diese Kaffeeautomaten mit Mahlwerk mal tatsächlich einem Massen-Marktpreis zuzuführen. Das lohnt sich mit Sicherheit für den Handel.

  • Das geht auch mit "echtem" - gefriergetrocknetem Kaffee. Und für einen schönen Cappuccino kann ich mir auch schnell Milch aufschäumen. Oder ich bin faul und nehme Trockenmilch und natürlich - echten - Kakao. Die Idee mit dem Zimt klingt gut; die probiere ich mal aus.
    So spare ich nicht nur Verpackungsmüll sondern auch noch Geld; denn alles vorgefertigten Produkte sind i.d.R. teurer als die Summe der Einzelkomponenten.

  • Die meisten Vollautomaten haben eine integriert Mühle. 1 Kilo Bohnen gibt es ab 9 Euro. Dafür erhält man bis zu 147 Espressi. Wenn ich nur 30 Cent für ein Kapsel rechne, sind das bei 147 Espressi bereits 44,1 Euro. Touche ...

  • Für gute Espressobohnen sind auch 15-30€/kg fällig! Rechnet man noch die Kosten für eine gute Mühle dazu (>150€) kommt man auf ähnliche Kosten. Die erhöhte Arbeitzeit für die Zubereitung und Reinigung der Geräte nicht gerechnet. Meine Quintessenz (obwohl passionierter Selbstzubereiter von Espresso), so schlecht sind die Kapselsysteme für Espressotrinker nicht. Aber, ohne gasdichtes Alu- oder Aluverbundmaterial zu verwenden, kann man sich den Aufwand aus Qualitätsgründen sparen.
    Die Diskussion muß daher in die Richtung des Recyclings des Kapselmaterials gehen!

  • Wie man sich so abhängig machen kann, versteh ich ehrlich gesagt nicht.

    1 Tl Caro, ein TL Kakaopulver (das Echte), ein TL Zucker, jeweils eine Prise Zimt, Puddingpulver und Vanillezucker, ein Schuss Milch, schon mal gut umrühren, in der Zeit ist das Wasser heiß, aufgießen, fertig. Kapseln? Maschinen? Müll? Nein, danke..

  • Kapsel- oder Bohnen-Vollautomat, dass auch ein Kostenvergleich: http://www.kaffeemaschinen-mit-mahlwerk.com/kostenvergleich-pro-tasse/

  • Kein Ding, da kümmern sich früher oder später die Grünen drum: Kapsel-Verbot. Und zack wieder ein problem gelöst und die Welt ein wenig besser gemacht

  • Macht doch nix. Immer mehr Müll. Mit dem kann man auch Profite machen.

    wann wird der Mensch eigentlich seinen eigenen Müll, natürlich hübsch verpackt und vermarktet, essen?! Na ja....wenigstens haben wir schon genug Chemie im essen. da freut sich der Hausarzt und vorallem die Pharmaindustrie. Und die Menschen haben endlich mal wieder einen Grund zum jammern und meckern auf andere.

  • Mich wundert eigentlich das noch keiner die Kaffeemaschinen mit den Mahlwerken endlich mal Konsumertauglich preiswert anbietet.
    Was soll diese Müllparade, diese Maschinen machen den Kaffee genau so wie ich es haben will.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%