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Gastbeitrag Europa braucht einen einheitlichen Preis für CO2

Wir müssen viel härter umsteuern, um die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen. Denn nichts weniger als die Zukunft der Menschheit steht auf dem Spiel.
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Edmond Alphandéry (rechts) war Wirtschaftsminister Frankreichs, Hans Eichel Bundesminister der Finanzen in Deutschland. Quelle: Gilles ROLLE/REA/laif
Die Autoren

Edmond Alphandéry (rechts) war Wirtschaftsminister Frankreichs, Hans Eichel Bundesminister der Finanzen in Deutschland.

(Foto: Gilles ROLLE/REA/laif)

Die umfassenden negativen Folgen der von Menschen gemachten Klimakrise auf die Ökosysteme und auf die menschlichen Lebensgrundlagen sind bereits weithin sichtbar. Ohne Zweifel ist die Klimakrise wegen ihrer Komplexität und Dimension eine enorme Herausforderung, die von allen Gesellschaftssystemen, auch unseren demokratischen, erfolgreich bewältigt werden muss.

Alle bisherigen Bemühungen zur Verringerung der CO2-Emissionen reichen bei Weitem nicht aus, um die Erderwärmung auf unter zwei Grad, wie 2015 auf der Pariser Klimakonferenz vereinbart, zu begrenzen. Wir müssen viel härter umsteuern. Nichts weniger als die Zukunft der Menschheit steht auf dem Spiel.

Das beste Instrument zur Dekarbonisierung des Planeten ist daher, CO2 einen Preis zu geben: einen Preis, der im Laufe der Zeit steigt und ausreichend hoch ist, um CO2-arme oder gar CO2–neutrale Technologien finanziell attraktiv zu machen.

Angesehene Ökonomen wie Ottmar Edenhofer, Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, und Christoph Schmidt, Chef des Sachverständigenrats der Bundesregierung, oder der Franzose Jean Tirole plädieren dafür, CO2 einen Preis zu geben.

In der EU ist der europäische Emissionshandel (ETS) das wichtigste Klimaschutzinstrument, ist aber bisher noch kaum wirksam. Er gilt nur für den Energiesektor, nicht für Verkehr und Wärmemarkt. Er bietet auch keinen verlässlichen und langfristig gesicherten Handlungsrahmen, da die Preise volatil sind.

Europa könnte wieder Vorreiter bei der Bekämpfung der Klimakrise werden und zugleich seine Wirtschaft nachhaltig modernisieren. Edmond Alphandéry und Hans Eichel

Deshalb ist es notwendig, im ETS einen Mindestpreis für CO2 einzubauen. In Deutschland wäre daneben ein CO2– Preis im Verkehr- und Wärmebereich ein äußerst wirkungsvolles Instrument. Denn im Wärmesektor gehen die Treibhausgasemissionen nur langsam zurück, im Verkehrssektor steigen sie sogar.

Die Einführung eines allgemeinen CO2-Preises erfordert politischen Mut und eine sorgfältige Auseinandersetzung mit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen, die damit verbunden sind. Die schlagartige Einführung eines hohen CO2-Preises würde zu kaum beherrschbaren wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen führen.

Daher muss der CO2-Preis schrittweise angehoben werden, in einem Tempo, das vorhersehbar, angemessen und nachhaltig ist, wie es Deutschland zum Beispiel mit der Einführung der Ökosteuer 1999 bis 2003 gemacht hat. Er wird maßgeblich zur Transformation der Sektoren hin zu CO2-freien Technologien beitragen und liefert zugleich starke Anreize für Innovationen und Investitionen.

Deshalb ist es wichtig, die Einnahmen aus dem sektorübergreifenden CO2-Preis so zu verwenden, dass positive soziale Effekte entstehen und wirtschaftliche Härten vermieden werden. Die Einnahmen könnten pauschal pro Kopf an Haushalte und an Unternehmen rückvergütet werden, wie es zum Beispiel die Schweiz macht.

Einkommensschwache und kinderreiche Haushalte erhielten so mehr Geld zurück, als sie an höheren Strom-, Heiz- und Kraftstoffkosten bezahlen. Umgekehrt würden einkommensstarke Haushalte mehr bezahlen, was aber auch zumutbar ist. Die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung könnten zum Teil für gezielten Klimaschutz verwendet werden.

Eine weitere Herausforderung betrifft die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Um zu verhindern, dass CO2-intensive Industriezweige ihre Produktion in Länder ohne CO2-Bepreisung verlagern, könnten „Differenzverträge“ abgeschlossen oder ein „Grenzausgleich“ eingeführt werden, wie es führende Ökonomen vorschlagen.

Wichtig ist dabei, dass alle Staaten an einem Strang ziehen. Beispielsweise würden miteinander konvergierende CO2-Preise in China, das sich sehr für den europäischen Emissionshandel interessiert, und der Europäischen Union die globalen Bemühungen um die Eindämmung der Klimakrise außerordentlich verstärken.

Wir schlagen also vor, mit einem Mindestpreis im ETS von 25 Euro/Tonne CO2 zu beginnen und ihn schrittweise zu erhöhen. Der Preis für Emissionszertifikate könnte so in Zukunft nicht mehr unter das jeweils erreichte Niveau sinken. Außerdem muss es auch in allen anderen Sektoren einen wirksamen CO2-Preis geben.

Die nationalen Parlamente müssten dafür sektorübergreifende Regelungen treffen, und langfristig müssten alle Sektoren in das ETS einbezogen werden. So könnte einfach und wirksam Europa für Klimaschutz sorgen, wieder Vorreiter bei der Bekämpfung der Klimakrise werden und zugleich seine Wirtschaft nachhaltig modernisieren, um im globalen Wettbewerb ganz vorn zu stehen.

Der Handelsblatt Expertencall
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1 Kommentar zu "Gastbeitrag: Europa braucht einen einheitlichen Preis für CO2"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Zukunft Menschheit wird überwiegend durch Politiker mit ihrem 2 Grad Hype gefährdet. Mit dieser Begründung die Klimaerwärung eindämmen zu wollen lassen sich die Demokratie und die Grundrechte der Menschen außer Kraft setzen, immer mit dem Hinweis es geht um ein höheres Ziel.
    Die Erde war seit ihrer Existenz meistens deutlich wärmer als heute und das mit oder ohne Menschheit.
    Die Erde selber produziert den meisten Teil des CO2 und daran wird sich auch nichts ändern.
    "Also 0,038 Prozent CO2 sind in der Luft; davon produziert die Natur 96 Prozent, den Rest, also vier Prozent, der Mensch*. Das sind dann 4 % von 0,038 %, also 0,00152 %. Der Anteil Deutschlands hieran ist 3,1 %. Damit beeinflusst Deutschland 0,0004712 % des CO2 in der Luft." Quelle EIKE.