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Gastbeitrag Europas Industrie 4.0 braucht die Digitalisierung der Sozialen Marktwirtschaft

Europa hat die Chance, in der vierten industriellen Revolution eine Vorreiterrolle einzunehmen. Doch es muss eine neue Balance seiner Werte wagen.
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Bei der digitalen Revolution ist Stillstand keine Option, sagt Nikolas Stihl.
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Bei der digitalen Revolution ist Stillstand keine Option, sagt Nikolas Stihl.

Auf Euphorie folgt oft Ernüchterung. Das gilt auch für den Prozess der Globalisierung. Weltweit verlieren Freihandel und offene Märkte an Zustimmung der Bevölkerung und wachsen Protektionismus und Populismus. Europa muss sich gegen die „Selffulfilling Prophecy“ wehren, wonach das Ende von liberaler Demokratie und Marktwirtschaft gekommen ist.

Während die erste Runde der Globalisierung an die USA und ihre monopolistischen digitalen Plattformunternehmen gegangen ist und China auf einen autoritären Staatskapitalismus setzt, hat Europa gute Voraussetzungen, die zweite Runde für sich zu entscheiden. Bei „Industrie 4.0“, der intelligenten Verknüpfung von Daten, Dingen und Dienstleistungen, sind viele europäische Unternehmen Weltspitze.

Wenn Europa die Zukunft gewinnen will, muss es selbstbewusster und souveräner auftreten. Und es muss lernen, disruptiv zu denken, ökonomisch wie politisch. Mit dem Denken des 20. Jahrhunderts werden wir die Zukunft nicht gewinnen. „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“, wusste bereits Albert Einstein.

Die digitale Revolution wird wie die industriellen Revolutionen der Vergangenheit die Welt auf eine Art und Weise umformen, die heute noch nicht vorausgesagt werden kann. Nur eines ist sicher: Stillstand ist keine Option. In Zukunft geht es nicht allein um Produktionskosten, sondern vor allem um die Fähigkeit zu Kreativität und Innovation. Wie lautet die europäische Antwort auf die sich abzeichnende neue global-digitale Architektur?

Wenn der Grundgedanke des europäischen Gesellschaftsmodells – der Mensch steht im Mittelpunkt aller Überlegungen – auch künftig gelten soll, muss Europa das Modell der Sozialen Marktwirtschaft jetzt zu einer Digitalen Sozialen Marktwirtschaft weiterentwickeln.

Eine Digitale Soziale Marktwirtschaft braucht neben einer exzellenten digitalen Infrastruktur eine neue Balance aus Freiheit, Wettbewerb und gesellschaftlicher Verantwortung. Zu den Säulen der Digitalen Sozialen Marktwirtschaft gehören insbesondere Sicherheit, Arbeit und Bildung, Steuerpolitik und gesellschaftliche Verantwortung.

Sicherheit: Unternehmen und Beschäftigte brauchen verlässliche und sichere Rahmenbedingungen. Die vielen Skandale rund um den Datenschutz zeigen es überdeutlich: Hier herrscht Handlungsbedarf, ein inhärent sicheres Internet 2.0 ist die Gelegenheit für Europas Unternehmer und weitblickende Politiker.

Arbeit und Bildung: Die Digitalisierung treibt die Arbeitswelt voran und kann zu Vollbeschäftigung führen. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft kommt für Deutschland zu dem Ergebnis, dass stark digitalisierte Firmen, sogenannte „Unternehmen 4.0“, ihre Belegschaften zuletzt stärker vergrößert haben als weniger digitalisierte Unternehmen.

Wenn der europäische Grundgedanke, dass der Mensch im Mittelpunkt steht, künftig gelten soll, muss Europa das Modell der Sozialen Marktwirtschaft zu einer Digitalen Sozialen Marktwirtschaft weiterentwickeln. Nikolas Stihl – Aufsichtsratsvorsitzender der Stihl Unternehmensgruppe

Flexibler werden muss aber das Bildungs- und Weiterbildungssystem. Es geht um digitale Kompetenzen, Datenkunde und neues Lernen. Für die Zukunftsaufgabe des lebenslangen Lernens brauchen wir ein neues, zweites Bildungssystem, um alle Beschäftigten für die digitale Transformation fit zu machen.

Steuerpolitik: Internetunternehmen wie Google, Amazon, Apple und Facebook zahlen in Europa bislang kaum Steuern. Digitalunternehmen können überall auf der Welt Geschäfte machen, ohne vor Ort eine Betriebsstätte zu haben, da das gegenwärtige System der Unternehmensbesteuerung auf dem physischen Sitz basiert. Die EU-Kommission fordert eine Digitalsteuer. Das springt jedoch zu kurz.

Wir brauchen eine umfassende Unternehmensteuerreform, die den stark geänderten Gegebenheiten Rechnung trägt, eine faire Besteuerung der digitalen Geschäftsmodelle verbindet mit Innovations- und Forschungsförderung und der Entlastung der menschlichen Arbeit.

Gesellschaftliche Verantwortung: In einer sich zunehmend digitalisierenden Arbeitswelt geht es darum, den technologischen und gesellschaftlichen Wandel vorausschauend zu gestalten. Die Spannungen heute werden gespeist aus der Angst, zum Schluss als Verlierer dazustehen. Dies zu verhindern ist die Aufgabe der Digitalen Sozialen Marktwirtschaft.

Rentensysteme, die auf dem Umlageverfahren basieren, sind weder nachhaltig noch generationengerecht. Unser heutiges Rentensystem wird implodieren, wenn wir es nicht durch private und betriebliche Modelle ergänzen. Programme zur Beteiligung von Mitarbeitern am Unternehmenskapital sind vor allem in Deutschland kaum verbreitet.

Mitarbeiterkapitalbeteiligungen können jedoch ein wichtiger Baustein für die private Vermögensbildung und Altersvorsorge sein. Arbeitnehmer haben außerdem neben ihrem Gehalt ein weiteres Interesse am wirtschaftlichen Wohlergehen ihrer Unternehmen.

Die Digitale Soziale Marktwirtschaft ist das europäische Betriebssystem für die nächste Ära der Globalisierung. Sie braucht ein wirksames und effizientes Zusammenspiel komplexer Organisationen. Innovationen und Investitionen sind Pflicht, Verantwortungslosigkeit darf sich nicht lohnen!

Wenn wir die genannten Herausforderungen meistern, muss Europa keine Angst vor der Zukunft haben. Europa kann sozial bleiben und souverän werden.

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