Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gastbeitrag Armee-Mutter mit Sinn für die Realität

Seite 3 von 4:
Geifern gegen die „Merkel-Doktrin“

Dass alternativ hierzu Finanzminister Schäuble seiner Ministerkollegin auch nur einen müden Euro zusätzlich für die Umsetzung ihres Attraktivitätssteigerungsprogramms spendieren wird, lässt sich wohl getrost vergessen. Darüber hinaus ließen sich weitere Finanzmittel freisetzen, indem die in den letzten Jahren zwar schrittweise reduzierte, indes immer noch überdimensionierte Truppe weiter reduziert würde – auf etwa 120.000 Soldaten, mit denen eine Bundeswehr, die auf ihre klassische Zweckbestimmung der Verteidigung ausgerichtet und beschränkt wäre, ihren Auftrag professionell erfüllen könnte.

Beide Optionen treffen freilich auf den geballten Zorn der Schreibstubenbellizisten in den Redaktionen dieser Republik. Denn denen geht es um mehr, nämlich um nationale Interessen und das militärpolitische Gewicht der Berliner Republik – man will wieder Großmacht spielen, Seit‘ an Seit‘ mit der US-amerikanischen Hegemonialmacht. Und darum monieren sie den im Volke vorherrschenden Konsens der Friedfertigkeit, der kein „Militär will, das der Politik als Instrument dient“ und geifern gegen die sogenannte „Merkel-Doktrin“, das heißt gegen die Wiederentdeckung der während des Kalten Krieges so erfolgreich praktizierten „Kultur der Zurückhaltung in militärischen Angelegenheiten“ (obgleich letztere durch die in Kombination erfolgende Expansion deutscher Rüstungsexporte ein Stück weit konterkariert wird).

Doch ist bei den Propagandisten des „Global War on Terror“ und der „Responsibility to Protect“ die raison d’être der nach dem Desaster zweier Weltkriege in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts neu gegründeten deutschen Streitkräfte in totale Vergessenheit geraten. Der General, Friedensforscher und Militärphilosoph Wolf Graf von Baudissin hatte jene in Gestalt seiner Konzeption der „Inneren Führung“ mit dem „Staatsbürger in Uniform“ geliefert. Dabei ging es ihm im Wesentlichen darum, die neue Armee menschenrechtskompatibel (für die Soldaten), demokratiekompatibel (für die Gesellschaft) und friedenskompatibel (für die Weltordnung) zu strukturieren.

Auf den Punkt gebracht hatte der Generalleutnant von Baudissin die zentrale Zielbestimmung der „Inneren Führung“ mit der 1955 formulierten Devise, es ginge dabei um die „Entmilitarisierung des soldatischen Selbstverständnisses.“ Positiv gewendet bedeutet das: die Zivilisierung der Streitkräfte. In diesem Lichte besehen scheinen die Ambitionen der neuen Verteidigungsministerin mit der ursprünglichen Traditionslinie der Bundeswehr und den Vorgaben Baudissins fast kongenial zu korrespondieren.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Neue Maxime muss lauten: „Wir. Dienen. Dem Frieden!“
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Gastbeitrag - Armee-Mutter mit Sinn für die Realität

4 Kommentare zu "Gastbeitrag: Armee-Mutter mit Sinn für die Realität"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • HERR ROSE - SIE VERTRETEN DIE MEHRHEIT

    "Bleibt abschließend noch die selbigenorts gestellte Frage zu beantworten: „Wo kann die neue Bundeswehr in einer hochkomplexen Welt mit modernen, selbstbewussten Soldaten ein Instrument der Friedenssicherung sein?“ Ganz einfach: Dort, wo sie es seit ihrer Gründung schon immer war: Im Heimatland und in Europa. Und zwar defensiv, durch Abschreckung und im Notfall durch Verteidigung."

    Dies ist die Meinung der breiten Bevölkerungsmehrheit - quer über die politischen Fronten hinweg.
    Die Deutschen wollen eine Verteidigungsarmee -und mehr nicht.

    Aber die etablierten Parteien ignorieren - ganz undemokratisch- wie so oft die Meinung des Volkes wohl wissend dass es ohnehin keine funktionierende Demokratie in der BRD gibt und sie für ihre Politik ohnehin nicht bestraft werden und bauen die Bundeswehr zu einer internationalen Eingriffstruppe um, die dann im Dienste der US-Regierung und Nato überall auf der Welt Kriegsdienste verrichten darf.

  • HERR ROSE SIE VERTRETEN DIE MEHRHEIT

    "Bleibt abschließend noch die selbigenorts gestellte Frage zu beantworten: „Wo kann die neue Bundeswehr in einer hochkomplexen Welt mit modernen, selbstbewussten Soldaten ein Instrument der Friedenssicherung sein?“ Ganz einfach: Dort, wo sie es seit ihrer Gründung schon immer war: Im Heimatland und in Europa. Und zwar defensiv, durch Abschreckung und im Notfall durch Verteidigung."

    Dies ist die Meinung der breiten Bevölkerungsmehrheit - quer über die politischen Fronten hinweg.
    Die Deutschen wollen eine Verteidigungsarmee -und mehr nicht.

    Aber die etablierten Parteien ignorieren - ganz undemokratisch- wie so oft die Meinung des Volkes wohl wissend dass es ohnehin keine funktionierende Demokratie in der BRD gibt und sie für ihre Politik ohnehin nicht bestraft werden und bauen die Bundeswehr zu einer internationalen Eingriffstruppe um, die dann im Dienste der US-Regierung und Nato überall auf der Welt Kriegsdienste verrichten darf.

  • Na ja, wenn Naivität eine Tugend ist, hat der Autor hier seine Tugenhaftigkeit maximiert.
    Obwohl Vieles richtig ist, ist die Annahme eine deutsche Armee könne sich auf das eigene Territorium beschränken wohl reine opportunistische Nostalgie.
    Als die Bundeswehrdoktrin entwickelt wurde, da waren moderne Konflikte schlicht noch gar nicht vorstellbar.
    Heute ist es, durch die weltweite Vernetzung und das Transportwesen möglich jederzeit den Krieg irgendwo in der Welt zu uns zu tragen, wobei die Drahtzieher nicht mal die Kriegsregion verlassen müssen.
    Auch der saloppe Vorwurf, dann müsse die Bundeswehr keine Frauen und Kinder mehr töten ist an unverschämter Ignoranz wohl kaum noch zu überbieten.
    Sicher ist es wichtig zu vermeiden, das die Armee nicht zum bloßen Machtinstrument degeneriert, aber ebenso wichtig ist der Degeneration im Hirn vorzubeugen, die meint, dass Kampfeinsätze keine schmerzlichen Kollateralschäden verursachen oder gar ganz verzichtbar wären. Kommt es erst dazu, sind sie über kurz oder lang unvermeidbar, alles andere ist Selbsttäuschung!
    Die Amerikaner haben uns zwar mit dem Irakkrieg vorexerziert das es für Missbrauch keine Garantien gibt, aber das ändert nichts daran, dass wir es uns gar nicht leisten können wegzusehen, wenn sich irgendwo archaische Regierungen wie die Taliban etablieren oder das Risiko einzugehen, dass sie zum Flächenbrand werden.
    Die meisten Auseinandersetzungen nach dem kalten Krieg, gerade der Amerikaner, dienen der Begrenzung der Konflikte auf regionaler Ebene, damit die Aggressionen (egal ob berechtigte oder unberechtigte) und Machtkämpfe nicht durch weiteren Export gelöst werden können.
    Unser gesamter Wohlstand würde gefährdet, würde die Kontrolle der Weltsicherheit verloren gehen und mir ihr die behaglich ignorante deutsche Sicherheit.

  • Warum ist die Truppe Familienunfreundlich? Weil die Soldaten auf Geheiß unseres Bundestages in der ganzen Welt Angriffskriege begehen müssen. Weil die armen Schweine Interessen von Politikern mit Waffengewalt in fremden Ländern durchsetzen müssen.

    "Kein Krieg darf ohne Deutschland mehr ausgehen" - oder so ähnlich (frei nach Volker Pispers). Die Schweizer machen es richtig. Halten sich aus allem ideologischen Blödsinn raus (Kampfeinsätze, EU, Euro, Bündnisse,...) und trotzdem gehts den Alpenbewohnern hervorragend. Was wäre wenn Frau Merkel - angelhnt an die patriotischen Filme - vorne voraus in den Krieg ziehen müsste, gleich dahinter Frau von der Leyen? Ich glaube dann würde es ab morgen nie wieder Krieg geben! Das hätte ins Grundgesetz gehört: Wer Angriffskriege will, der soll ganz vorne in erster Reihe mit dabei stehen. Gebt Merkel ein (zielungenaues) G36.