Gastbeitrag Transatlantische Werte neu justieren

Seite 4 von 4:
„Green-Card“ für Europäer ist nicht in Sicht

Leider sind die USA und Europa sich auf diesem Feld noch nicht einig. Die EU-Kommission will den europäischen Arbeitsmarkt stärker öffnen, wird aber derzeit von verschiedenen Mitgliedsländern gebremst. Die von Brüssel propagierte Blue Card, die EU-Einwanderern die problemlose Mobilität in Europa ermöglichen sollte, ist ein Flop.

Amerika wiederum hat bislang eine sehr harte Politik gegenüber illegalen Einwanderern gefahren – unter keinem anderen US-Präsidenten gab es so viele Ausweisungen wie unter Obama. Zudem hält Amerika an einer tendenziell abwehrenden Einbürgerungsstrategie fest, obgleich das Land andererseits viele hochqualifizierte Fachkräfte und ausländische Hochschulabsolventen im Land halten will.

Es bestehen somit noch große Hindernisse auf dem Weg zu einem wirklichen transatlantischen Binnenmarkt. Wenn aber durch dieses Abkommen mehr Jobs geschaffen werden sollen, führt an einer fortschrittlichen Migrationspolitik kein Weg vorbei – davon würde auch die deutsche Wirtschaft erheblich profitieren.

Vielleicht kann die europäische Erfahrung des Binnenmarktprogramms auf das transatlantische Verhältnis übertragen werden. Wer heute die Frage stellt, warum die Einführung des EU-Binnenmarkts so erfolgreich verlief, wird feststellen, dass dieser Binnenmarkt auf einer vordergründig unpolitischen Initiative basierte - der Harmonisierung technischer Normen. Darauf hat Friedrich Merz, Vorsitzender der Atlantik-Brücke, schon vor längerer Zeit hingewiesen.

Eine solche Harmonisierung der technischen Geschäftsnormen könnte somit einen entscheidenden Impuls für die transatlantische Zusammenarbeit geben. So müsste zum Beispiel neu festgelegt werden, ob amerikanische Hühner für den Export nach Europa mit Chlor desinfiziert werden dürfen und welche Vorschriften für die Zulassung europäischer Medikamente in den USA gelten sollen. Klingt unspektakulär, aber durch harmonisierte Standards entscheiden sich die nun mal die Chancen vieler Erfindungen und Produkte – Amerika ist mit weitem Abstand der wichtigste Handelspartner für Deutschland.

Abgesehen davon, werden Deutschland und die USA natürlich weiterhin zusammenarbeiten, in einer Vielzahl von Projekten, wirtschaftlich, politisch, kulturell. Sie sind verwoben durch Millionen von Arbeitsplätzen, durch Joint-Ventures, Austauschprogramme, Interessenverbände und Initiativen. Dieses gemeinsame Band ist sehr stark.

Der Findungsprozess für die deutsch-amerikanischen Beziehungen des 21. Jahrhunderts wird freilich weitergehen. Wenn die Deutschen daran festhalten wollen, dass die transatlantischen Beziehungen tatsächlich etwas Besonderes sind, dann müssen wir alle an diesem Verhältnis arbeiten – als selbstbewusste Bürger. Nichts geschieht von selbst. Erst recht nicht in der Völkerverständigung.

Tasso Enzweiler ist Mitglied der Atlantik-Brücke e.V. und langjähriger Strategieberater. Vor seiner Beratertätigkeit hat er als Journalist gearbeitet und war FTD-Chefreporter.

Startseite
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Gastbeitrag - Transatlantische Werte neu justieren

2 Kommentare zu "Gastbeitrag: Transatlantische Werte neu justieren"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Weeerttteee???

    Das ist ja wohl Sarkasmus pur.

    Welche Werte denn? Der Westen hat alle wirklichen Werte verloren.

  • Ich traue unseren Eliten nicht zu, das sie es schaffen nicht von den Amis über tisch gezogen zu werden..... die reibungshitze verkauft man uns eher noch als Nestwärme

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%