Gastbeitrag Klaus F. Zimmermann „Griechenlandisierung der USA verhindern“

Die Beschäftigungskrise und die Staatsschulden sind für Barack Obama die größten Herausforderungen seiner zweiten Amtszeit. Denn sie bedrohen den Glauben an die Zukunftsfähigkeit des amerikanischen Modells.
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Klaus F. Zimmermann, Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) und Wirtschaftsprofessor der Universität Bonn. Quelle: dapd

Klaus F. Zimmermann, Direktor des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) und Wirtschaftsprofessor der Universität Bonn.

(Foto: dapd)

Die Amerikaner geben Barack Obama, wenn auch nur knapp, eine zweite Chance. Eine große Herausforderung das zu verwirklichen, was er schon zuvor versprochen hatte, nämlich die Supermacht aus einer ihrer härtesten Wirtschafts- und Beschäftigungskrisen herauszuführen. Darüber hinaus wird er den Grundstein für eine fiskalische Stabilisierung legen müssen, die eine Griechenlandisierung Amerikas vermeidet. Dies könnte zu einer Sisyphos-Aufgabe werden, die die Demokraten langfristig aus der Regierung drängt.

Denn trotz einer scheinbar langsamen Erholung des darnieder liegenden Arbeitsmarktes sind die Ausgangsbedingungen für einen Durchbruch bei diesen Aufgaben keineswegs günstig. Noch immer fehlen bis zu vier Millionen Jobs, um wenigstens das Beschäftigungsniveau vor der großen Krise zu erreichen. Doch für einen schnellen Aufschwung gibt es allenfalls schwache Anzeichen, die Schleifspuren von Immobilien- und Finanzkrise sind noch tiefer als befürchtet. Selbst wenn  die  Arbeitslosenquote inzwischen unter die kritische Marke von zehn Prozent gefallen ist, die vor zwei Jahren gemeldet wurde, so ist das momentane wirtschaftliche Wachstum doch deutlich zu gering, um eine durchgreifende Wende auf dem Stellenmarkt zu ermöglichen.

Und so hat die Langzeitarbeitslosigkeit inzwischen ein für die USA bislang ungekanntes Ausmaß erreicht. Dieses Problem hat man in den USA, gerade auch aus Sicht der Wirtschafts- und Wissenschaftseliten, lange nur für ein europäisches Problem gehalten. Inzwischen stellt sich nicht nur die Frage nach den Beschäftigungsaussichten weißer Männer über 50, sondern – angesichts des akademischen Erfolges junger Frauen – immer stärker auch die Frage, wie es um die berufliche Zukunft junger Männer ganz grundsätzlich bestellt ist.

Zwar finden Collegeabgänger weiterhin Jobs, aber immer mehr eher auf dem Niveau von Aushilfsjobs und im Metier ungelernter Arbeitskräfte. Dies führt zu einem Verdrängungseffekt bei den weniger Qualifizierten und mittelbar zu beträchtlichem sozialen Sprengpotenzial.

"Immer weniger  junge Amerikaner schließen ein Studium ab"
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13 Kommentare zu "Gastbeitrag Klaus F. Zimmermann: „Der Präsident muss sein Versprechen einlösen“"

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  • Die Sozialwissenschaftler, und dazu zähle ich ausdrücklich
    auch die Ökonomen!,gehen mir zunehmend auf die Nerven.
    Sie können dir alles mit wohlgesetzten Worten erklären,
    was in der Vergangenheit liegt. Sehr präzise kannst du
    nachlesen, was alles schief gelaufen ist und warum,aber
    hilft das irgendwem weiter?
    Mit ihren Prognosen und Rezepten liegen sie sehr häufig falsch,da Prognosen deshalb so schwierig sind, weil sie die
    Zukunft betreffen!
    Eine Glaskugel-Wissenschaft.
    Wozu braucht man die?

  • Ich staune manchmal, was Professoren so analysieren.
    Unstrittig ist doch, dass die USA durch die geführten und
    noch andauernden Kriege und den militärisch industriellen
    Komplex eine enorm hohe Staatsverschuldung aufgebaut haben.
    Die Regierung hat nach der von Spekulanten verursachten
    Finanzkrise hohe Mittel investiert, um Banken zu stützen
    und Unternehmen wie z.B. GM nicht absaufen zu lassen.
    Das sind zunächst Schulden im Haushalt, aber auch Kredite,
    die zurück gezahlt werden müssen und ja auch gezahlt werden.
    So haben ja etliche Banken ihre Schulden schon wieder
    ausgeglichen.Die USA haben allerdings zu Gunsten des Finanzsektors und den Dienstleistungen die industrielle
    Basis,aus dem der Wohlstand entstanden ist, kaputt gehen
    lassen.Die Dotcom-Industrie schafft viel zu wenige Arbeitsplätze. Da sind dann vielleicht hippe Firmen wie
    Appel oder Facebook entstanden, mit riesigen Börsenwerten.
    Im Grunde jedoch nur Papier. Der Dienstleistungssektor war und ist nicht in der Lage,all die Arbeitsplätze zu ersetzen,die im industriellen Sektor verloren gegangen sind.Zumalja hier nur wenig produziert wird.
    Also gibt es nur eine Lösung,industrielle Arbeitsplätze,
    dazu Mittelständische.Ich bin nicht so vermessen, zu behaupten, das deutsche Modell wäre gut.Aber mit einem
    hohen industriellen Anteil von rund 25 % der Wirtschaftsleistung steht D, verdammt gut da.Die Amis sind bestimmt nicht so blöd, sich das nicht genauer anzusehen.
    Aber ob sie dazu Professoren benötigen, ich weiß nicht recht.Wenn es jedoch eine Nation schafft, dann die Amis.

  • Im Prinzip können doch alle Länder weiter Schulden machen.
    Das Problem ist doch dass ihnen keiner mehr Geld gibt (oder in absehbarer Zeit geben wird) es sei denn zu horrenden Zinsen.

    Wer hindert denn z.B. Griechenland Geld aufzunehmen?
    Niemand.
    Sie bekommen am Kapitalmarkt einfach keines mehr.

    Da sind doch alle Proteste gegen die Sparbeschlüsse nur noch lächerlich.
    Die Sparbeschlüsse sind doch dazu nötig dass sie von anderen Ländern solidarisch noch halbwegs so hoch über dem Wasser gehalten werden dass sie nicht ertrinken.

    Sparen, und zwar richtig, ist also unabdingbar.

    Auch eine Konkurs würde nur sparen zur Folge haben und zwar noch viel härter als das so der Fall ist.

    Es gibt zwar eine ganze Reihe Leute die Staatsschulden für etwas Richtiges halten.
    Das ist Unsinn.
    Klar muss ein Staat, in der Krise, auch mal Schulden machen. Aber eben nur dann.

    Macht er das auch schon vor der Krise dann gibt ihm in der Krise keiner mehr etwas.
    Genau in der Situation ist Griechenland.
    Andere werden, wenn sie nicht schnellstens umsteuern, in die gleiche Lage geraten.

  • @AxelSiegler
    Super Beiträge, meine Zustimmung.

    Vom "faulen Land" mal abgesehen, ich würde es eher parasitär nennen.

  • "Griechenlandisierung" verbaler Faschismus und christlicher Eifer sind schlichtweg unegründlich.

  • 2) Keynes wird nicht dadurch richtiger, dass man ihn nun immer wiederkaut: es ist die ewige linke Lebenslüge - und so beliebt, da es dem linken Räuberinstinkt den bequemsten Weg aufzeigt, auf Kosten anderer zu leben: auf Kosten der Zukunft, der nachwachsenden Generationen - oder eben der Gläubiger, die man dann noch dafür beschimpft, dass sie doch glatt ihr Geld zurück haben wollen! "Wachstum" auf Schulden ist wie Rausch auf Drogen - auch wenn der Enzug weh tut: es führt kein Weg daran vorbei! Und wie beim Enzug gibt es keine Abkürzung: man muss die Talsohle durchschreiten! Und wer mit Blick auf Europa von "Sparen" redet, hat sowieso jeden Bodenkontakt verloren. Bsp Griechenland: Wer jahrzehntelang über seine Verhältnisse gelebt hat, der soll jetzt gefälligst die nächsten Jahrzehnte UNTER seine Verhältnisse leben - das ist ein Gebot der Gerechtigkeit. Es darf da nicht weiteer mit neuen Schulden ein grassierendes Beamtentum finanziert, groteske Sozialprivilegien aufrechterhalten werden. Dieses faule Land muss sich jetzt gesundschrumpfen: Weniger Beamte, weniger Gesetze, billigere Löhne, die der Wettbewerbsfähigkeit des Landes entsprechen. Das einzige, was dagegen spricht und dieses allzu notwendige Rezept verhindern wird, ist die arrogante linke Gier der dortigen Menschen, weiterhin auf Kosten anderer über ihre Verhältniss zu leben!

  • .. angesichts der Netiquette erspar'ich uns allein lieber, welche Art Mischung Ihre Auslassungen sind. Für den aufgeschlossenen Leser mit etwas gesundem Menschenverstand dennoch zwei Punkte:
    1) Der ArbeutNEHMER steht immer unter dem Unternehmer: eine Gesellschaft aus lauter Einzelunternehmern ist möglich - eine Gesellschaft aus ArbeitNEHMERN nicht! Wie sehen denn die Grundkausalitäten aus: ein Mensch hat (Grund-)Bedürfnisse, die er befriedigen muss - dank (monetärer) Arbeitsteilung kann er sich dabei auf eine Bedürfnisbefriedigung konzentrieren, um im Austausch mit anderen seine übrigen Bedürfnisse zu befriedigen. Grundsätzlich liegt es also an jedem selber, eine Möglichkeit der Bedürfnisbefriedigung (also: ein PRODUKT) zu finden, dieses am Markt anzubieten und aus den Erlösen seinen Lebensunterhalt zu bestreiten und wenn möglich für die Zukunft zu sparen. Es kann also von jedem erwartet werden, selber unternehmerische Risiken einzugehen - statt sich ins gemachte ArbeitNEHMERnest zu setzen und es einem Unternehmer zu überlassen, einen Weg zu finden, wie man am sich am Markt beteiligen kann. Wenn er die letztere, also bequemere Alternative wählt, kann er dieses Angebot also entweder annehmen oder ablehnen - es wird seine Situation letztlich also nicht verschlechtern. AUF KEINEN FALL aber kann er mit der linken Brechstange kommen und dieses Angebot zu seinen Gunsten MIT ZWANG UND GEWALT abändern. Wenn ihm dieses (Arbeits-)Angebot und auch kein anderes zusagt, kann er genauso wie der Unternehmer, selber als Marktteilnehmer tätig werden ... alles andere ist reine Unterdrückung und mithin: Wohlstandsverlust!

  • ..völliger nonsens, was Sie da reden.

    Der Druck auf die Löhne kommt doch von außen. Die EU konkurriert mit Ländern wie China, die aufgrund von sklavenähnlicher Menschenhaltung ("Sonderzonen")und völligem Desinteresse beim Umweltschutz und anderen verzerrenden Wettbewerbsfaktoren europäische Unternehmen zu Tode konkurrieren.

    Dazu kommt noch Patentklau.

    Die (undifferenziert) offenen Märkte sind absulter Wahnsinn und haben beispielsweise die USA zu einen fast Industriefreien Land gemacht, was Obama jetzt zu ändern versucht.

    Die Politik der offenen Märkte dient vorrangig den Konzernen und Aktionären. Für die breite Bevölkerung ist sie - unter dem Strich gesehen - eine Katastrophe.

    Nicht die Löhne sind zu hoch - die Preise sind zu niedrig.

    Was nutzen die tollen Exporte, wenn der Wohlstand der Bevölkerung sind gleichzeitg auflöst, wie es hier der Fall ist.

    Die Gewinne aus dem Exportboom hängen an Wenigen, die das Land/Europa jederzeit verlassen können.

  • @Axel Siegler

    Ihre Statements sind eine Mischung von Unwissenheit und Propaganda. Sie tun so als sei Unternehmertum ein Selbstzweck. Nein es dient bzw. hat der Gesellschaft zu dienen, indem es in Produkte investiert und diese am Markt anbietet. Dazu braucht es aber Nachfrager, die soviel Geld in der Tasche haben, dass sie sich etwas leisten können. Und das ist nur der Fall, wenn Unternehmer angemessene Löhne zahlen. Ihre klassenkämpferische Anspielung ArbeitNEHMER würden halt eben nur immer nehmen, ist geradezu albern.

    Sie sind offensichtlich auch einer von denen, die den Leuten weismachen wollen Staatsverschuldung sei der Untergang des Abendlandes. Aus makroökonomischer Sicht ist das falsch, weil hier Schulden fälschlicherweise mit Schuld oder Mangel assoziiert werden. Das mag ja für Privatpersonen zutreffend sein, für Staaten ist es das nicht. Staaten müssen sich in Krisenzeiten verschulden. Denn was passiert denn, wenn wie jetzt in ganz Europa gespart und Schulden abgebaut werden? Es führt die Wirtschaft in eine Rezession. Denn, wenn alle sparen Unternehmen, Private und der Staat, wer investiert denn dann noch in die Realwirtschaft? Hier hat der Staat seine ureigenste Funktion, die Konjunktur zu beleben. Spart er mit allen anderen, sparen sich alle gemeinsam kaputt. Da muss man kein Wirtschaftsprofessor sein, um das zu verstehen.

  • ... dann sollten sich endlich'mal einige der achso bequemen "abhängig Beschäftigten" selbstständig machen ... und das Unternehmerdasein'mal am eigenen Leib erfahren, statt immer nur'rumzujammern! Das Lohnniveau ist solange zu hoch wie sich das Verhältnis ArbeitNEHMER-Unternehmer nicht endlich zugunsten der Unternehmerzahlen ändert! Solange allzuviele den bequemen Weg gehen, ist es nur richtig, dass dieser bitteschön immer steiniger wird!

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