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Gastbeitrag Klimaschutz im Verkehr braucht mehr als nur E-Mobilität – sonst wird es sehr teuer

Die Fokussierung auf die Elektromobilität ist nicht zielführend. Auch die Nutzung von Alternativen zu fossilen Energieträgern sollte vorangetrieben werden.
  • Elmar Baumann
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Elektromobilität, Biokraftstoffe und strombasierte Kraftstoffe müssen sich ergänzen, um die benötigten Mengen erneuerbarer Energie für den Verkehr zu liefern. Quelle: dpa
Elektroauto lädt an Ladestation

Elektromobilität, Biokraftstoffe und strombasierte Kraftstoffe müssen sich ergänzen, um die benötigten Mengen erneuerbarer Energie für den Verkehr zu liefern.

(Foto: dpa)

Wie kann Deutschland das Ziel erreichen, in den kommenden zehn Jahren die Emissionen im Straßenverkehr drastisch zu senken? Für die Bundesregierung scheint es eine vorrangige Antwort zu geben: Sie unterstützt den Ausbau der Elektromobilität mit Milliardensubventionen für Ladeinfrastruktur und Verkaufsprämien. Ihr Ziel ist, dass im Jahr 2030 rund zehn Millionen Autos mit elektrischem Antrieb auf Deutschlands Straßen fahren. Aber genügt das, um die Klimaschutzziele zu erreichen?

Wohl kaum. Denn selbst unter optimistischen Annahmen in Bezug auf den Hochlauf der Elektromobilität verbleiben rund 40 Millionen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, die Kraftstoffe als Energieträger einsetzen. Bisher fahren Autos zu rund 95 Prozent mit fossilem Diesel oder Benzin, was riesige Treibhausgasemissionen verursacht.

Eine verbesserte Effizienz der Motoren reicht ebenso wenig wie Verkehrsvermeidung und -verlagerung sowie der Ausbau der E-Mobilität für die erforderliche Senkung der Emissionen aus. Daher muss die Bundesregierung zusätzlich den Anteil erneuerbarer Kraftstoffe massiv erhöhen. Schließlich darf nur noch eine begrenzte Menge Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen, um den Klimawandel zu begrenzen und die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen.

Die wichtigste Alternative zu fossilem Benzin und Diesel sind bislang Biokraftstoffe: Rund 90 Prozent der erneuerbaren Energien im Verkehrssektor liefern derzeit Biodiesel und Bioethanol. Im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen stoßen sie je nach Rohstoff 65 bis 95 Prozent weniger Treibhausgase aus.

Ihre Produktion unterliegt strengen gesetzlichen Nachhaltigkeitsregeln: Für Biokraftstoffe dürfen keine besonders schützenswerten Flächen wie Regenwälder, Torfmoore oder Grünland geopfert werden. Weltweit überprüfen Zertifizierer, ob die Rohstofflieferanten diese Vorgaben einhalten.

Wird Raps für die Biodieselherstellung eingesetzt, entstehen gleichzeitig eiweißreiches Tierfuttermittel sowie Glycerin für Kosmetika und die chemische Industrie. Die wirtschaftlichen Impulse aus dem Betrieb der Biokraftstoffanlagen belaufen sich in Deutschland jährlich auf rund 2,76 Milliarden Euro.

Einsatz von Biokraftstoffen ist begrenzt

Um eine realistische Chance zu wahren, das Klimaziel des Verkehrs im Jahr 2030 zu erfüllen, muss die Bundesregierung neben allen anderen Maßnahmen die Nutzung von Biokraftstoffen beibehalten und sinnvoll ausbauen. Der Einsatz von Biokraftstoffen ist aber begrenzt: Legt man die nachhaltig verfügbaren Rohstoffpotentiale zugrunde, kann zwar mehr als die Hälfte der für das 2030-Klimaziel erforderlichen erneuerbaren Kraftstoffe durch konventionelle und fortschrittliche Biokraftstoffe gedeckt werden.

Darüber hinaus sind auch signifikante Mengen an strombasierten Kraftstoffen wie Power-to-Gas (zum Beispiel Wasserstoff) und Power-to-Liquid notwendig, die aber bislang noch nicht im industriellen Maßstab produziert werden. Flüssige und gasförmige Kraftstoffe werden auch langfristig benötigt für Nutzungen wie den Straßengüterverkehr, Luft- und Schifffahrt. Damit zahlen sich Investitionen in diese Energieträger dauerhaft aus. Elektromobilität, Biokraftstoffe und strombasierte Kraftstoffe müssen sich also ergänzen, um die benötigten Mengen erneuerbarer Energie für den Verkehr zu liefern.

Erreicht die Bundesregierung ihre Klimaschutzziele nicht, wird es teuer: Deutschland ist durch die europäische Lastenteilungsverordnung gesetzlich verpflichtet, in den Bereichen Gebäude, Verkehr und Landwirtschaft insgesamt den Treibhausgasausstoß um 38 Prozent im Vergleich zum Jahr 2005 zu senken. Auch allen anderen EU-Mitgliedstaaten ordnete die EU individuelle Ziele zur Treibhausgasreduktion zu.

Wenn ein Mitgliedstaat dieses Ziel übererfüllt, kann er die überschüssigen Reduktionsmengen an Länder verkaufen, die ihre Vorgaben nicht einhalten. Derzeit sieht es nicht so aus, als könne Deutschland sein Ziel auch nur annähernd erreichen. In der Folge wird die Bundesregierung also Emissionsrechte von anderen EU-Mitgliedstaaten erwerben müssen.

Experten gehen davon aus, dass dadurch bis 2030 auf den Bundeshaushalt Belastungen von insgesamt bis zu 60 Milliarden Euro zukommen. Biokraftstoffe allein können selbst nach konservativen Annahmen bis zum Jahr 2030 Treibhausgaseinsparungen von rund 100 Millionen Tonnen erbringen.

Damit erzielen sie einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge Einsparungen für den Bundeshaushalt von bis zu 10,3 Milliarden Euro. Um das Klima und den Bundeshaushalt zu schonen, müssen alle Alternativen zu fossilen Energieträgern genutzt werden – eine einseitige Fokussierung auf E-Mobilität ist nicht zielführend und wird sehr teuer. Klimaschutz im Verkehr durch Biokraftstoffe lohnt sich.

Elmar Baumann ist der Geschäftsführer beim Verband der deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB).

Mehr: Wirtschaftsminister Altmaier will den „grünen Wasserstoff“ aus der Nische holen und ihn über den Labormaßstab hinaus produzieren. Die Branche betrachtet das mit Wohlwollen.

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