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Trockenheit in der Landwirtschaft

In fast allen EU-Staaten sind Landwirte von der Versicherungssteuer befreit.

(Foto: dpa)

Gastbeitrag Landwirte brauchen Sicherheit, keine Almosen

Die Dürre hat diesen Sommer große Schäden verursacht. Helfen könnte auch eine Dürreversicherung, doch die haben nur wenige deutsche Bauern.
  • Rainer Langner
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Zwei Fragen will Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bei der Vorstellung des Ernteberichts an diesem Mittwoch beantworten: Wie sehr hat die monatelange Dürre die Ernte beeinträchtigt? Und mit welchen Hilfen können die betroffenen Landwirte rechnen?

Die erste Antwort lässt sich wissenschaftlich hochrechnen, die zweite Frage muss hingegen politisch beantwortet werden. Natürlich ist zu begrüßen, dass die Bunderegierung Landwirte schnell und unbürokratisch unterstützt, wenn sie infolge der monatelangen Dürre in besondere Existenznöte geraten sind.

Dr. Rainer Langner ist Leiter des Expertennetzwerks Landwirtschaft im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV). Quelle: GDV
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Dr. Rainer Langner ist Leiter des Expertennetzwerks Landwirtschaft im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV).

(Foto: GDV)

Andererseits stoßen staatliche Hilfen nach Wetterextremen – in diesem Jahr Dürre, im vergangenen Jahr Frost – bei anderen Branchen und in der Öffentlichkeit zunehmend auf Kritik. Auch für die Landwirte ist das aktuelle System staatlicher Ad-hoc-Hilfszahlungen keine nachhaltige Lösung. Es degradiert sie zu Bittstellern und macht ihre Existenzsicherung von politischen Mehrheiten abhängig.

Wenn wir davon ausgehen, dass klimabedingte Schäden künftig tendenziell häufiger auftreten und größere Werte vernichten, brauchen wir einen Paradigmenwechsel. Den Ex-post-Hilfen muss ein funktionierendes System vorausschauender Vorsorge entgegengesetzt werden, das den Landwirten Planungs- und Rechtssicherheit gibt.

Wie die Landwirte das Risikomanagement in die eigenen Hände nehmen können, zeigt das Beispiel unserer europäischen Nachbarn: In fast allen EU-Staaten sind Landwirte von der Versicherungssteuer befreit. Drei Viertel der Staaten – darunter Frankreich, Italien, Spanien, Polen, Österreich oder die Niederlande – zahlen ihren Landwirten einen Zuschuss für Mehrgefahrenversicherungen, die Wetterrisiken einschließen – auch Trockenheit.

„Wir wollen feststellen ob die Dürre ein nationales Ausmass hat“

Weil in Deutschland eine solche finanzielle Unterstützung bislang fehlt, ist so gut wie kein landwirtschaftlicher Betrieb gegen Dürre versichert – obwohl gerade durch sie die größten Schäden entstehen.
Eine von Staat und Landwirtschaft kofinanzierte Risikovorsorge würde die höchst kontroverse Diskussion um staatliche Nothilfen nach Wetterextremen beenden.

Sie würde den Landwirten in Deutschland einen rechtssicheren Anspruch auf Entschädigung nach Wetterextremen verschaffen, den aktuellen Wettbewerbsnachteil im europäischen Binnenmarkt ausgleichen und die Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft gegenüber den Einflüssen des Klimawandels langfristig stärken.

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