Gastbeitrag US-Wirtschaft bleibt auf Drogen

Finanz-Anabolika statt Entzug: Die US-Notenbank hält an ihren Anleihekäufen fest. Das ist überraschend, meint Ulrich Kater. Doch für den Deka-Chefvolkswirt ist das noch lange kein Beinbruch.
  • Ulrich Kater
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"Die Fed spielt auf Sicherheit"

Alles dreht sich bei Notenbanken um Kommunikation. Da bemühen sich die Zentralbanken, Märkte und Wirtschaft an die Hand zu nehmen und ihnen über den Kurs der Geldpolitik eine langfristige Orientierung zu geben. Und dann das: Die schon sicher geglaubte Reduzierung der Anleihekäufe findet erst einmal nicht statt, auch nennt die US-Notenbank kein Datum für einen solchen Schritt. Der Markt ist, gelinde gesagt, überrascht. Renditen von Staatsanleihen stürzen ab, an den Devisenmärkten verliert der US-Dollar mehr als einen Cent gegenüber dem Euro.

Hieraus lässt sich erst einmal ableiten, dass auch Notenbanken auf Sicht fahren müssen. Wer meint, die Notenbanken verfügen über bessere Daten, bessere Modelle oder besseres Erfahrungswissen als die anderen Teilnehmer der Finanzmärkte, findet wieder einmal einen Beleg dafür, dass dem nicht so ist. Die jüngsten US-Wirtschaftsdaten waren nicht mehr überzeugend genug, um mit der Reduzierung des geldpolitischen Stimulus beginnen zu müssen. Hier hatten sich die bisherigen Kommentare aus dem US-Zentralbankrat, nicht zuletzt auch von Präsident Bernanke, zu weit vorgewagt.

Ulrich Kater: Chefvolkswirt bei der Deka Bank. Quelle: PR

Ulrich Kater: Chefvolkswirt bei der Deka Bank.

(Foto: PR)

Insbesondere am US-Häusermarkt gab es zuletzt Zeichen von einer Verlangsamung der Erholung. Dies hatte die Fed in ihrem Statement aufgenommen, indem sie andeutete, dass erst die Wirkung der gestiegenen Marktzinsen auf die Wirtschaft abgewartet werden solle, bevor man mit dem Vorhaben der geldpolitischen Straffung fortfahre.

Wie geht es nun weiter? Der eine oder andere mag sich bei dieser Episode ein wenig an die Europäische Zentralbank erinnert gefühlt haben. Die hatte noch unter ihrem damaligen Präsidenten Trichet im Spätsommer 2011 den Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik gesucht und auch bereits zwei Zinserhöhungen vorgenommen, bevor sich die Wirtschaftsdaten rapide verschlechterten. Trichets Nachfolger Draghi schlug denn auch ganz schnell die Gegenrichtung ein.

Sind das alles Anzeichen dafür, dass diese extreme Geldpolitik überhaupt nicht mehr aufgegeben werden kann, wie es einige Beobachter befürchten? Ich glaube das nicht. Es gibt eine Reihe von wirtschaftlichen Entwicklungen, die – zumindest in den Vereinigten Staaten – darauf hindeuten, dass die wirtschaftliche Erholung von der Finanzkrise weitergeht. Möglicherweise aber eben nicht so schnell wie die Marktteilnehmer jetzt gedacht hatten.

Wurde der Zombifizierung der Banken vorgebeugt?
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14 Kommentare zu "Gastbeitrag: US-Wirtschaft bleibt auf Drogen"

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  • Konjunkturen und Krisen sind nur eine Funktion der Geldmenge; don´t worry about that: Bernanke setzt nur die Illusionen des Geldgurus Alan Greenspan, der inzwischen allerdings auch öffentlich bedauert, fort. Das Gängelband, an dem die FED-Politik hängt, ist allerdings im US-Kapitalismus üblich: Die totale Verschränkung von Politik, Großkapital und universitärem Sachverstand.In dem Dokumentarfilm "inside jobs" zeigt Ferguson, wie diese Allianz die Masse der Marktteilnehmer zu überzeugen versucht, daß jede Regulierung der Finanzmärkte von Übel ist, weil die sich am besten selbst regulieren. Wir beobachten ja das gleiche Phänomen jetzt in Europa und am Kopf dieses Phänomens sehen wir mit Mario Draghi einen Schüler berühmter Protagonisten des US-Kapitalismus wie Goldman Sachs, den nach HB größten Profiteur der Euro-Krise. Wie hoch die Schulden in den G 7-Ländern sind, will hier jemand wissen; wie hoch sie in Europa sind, weiß niemand; die Eurokratie gibt sie mit insgesamt 7,0 Bio. Euro an, aber so hoch sind allein die externen und internen (gegenüber den Sozialkassen) Schulden dieses Staates. In einem FAZ-Interview bezifferte der Generationenforscher Prof. Kotlikoff von der Uni Boston die US-amerikanischen Schulden mit 130,0 Bio. US-$ oder mehr als 1000% des BIP. Das alles ist vermutlich auch der Mme Lagarde bekannt, es macht mich aber überhaupt nicht stutzig, daß sie den Kurs des Bernanke noch lobt, es ist ja auch der Crash-Kurs der Eurokratie und des IWF mit allen Dilettanten in den nationalen Parlamenten im Schlepptau, die vermutlich noch nie etwas verstanden haben. Mütterchen Alternativlos von der Berliner Museumsinsel will jetzt aussteigen: Sie verhandele zukünftig nicht mehr mit dem Operettenkabinett des Barroso (HB vom 19.09.2013) Jedes 1/2 % Zinserhöhung bedeutet deshalb einen Sprengsatz für alle Volkswirtschaften des Westens – bin mal gespannt, wie lange dieser Blindenkurs noch hält, lange kann´s nicht mehr dauern.
    Grüße von der AfD
    Klaus Peter Kraa

  • "Sind das alles Anzeichen dafür, dass diese extreme Geldpolitik überhaupt nicht mehr aufgegeben werden kann, wie es einige Beobachter befürchten? Ich glaube das nicht."
    Ich bin zwar kein "Experte", aber 1+1 kann ich schon noch zusammenzählen:
    Die Gesamtverschuldung der G7 Länder beträgt 140.000 Milliarden Dollar.
    Eine Zinserhöhung um nur ein Prozent bedeutet eine finanzielle Mehrbelastung dieser Wirtschaften um 1400 Milliarden Dollar.
    Der "Experte" meint also, daß die gesättigten Märkte eine solche ZUSATZbelastung pro Prozentpunkt tragen können.
    Ich weiß nicht wo der lebt, aber sicher nicht in der realen Welt.

    Es ist erstaunlich, wie viele sich noch immer verar...en lassen.
    ES GIBT AUF EINEM BEGRENZTEN PLANETEN KEIN EWIGES EXPONENTIELLES WACHSTUM!
    DAS WESTLICHE GELDSYSTEM IST EIN PYRAMIDENSYSTEM. SOBALD DIE WIRTSCHAFT NICHT MEHR EXPONENTIELL WEITERWACHSEN KANN, ETWA WEGEN GESÄTTIGTER MÄRKTE, IST DAS SYSTEM AM ENDE, WAS ETWA ALLE 70 JAHRE EINTRITT.

    KLÜGER WÄRE ES, DIESES SYSTEM DAS DEN PLANTETN ZERSTÖREN WIRD UND UNSER ALLER LEBEN IMMER OBERFLÄCHLICHER UND MATERIALISTISCHER MACHT, ABZUSCHAFFEN UND SICH GEDANKEN ÜBER ALTERNATIVEN ZU MACHEN.

    Allerdings gibt es da für die Globalisten, sehr viel zu verlieren und sie werden ihr Beraubungssystem von fleißig zu reich niemals kampflos aufgeben. Lieber zerstören sie den Planeten.

  • Jefferson würde heute von den Ziomedien als Verschwörungstheoretiker bezeichnet werden...

  • Sie können ja den leuten den tipp geben sich goldschmied fabian und prof. bernd senf -tiefere ursachen der krise- anzuschaun. Die erklären das zinsgeldsystem leicht verständlich

  • Jefferson hatte erstaunlich guten Durchblick, besser als alle unsere sogenannten "Experten" zusammen. Man koennte fast meinen das er diese Zeilen rueckblickend auf unsere heutige Zeit geschrieben hat.
    Leider gibt es Politiker von diesem Kaliber nur einmal alle 100 Jahre und in Deutschland/Europa/USA ist so eine(r) nicht in Sicht. Dafuer habe wir Mutti, Laber P€€R und Luegen Schaueble. Im Rest Europas oder USA sieht es auch traurig aus. Absahner, Luegner, Abnicker, Heuchler, Manipulatoren, Kriegstreiber, Guenstlinge, Schieber wohin man schaut. Die Politik scheint immer ein besondere Sorte Mensch nach oben zu spuelen, selten das es mal anstaendige Menschen mit Fachkenntnis schaffen.

  • Ich kann auch immer wieder nur staunen, es gab vor der Gründung der FED eine Zeit, in der um die Hoheit der Geldschöpfung hart gerungen wurde - eben genau in dem Wissen, dass es eine schicksalsentscheidende Frage ist. Es gab erstaunlich voraussehende Wissenschaftler, Politiker und Unternehmer mit Konzepten, die der grenzenlosen Gier nur ein lauwarmes Versprechen von ...Stabilität... entgegenzusetzen hatten.

    Wir wissen, wie die Geschichte ausgegangen ist - der Geldadel hat sich durchgesetzt, die FED wurde gegründet. Die Frage der Geldschöpfung ist die absolut alles entscheidende und sie ging verloren, an die Geschäftsbanken unter der "Kontrolle" der FED und die Zentralbanken, dieses System wurde weltweit kopiert. In diese Zeit sind wir alle hineingeboren und verstehen und hinterfragen dieses System nicht mehr. Es lief ja auch eine ganze Weile gut. Wir geben dem Euro die Schuld, der Konjunktur, verantwortungslosen Staatslenkern... und sehen nicht die zwingenden Fehler im System selber.

    Jetzt sind wir in einer Phase, in der die Zentralbanken nur noch Drogen spritzen können, um das Ende hinauszuzögern. Jeder kann sich jetzt nochmal die Taschen vollstopfen, der nächste Bust ist der letzte...

  • Erst werden noch die Vermögen der Sparer vernichtet!!!

  • Irgendwann ist "Zahltag". Weltweites Spielcasino hat am "Zahltag" alle Werte der Sparer verzockt. Und die Politik, die ach den Bürger so im Auge hat, schaut zu!!!!!

  • Hat wirklich jemand geglaubt, Bernanke wolle sich mit einem Crash verabschieden?

    Der Mann scheidet im Februar aus dem Amt aus. Dann kommen Vorträge, Gutachten, wissenschaftliche Ehrungen ...

    und 1 - 2 Jahre bis die Blase platzt. Diese Blase gehört seinem Nachfolger. siehe Greenspan.

    So einfach ist das.

    Die Fed wird solange die aktuelle Politik verfolgen, bis die Blase von platzt. Den Schuh des Verursachers des unausweichlichen Crashs wird sich kein Notenbanker anziehen.

  • Das Inflationspotential ist gigantisch, wir sind im größten geldpolitischen Experiment seit Gründung der FED gefangen. Gegenwärtig finden absurde Massen Giralgeld ihren Weg in Finanzprodukte. Sickern diese Geldmassen in den Realwirtschaft - und keiner weiß, wie schnell das passiert - dann erwartet uns eine in der Nachkriegszeit beispiellose Inflation.

    Da dieses Experiment - oder auch Verzweiflungstat - auf globaler Ebene stattfindet spielt es auch keine Rolle, in welchem Wirtschafts- oder Währungsraum es zuerst anfängt, es wird uns erreichen und es wird das Ende unseres Geld- und Finanzsystems einläuten. Das System ist nicht nachhaltig - es muss zerbersten. Und das wird es auf globaler Ebene tun.

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